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Klimawandel

Verstärkter Klimaschutz erfordert Kosten in Billionenhöhe

Mit Bezug auf unter anderem die Förderung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen durch Einspeisevergütungen prognostizierte Bundesumweltminister Peter Altmaier bereits 2013, dass die Kosten der Energiewende sich auf rund eine Billion Euro summieren könnten. Und erntete damals vor allem Unglauben und Spott. Jahre später zeigt die Studie des BDI zum Klimaschutz „Klimapfade für Deutschland“, dass Altmaier nicht übertrieben hat. Sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 80 bis 95 Prozent bis 2050 gesenkt werden, wie von der Bundesregierung angekündigt, reichen eine Billion Euro nicht einmal aus.

Deutschlands Ziel, die Treibhausgasemissionen im Einklang mit der EU bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken ist ein ehrgeiziges. Die Studie zum Klimaschutz „Klimapfade für Deutschland“ hat sich daher zur Aufgabe genommen, zu überprüfen, ob und wie das überhaupt gehen kann.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat für die noch recht junge Studie knapp 200 Experten zehn Monate lang rechnen lassen, um ein 300 Seiten starkes Ergebnis hervorzubringen. 68 Verbände und Unternehmen speisten Zahlen ein. Wissenschaftler, Unternehmer und Gewerkschafter diskutierten in über 40 Workshops über alle möglichen und denkbaren Szenarien der Zukunft hinsichtlich der Energieversorgung und den Auswirkungen der diversen Energien auf die Umwelt. Die Studie verstand sich in ihrer Aufgabe von Anfang an als "objektive und breit abgesicherte Faktenbasis für den weiteren gesellschaftlichen und politischen Diskurs", wie es auf der Website des BDI selbst nachzulesen ist.

Die Institute "Prognos" und "Boston Consulting Group" fassten die Studie „Klimapfade für Deutschland“ zusammen und analysierten die Zahlen und Ergebnisse. Gerade, was die Kosten betrifft, spricht die Studie Bände: So müsse Deutschland in den kommenden 30 Jahren rund 1,5 Billionen Euro zusätzlich investieren, um den CO2-Ausstoß um die geplanten 80 Prozent senken zu können.

Wie teuer es wirklich würde

Allerdings ist hiermit nur das Minimalziel erreicht und die Kosten würden in Wirklichkeit noch höher liegen. Grund dafür ist die schriftliche Zusage Deutschlands beim Weltklimaabkommen von Paris im Jahr 2015, sogar eine CO2-Einsparung von ganzen 95 Prozent bis zum Jahr 2050 anzustreben. Eine im Grunde vollständige Dekarbonisierung der Gesellschaft erfordere laut BDI sogar bis zu 2,3 Billionen Euro an Mehrinvestitionen.

Beim Import etwa von Rohöl oder Kohle würden die Investitionen in Billionenhöhe allerdings sogar für Einsparungen sorgen. Somit fielen die direkten volkswirtschaftlichen Mehrkosten nach Abzug von Energieeinsparungen mit 470 (Minimalziel) bis 960 Milliarden Euro (Maximalziel) bis 2050 geringer aus.

Mitunter könnten die Investitionen das deutsche Bruttoinlandsprodukt bis 2050 sogar erhöhen. Das liegt daran, dass von den Klimaschutzausgaben zahlreiche Industriesektoren, wie etwa der Maschinenbau oder die Bau- und Dämmstoffindustrie in Form zusätzlicher Aufträge gerade im Export profitieren könnten.

Die Studienautoren sprachen bei optimaler politischer Umsetzung aller Maßnahmen von einer möglichen „schwarzen Null“ im Bruttoinlandsprodukt. Das heißt, die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der betrachteten Klimapfade würden neutral bleiben und im 80%-Klimapfad wäre dies sogar im Szenario ohne globalen Konsens der Fall.

Allerdings würde hierfür nichts um einen umfangreicheren Schutz gefährdeter Industrien führen, um der möglichen Schwächung industrieller Wertschöpfung entgegenzuwirken. Dieser Schutz würde wohl in Form eines wirksamen Carbon-Leakage-Schutzes und langfristig verlässlicher Ausgleichsregelungen für Industrien im internationalen Wettbewerb stattfinden.

Klimaschutz gegen Betriebswirtschaft

Vorschnell aus einem stabilen Bruttoinlandsprodukt zu schlussfolgern, dass die Investitionen zum Klimaschutz für alle Bürger ein Gewinn wären, wäre jedoch falsch. Denn auch ein Verkehrsunfall erhöht rein theoretisch das BIP und dennoch wünscht sich niemand einen solchen. Gesamtwirtschaftlich und klimapolitisch sinnvolle und rentable Entwicklungen müssen betriebswirtschaftlich nicht unbedingt lohnenswert sein.

