Umweltschutz

Leder aus Pilzen entwickelt

Robert Klatt

Das vegane Leder aus Pilzen ist umweltverträglicher und günstiger als echtes Leder aus Tierhäuten, besitzt aber ähnliche taktile Eigenschaften und ist biologisch abbaubar.

Wien (Österreich). Leder gehört zwar zu den besonders langlebigen Materialien, belastet die Umwelt aber trotzdem stark. Verantwortlich dafür sind die Treibhausgase, die in der Tierhaltung emittiert werden, sowie der hohe Energieverbrauch und der Einsatz problematischer Chemikalien bei der Gerbung und Tönung der Tierhäute. Die Herstellung von 1.000 Kilo Leder erzeugen etwa 600 Kilogramm Abfall.

Produzenten, die derzeit Leder einsetzen, suchen deshalb schon lange nach alternativen Materialien mit ähnlichen Eigenschaften, die wirtschaftlicher sind und als positiven Nebeneffekt die Umwelt weniger belasten. Synthetisches Leder aus Kunststoffen wie Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyurethan (PU) konnte ich aufgrund der deutlich kürzeren Lebensdauer und der häufig enthaltenen gesundheitsschädlichen Chemikalien allerdings nicht etablieren.

Gewebe aus Pilzen

Forscher der Universität Wien haben nun eine vegane Lederalternative auf Basis von Pilzen vorgestellt. Laut der Publikation im Magazin Nature Sustainability hat das Team um Mitchell Jones diesen Forschungsansatz gewählt, weil Pilze neben Stärkemolekülen auch Chitin enthalten, die ähnlich wie das tierische Strukturprotein Collagen zur Stabilität des Materials beitragen. In der Vergangenheit wurden Bestandteile von Champignons, deren Chitin eine kettenförmige molekulare Struktur wie Cellulose besitzt, bereits zur Produktion von Papier und Bauschaumstoffen genutzt.

Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit vereint

Laut Co-Autor Alexander Bismarck „kommen nun aus Pilzen gewonnenen lederartige Materialien ins Spiel, die CO2-neutral sind und am Ende der Nutzungsdauer in der Regel auch vollständig biologisch abbaubar sind.“ Die Herstellung soll nicht nur umweltschonender, sondern auch deutlich günstiger als herkömmliches Leder sein, weil die dafür benötigten Pilze geringe Ansprüche an ihren Lebensraum stellen und sich auch auf forstwirtschaftlichen Nebenprodukten wie Sägemehl züchten lassen. Nötig sind außerdem eine konstant hohe Temperatur und eine hohe Feuchtigkeit des Bodens.

Pilzbiomasse wächst schnell

Die Pilzbiomasse benötigt nur wenige Woche zum Wachsen und kann anschließend zum Beispiel durch Trocknen und Pressen physikalisch und chemisch weiterverarbeitet werden. Bismarck erklärt, dass „diese Blätter aus Pilzbiomasse dadurch wie Leder aussehen und vergleichbare Material- und taktile Eigenschaften aufweisen.“ Das Material ist wasserresistent und flexibel, kann aber nach seiner Verwendung trotzdem biologisch abgebaut werden. Auch die Färbung mit Pigmenten und das mechanische Bedrucken mit einem Muster ist wie bei echtem Leder problemlos möglich.

Marktreife noch nicht erreicht

Bis zur Marktreife sind laut den Forschern aber noch Verbesserungen nötig. Problematisch ist vor allem der Anbau, bei dem „gleichmäßiges Wachstum und gleichbleibende Dicke, Farbe und mechanischen Eigenschaften“ noch nicht immer erreicht werden können.

Trotzdem sind die Studienautoren der Ansicht, dass das Pilzmaterial eine kostengünstige, sozial und umweltverträgliche Alternative zu Leder sein kann. Laut Bismarck „deuten erhebliche Fortschritte in dieser Technologie und die wachsende Zahl von Unternehmen, die die Lederalternativen herstellen darauf hin, dass dieses neue Material eine bedeutende Rolle in der Zukunft ethisch und ökologisch verantwortlicher Stoffe spielen wird.“ Erste Unternehmen vermarkten bereits Materialien auf Basis von Pilzen.

Nature Sustainability, doi: 10.1038/s41893-020-00606-1

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