Kurilen-Kamtschatka-Graben

Mikroplastik belastet Tiefsee stärker als angenommen

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Sedimentproben aus dem westpazifischen Kurilen-Kamtschatka-Graben belegen, dass die Tiefsee noch stärker mit Mikroplastik belastet ist, als bisher angenommen wurde
  • Die Bodenproben aus 5740 bis 9450 Metern Tiefe enthielten pro Kilogramm zwischen 215 und 1596 Mikroplastikpartikel
  • Zudem zeigt die Studie, dass Strömungen, Wirbel und Tiefseeorganismen den Müll ständig in Bewegung halten

Sedimentproben aus dem westpazifischen Kurilen-Kamtschatka-Graben zeigen, dass die Tiefsee noch stärker mit Mikroplastik belastet ist, als bisher angenommen wurde.

Bremerhaven (Deutschland). Wissenschaftler der University of Manchester haben im Mai 2022 im Tyrrhenisches Meer vor Korsika am Meeresboden einen Mikroplastikrekord festgestellt. Verantwortlich dafür sind bodennahe Meeresströmungen, die für eine Konzentration der kleinen Plastikteilchen in Tiefseegräben und Unterseecanyons sorgen. Eine Untersuchung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der Frankfurter Goethe-Universität und des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zeigt nun, dass der Meeresgrund in der Tiefsee noch stärker mit Mikroplastik belastet ist, als die Wissenschaft bisher angenommen hat.

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Science of The Total Environment haben die Forscher um Serena Abel und Angelika Brandt für ihre Studie 2016 Sedimentproben im westpazifischen Kurilen-Kamtschatka-Graben entnommen. Die anschließende Analyse der Proben mit der Micro-FTIR-Methode zeigt, dass der Meeresgrund zwischen 215 und 1596 Mikroplastikpartikel pro Kilogramm enthält, also deutlich mehr als jemals zuvor nachgewiesen wurde.

Mikroplastik in allen Sedimentproben

„Wir haben insgesamt 13 Proben an sieben verschieden Stationen des Grabens genommen, in Tiefen zwischen 5740 und 9450 Metern. Keine einzige davon war frei von Mikroplastik“, erklärt Abel. Erwartet haben die Forscher eine so große Menge Mikroplastik zuvor nicht.

Ein Großteil der Plastikteilchen stammt aus Plastikmüll, der illegal in den Meeren entsorgt wird. Im Laufe von Jahrzehnten werden die großen Plastikteile von den Meeresströmungen immer weiter zerrieben. Dabei sinkt ein Großteil des Plastikmülls bis in die maritimen Gräben in Tausenden Metern Tiefe ab.

Tiefsee als Endlager

„Jedes Jahr gelangen schätzungsweise 2,4 bis 4 Millionen Tonnen Plastik über die Flüsse ins Meer, als Folge des extremen weltweiten Plastikkonsums und der schlecht organisierten Müllentsorgung“, so Brandt. Die Tiefsee wird dadurch zunehmend zu einem Endlager für Müll.

„Bislang galt der tiefste Meeresgrund als eine vergleichsweise unbeeinflusste und stabile Umgebung, in der sich das Mikroplastik ablagert und an einem Ort verbleibt“, erklärt Abel. Die nun genommenen Proben enthielten jedoch in wenigen Metern Entfernung komplett unterschiedliche Plastikpartikel. „Das zeigt, was für eine dynamische Umgebung die tiefsten Bereiche der Tiefsee tatsächlich sind“, konstatieren die Autoren. Strömungen, Wirbel und Tiefseeorganismen sorgen demnach dafür, dass das Mikroplastik im Sediment ständig in Bewegung bleibt.

Science of The Total Environment, doi: 10.1016/j.scitotenv.2022.156035

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