Autoverkehr

Umweltzonen senken Lebenszufriedenheit der Anwohner

Robert Klatt

Umweltzonen verbessern die Luftqualität und die Gesundheit der Anwohner. Trotzdem senken sie temporär deren Lebenszufriedenheit.

Berlin (Deutschland). Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Forschungsinstitut RFF-CMCC senken Umweltzonen temporär die Lebenszufriedenheit der Anwohner, obwohl sie sich positiv auf ihre Gesundheit und die Luftqualität an ihrem Wohnort auswirken. Als Basis der Studie (PDF) nutzten die Forscher Daten des Umweltbundesamtes und des Sozio-ökonomischen Panels im DIW Berlin (SOEP).

„Umweltzonen und damit verbundene Fahrverbote senken nachweislich die verkehrsbedingte Schadstoffbelastung. Dennoch stoßen die Zonen nicht nur auf Zustimmung. Erst etwa vier bis fünf Jahre nach der Einführung scheinen sich die AnwohnerInnen damit angefreundet zu haben“, erklärt DIW-Ökonomin Nicole Wägner.

Beschränkungen der Mobilität und zusätzliche Kosten

Die temporäre Unzufriedenheit der Anwohner wird laut den Autoren vor allem durch Veränderungen in ihren individuellen Lebensumständen verursacht. Besonders die Beschränkungen der Mobilität und der eventuell nötige Umstieg auf ein schadstoffärmeres Fahrzeug sind die Hauptgründe dafür, dass Umweltzonen nicht von allen Anwohnern akzeptiert werden.

„Die verringerte Lebenszufriedenheit ist bei Menschen unter 65 Jahren und Dieselfahrern stärker ausgeprägt als bei älteren Personen und HalterInnen von benzinbetriebenen Fahrzeugen. Jüngere Menschen haben ein größeres Mobilitätsbedürfnis und müssen öfter mit dem Auto zur Arbeit fahren. Für Dieselfahrzeuge gelten in Umweltzonen strengere Standards als für Benziner“, erklärt RFF-CMCC-Ökonom Luis Sarmiento.

Gesundheitliche Vorteile von Umweltzonen

Laut dem subjektiven Empfinden der Anwohner werden diese Einschränkungen auch nicht durch die gesundheitlichen Vorteile vom Leben in einer Umweltzone wettgemacht. Eine Umweltzone reduziert laut Studie das Risiko von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen der Anwohner deutlicher. Die DIW-Studie deutet zudem darauf hin, dass das Risiko für Bluthochdruck bei Anwohner einer Umweltzone ebenfalls sinkt.

Bessere Luftqualität

Außerdem zeigt die Studie deutlich, dass in Umweltzonen die Luftqualität besser ist. In ihnen kann es jedoch zu höheren Ozonwerten kommen. Das liegt daran, dass Ozon nicht von den Autos emittiert wird, sondern sich aus Vorläuferschadstoffen erst unter Sonneneinstrahlung durch chemische Prozesse bildet. Wenn die Stickoxidemissionen des Verkehrs sinken, kann die Ozonkonzentration deshalb steigen. In einigen Umweltzonen ist dies der Fall. Insgesamt ist die dortige Luftqualität aber durch die sinkenden Konzentrationen von Feinstaub und Stickstoffdioxid deutlich besser.

Laut den Studienautoren sind Umweltzonen deshalb eine wirksame Methode, um Krankheitsrisiken und die Luftverschmutzung in Städten zu verringern. Damit die Akzeptanz der Bewohner steigt, sollten diese Vorteile jedoch klarer kommuniziert werden.

„Neben verstärkten Aufklärungskampagnen zu den gesundheitlichen Vorteilen würden wohl finanzielle Ausgleichsmechanismen wie etwa Vergünstigungen für den Kauf sauberer Fahrzeuge in Härtefällen greifen. Auch Gutscheine für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder eine Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs könnten die Umweltzonen attraktiver machen“, konstatiert Studienautor und DIW-Ökonom Aleksandar Zaklan.

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