Robert Klatt
KI-Rechenzentren produzieren enorme Abwärme, die die Oberflächentemperatur um bis zu 9,1 Grad Celsius erhöht. Die dadurch entstehenden Hitzeinseln betreffen bereits 340 Millionen Menschen. In Zukunft wird das Problem durch den KI-Boom deutlich zunehmen.
Cambridge (England). In den kommenden Jahren nimmt die Zahl der Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) global stark zu. In Anbetracht des hohen Strombedarfs, der laut der Internationalen Energieagentur (IEA) ein Comeback der Atomkraft auslösen wird, denken mehrere Unternehmen darüber nach, ihre KI-Rechenzentren in Zukunft im Weltraum zu positionieren, so sie mit dauerhaft verfügbarer Solarenergie versorgt werden könnten. Google hat bereits angekündigt, das erste Modul im kommenden Jahr in den Erdorbit befördern zu wollen.
Forscher der University of Cambridge haben nun eine Studie publiziert, die ein weiteres Problem der KI-Rechenzentren offenbart. Die Rechenzentren erhöhen demnach die Durchschnittstemperaturen in ihrer Umgebung durch ihre Wärme um mehrere Grad Celsius. Es kommt dadurch zu sogenannten Hitzeinseln, die bereits rund 340 Millionen Menschen betreffen.
Die Studie basiert auf Satellitendaten zur Oberflächentemperatur der letzten 20 Jahre, die die Forscher mit Standortdaten von mehr als 8.400 KI-Rechenzentren verknüpft haben. Weil auch andere Faktoren die Umgebungstemperatur beeinflussen können, haben sie nur Rechenzentren einbezogen, die sich nicht in dicht besiedelten Gebieten finden.
Die Satellitendaten zeigen, dass die Oberflächentemperatur des Bodens kurz nach der Inbetriebnahme eines KI-Rechenzentrums durchschnittlich um zwei Grad Celsius zunimmt. Der höchste, beobachtete Temperaturanstieg durch ein KI-Zentrum lag bei 9,1 Grad Celsius.
Laut den analysierten Satellitenaufzeichnungen nimmt die Oberflächentemperatur nicht nur unmittelbar um ein KI-Rechenzentrum zu, sondern in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern. Die Intensität nimmt dabei nur geringfügig ab und liegt bei einer Entfernung von sieben Kilometern noch bei 70 Prozent.
Bevölkerungsdaten von den Umkreisen der Rechenzentren zeigen, dass die Erwärmung bereits mehr als 340 Millionen Menschen trifft. Diese Personen leben somit in Regionen, die ohne das nahe KI-Rechenzentrum signifikant kühler wären. Ein Beispiel dafür ist Bajío in Mexiko, wo die Temperatur durch ein KI-Rechenzentrum im Zeitraum von 2004 bis 2024 um zwei Grad Celsius zugenommen hat. In Anbetracht des KI-Booms ist es wahrscheinlich, dass das Problem in Zukunft noch deutlich mehr Menschen treffen wird.
Quellen:
Preprint bei arXiv, doi: 10.48550/arXiv.2603.20897