Geoengineering

Projekt für einen riesigen Unterwasservorhang in der Antarktis gestartet

 Robert Klatt

Unterwasservorhang soll Gletscher vor wärmeren Wasser schützen )moc.sotohptisopedsodenet(Foto: © 

Die Gletscher der Antarktis schmelzen immer schneller. Nun wurde das Seabed Curtain Project gestartet, das das Eis des Doomsday-Gletschers mit einem riesigen Unterwasservorgang vor dem wärmeren Wasser retten soll.

Rovaniemi (Finnland). Das Eis der Antarktis schmilzt wegen des Klimawandels immer mehr ab. Laut einer Studie der Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) wird dieser Prozess durch Kreuzfahrtschiffe, die schwarze Kohlenstoffpartikel emittieren und dadurch die Eisschmelze verstärken, beschleunigt. Angesichts der abtauenden Gletscher, durch die der Meeresspiegel zunehmend ansteigt, denkt die Wissenschaft über Lösungen nach, mit denen das Eis erhalten werden soll, darunter laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine künstliche Beschneiung der Westantarktis, die vergleichbar mit der in Skigebieten ist.

Forscher haben zudem 2018 die Idee gehabt, dass schwimmende „Vorhänge“ dabei helfen könnten, das Eis der Antarktis zu erhalten. Diese solle verhindern, dass das warme Meerwasser die Gletscher erreicht. Studien, die die Machbarkeit dieser Barrieren untersucht haben, haben sich primär auf den sogenannten Doomsday-Gletscher (Thwaites) konzentriert. Dieser soll laut dem Konzept mit einem hunderte Meter langen „Vorhang“ aus einem wasserbeständigen Material, der am Meeresboden verankert wird und dann vertikal im Wasser treibt, geschützt werden.

Seabed Curtain Project

Wissenschaftler von renommierten Universitäten, darunter die University of the Arctic (UArctic), haben nun ein internationales Konsortium gegründet. Das sogenannte Seabed Curtain Project hat erstmals einen konkreten Plan entwickelt, laut dem der Unterwasservorhang bis 2040 umgesetzt werden kann. Der geplante Vorhang soll 150 Meter hoch und 80 Kilometer lang werden und könnte somit den gesamten Doomsday-Gletscher umschließen.

Im Rahmen des Projekts haben die Forscher bereits Roboter zum Doomsday Gletscher geschickt, um die dortige Umgebung genau zu erfassen. Zudem haben sie Bohrungen in einem kaum erreichbaren Teil des Gletschers durchgeführt und dort Messgeräte installiert, die Echtzeitinformationen über den Gletscher liefern.

„Im Rahmen des laufenden 3-jährigen Programms konzentrieren wir uns auf die Technologieentwicklung, die Konstruktion und die wissenschaftliche Erprobung von Prototypen, die in einem Fjord in Norwegen eingesetzt werden.“

„Wir werden fast in Echtzeit beobachten, wie sich warmes Meerwasser auf das Eis in 1.000 Metern Tiefe auswirkt. Dies ist erst seit Kurzem möglich – und entscheidend, um zu verstehen, wie schnell der Meeresspiegel ansteigen könnte.“

Inzwischen sind auch kritische Stimmen zum geplanten Unterwasservorgang aufgekommen, unter anderem aufgrund der hohen Kosten. Die Errichtung würde rund 80 Milliarden US-Dollar kosten und die jährlichen Wartungsarbeiten etwa zwei Milliarden US-Dollar. Außerdem wird das Geoengineering kritisiert, weil es ungeahnte Risiken birgt und lediglich die Symptome des Klimawandels, nicht aber dessen Ursachen bekämpft.

Quellen:

Studie im Fachmagazin Nature, doi: d41586-024-00119-3

The Seabed Curtain der University of the Arctic (UArctic)

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