Im Gegenteil: Der größte Teil der nötigen Maßnahmen, die zur Erreichung des 80%-Ziels umgesetzt würden, könnte vorerst wirtschaftliche Verlierer produzieren.

Und eine 95%ige Treibhausgasreduktion wäre sogar an der Grenze absehbarer technischer Machbarkeit und heutiger gesellschaftlicher Akzeptanz. Sie würde im Grunde genommen Nullemissionen für weite Teile der deutschen Volkswirtschaft erfordern. Neben einem weitestgehenden Verzicht auf alle fossilen Brennstoffe würde dies beispielsweise auch den Import erneuerbarer Kraftstoffe, den selektiven Einsatz aktuell unpopulärer Technologien wie Carbon-Capture-and-Storage (CCS) und weniger Emissionen im Tierbestand bedeuten. Nur wenn die meisten anderen Länder derlei hohe Ambitionen hätten, könnte man hier an eine erfolgreiche Umsetzung denken.

Doch wie erwähnt ist auch das 80%-Ziel kein finanziell günstiges. Da auch Hauseigentümer für Klimaschutzauflagen früher oder später zur Kasse gebeten werden – denn die Billionensumme der nötigen Investition muss von irgendjemandem gezahlt werden –, sind diese angehalten, so früh wie möglich in etwa die Umsetzung erneuerbarer Energieversorgung im eigenen Haushalt zu investieren.

Neben beispielsweise der Anschaffung einer Photovoltaikanlage, für die laut Studie des Fraunhofer-Instituts immer noch stetig die Preise sinken, kann sich etwa auch ein Stromspeicher für eine solche Anlage lohnen. Anreize setzen einzelne Bundesländer für derlei Maßnahmen etwa, indem Käufer eines PV-Speichers Investitionszuschüsse erhalten. So ist in Bayern zum Beispiel beim Bau eines KfW-Effizienzhauses und Erfüllung aller Fördervoraussetzungen ein TechnikBonus von 1.000€ – 3.000€ erhältlich. Baden-Württemberg wiederum fördert Stromspeicher, die in Verbindung mit einer PV-Anlage bis 30 kWp installiert werden, mit 200€ je kWp.

Fehlsteuerungen in der Umsetzung der Klimapfade (wie passend zu genanntem Anreiz der Förderungen) durch etwa Überförderungen und die Verzögerung des Netzausbaus könnten die Kosten und Risiken noch einmal erheblich steigen. Oder das Ziel sogar unerreichbar werden lassen. Deshalb ist davon auszugehen, dass der anstehende Transformationsprozess Deutschland vor erhebliche Umsetzungsherausforderungen stellen wird. Die Klimapfade sind volkswirtschaftlich kosteneffizient und müssen ideal umgesetzt werden – unter anderem im Sinne sektorübergreifender Optimierung an vielen Stellen und richtiger Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt.

Wie der Klimaschutz auch das Bier teurer macht

Unbestreitbar geht das Klima vor. Dennoch sorgt der Klimaschutz eben auch auf Seiten der einzelnen Bürger für Abstriche. Zunächst sind wie gesagt Investitionen notwendig, um die Energiewende einzuleiten. Auch das alltägliche Verhalten im Haushalt gilt es anzupassen. Da beispielsweise Studien zufolge Mikrowellen in der EU so viel CO2 erzeugen wie 6,8 Millionen Autos, steht fest, dass Endverbraucher eine Mitschuld an der drastischen Klimaerwärmung tragen. Und schließlich kommt hinzu, dass sie für den Konsum altbewährter Lebensmittel mitunter mehr zu zahlen haben.

Denn nachgewiesenermaßen würde beispielsweise das Bier teurer, wenn sich an den heutigen Daten nichts ändern würde. Das liegt daran, dass die Gerste als wichtigste Brauzutat des Biers immer knapper wird. Steven Davis von der "University of California" (UCI) in Irvine (USA) hat mit seinem Team für eine Studie zunächst historische Daten zur Anfälligkeit von Gerste auf Wetterextreme ausgewertet. Und schließlich betrachtete er die Klimaszenarien für unser Jahrhundert. Berücksichtigt wurde die Entwicklung zwischen 2010 und 2099. Das Ergebnis ist eindeutig: Es lässt sich ein Rückgang der Erträge im Laufe des Jahrhunderts um durchschnittlich 3-17% beobachten. Verantwortlich dafür ist das häufigere gleichzeitige Auftreten von Dürre- und Hitzeperioden während der Wachstumsperiode von Gerste.

Sollten sich die Ernteerträge stabilisieren, sieht es natürlich schon wieder anders aus. Außerdem könnten neue Gerstesorten oder Technologien entwickelt werden, um die Erträge zu steigern. Und letztlich bleibt natürlich die Frage im Raum, ob steigende Bierpreise im Angesicht der Auswirkungen des Klimawandels überhaupt ein echtes Problem darstellen.

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