Luftverschmutzung

Waldbrände führen zu mehr Gewaltverbrechen

 Robert Klatt

Luftverschmutzung durch einen Waldbrand )moc.sotohptisopedsotohPekttiW(Foto: © 

Der Klimawandel führt zu immer mehr Waldbränden. Nun wurde entdeckt, dass es an Tagen mit einer hohen Rauchbelastung öfter zu Gewaltverbrechen kommt.

Konstanz (Deutschland). In vielen Regionen der Erde führt der Klimawandel zu mehr Trockenheit (Aridität) und intensiven Hitzewellen, durch die Waldbrände öfter und intensiver auftreten. Diese großen Brände sorgen für eine starke Luftverschmutzung und beeinflussen das lokale Klima für Jahrzehnte. Forscher der Universität Konstanz haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob es eine Korrelation zwischen der starken Luftverschmutzung und dem Aggressionsverhalten von Menschen, speziell von Gewaltverbrechen, gibt.

Sie haben dazu Daten der öffentlichen Polizei- und Verkehrsstatistik der Stadt Seattle aus dem Zeitraum 2013 bis 2023 mit dem Vorhandensein von Waldbrandrauch in der US-amerikanischen Großstadt verknüpft. Ob Waldbrandrauch vorhanden war, haben sie mit Satellitendaten, Daten von lokalen Messstationen und Windrichtungsanalysen erfasst.

Waldbrände an 447 Tagen

Laut den analysierten Daten gab es im elfjährigen Untersuchungszeitraum an 447 Tagen Waldbrände im Umfeld von Seattle (11,1 %). An diesen Tagen kam es signifikant öfter zu Gewaltverbrechen (+ 3,6 %) als an Tagen, an denen die Luft der Stadt nicht durch Waldbrände verschmutzt war. Die zusätzlichen Gewaltverbrechen haben sich nahezu ausschließlich im Freien ereignet, also dort, wo die Menschen dem Rauch ausgesetzt waren, während es in Innenräumen und an Tagen ohne Rauch keine Zunahme der Gewalt gab. Die Daten zeigen zudem, dass die Polizei an Tagen mit einer Rauchbelastung härter gegen die Kriminalität vorgeht und öfter Gewalt anwendet.

Höhere Gewaltbereitschaft durch Luftverschmutzung?

Wie die Forscher erklären, handelt es sich lediglich um eine statische Analyse, die nicht kausal belegen kann, dass die Rauchpartikel tatsächlich dazu führen, dass Menschen eher zu Gewalt neigen. Die statistische Häufung ist aber sehr konsistent.

„Wichtig ist mir zu betonen: Unsere Studie liefert keinen direkten kausalen Nachweis für Auswirkungen des Rauchs auf den menschlichen Körper.“

Ein Großteil der Menschen in Seattle ist auch an Tagen mit einer hohen Luftverschmutzung nicht gewalttätig. Die beobachtete Zunahme an Gewaltverbrechen entspricht etwa einem zusätzlichen Gewaltverbrechen pro Tag. Zudem erklären die Forscher, dass die Ergebnisse nicht nur für Seattle relevant sind, sondern immer mehr Regionen betreffen könnten.

„Im Zuge des Klimawandels breiten sich Waldbrandperioden geographisch aus und verlängern sich. Der Rauch kann sich über teils hunderte Kilometer verbreiten. Erst 2025 war in Europa ein Rekordjahr an Waldbränden.“

Quellen:

Pressemitteilung der Universität Konstanz

Studie im Fachmagazin Environmental Research Letters, doi: 10.1088/1748-9326/ae436c

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