DNA-Sequenzierung

Spuren von gefährdeten Haien in Hundefutter entdeckt

Robert Klatt

Wissenschaftler haben in zahlreichen Hunde- und Katzenfutterproben DNA von gefährdeten und sogar vom Aussterben bedrohten Haiarten gefunden.

Singapore (Singapore). Wissenschaftler der National University of Singapore (NUS) haben entdeckt, dass Hunde- und Katzenfutter gefährdete Haifische enthalten. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Frontiers in Marine Science analysierte sie für ihre Studie 144 Proben aus 45 Tierfutterprodukten von 16 unterschiedlichen Marken. Alle Produkte wurden in Singapur erworben. Sie werden zum Teil aber auch in Deutschland verkauft.

Anhand der sequenzierten DNA konnten die Wissenschaftler ermitteln, dass etwa ein Drittel der Produkte Erbgut von Haien enthält. Am häufigsten wurden Anteile des Blauhais, des Seidenhais und des Weißspitzen-Riffhais in den Hunde- und Katzenfutterproben entdeckt.

Gefährdete Arten im Hundefutter

In der Roten Liste der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) wird der Seidenhai und der Weißspitzen-Riffhai als „gefährdet“ geführt. Offiziell gehört der Blauhai zwar noch nicht zu den bedrohten Arten, es gibt jedoch Hinweise darauf, dass auch seine Bestände überfischt sind. Wissenschaftler fordern deshalb, dass der Fang von Blauhaien ebenfalls streng reguliert werden soll.

In einem kleinen Teil der Katzen- und Hundefutterproben fanden sie Wissenschaftler zudem DNA des  Sichelflossen-Wieselhais, des Karibischen Scharfnasenhais und des Sandtigerhais. Diese Arten gelten ebenfalls als gefährdet, der Sandtigerhai sogar als vom Aussterben bedroht. Wie groß der Haianteil am Futter ist, zeigt die DNA-Sequenzierung nicht. Sie liefert also lediglich Informationen darüber, welche Arten enthalten sind.

Keine Kennzeichnung der Inhaltsstoffe

Laut der Studie wurde der Haianteil von keinem der Hersteller auf der Tierfutterverpackungen gekennzeichnet. Erwähnt wurden lediglich allgemeine Begriffe wie „Weißfisch“ oder „Meeresfisch“. Bei einem Teil der Futter, die Haie enthielten, fehlte jeglicher Hinweis auf Fisch. Verbraucher können aufgrund dieser irreführenden Kennzeichnung kaum informierte Kaufentscheidungen treffen. Sie könnten also unwissentlich zur Überfischung gefährdeter Arten beitragen, erklären die Autoren.

Frontiers in Marine Science, doi: 10.3389/fmars.2022.836941

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