Kohlendioxid-Bepreisung

Hohe Steuer macht CO2-Entnahmetechniken überflüssig

Robert Klatt

Ein hoher CO2-Preis ist laut einer Studie sinnvoller als die CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre. Die in Deutschland kürzlich eingeführte CO2-Abgabe ist laut den Wissenschaftlern aber noch deutlich zu niedrig.

Potsdam (Deutschland). Die meisten aktuellen Klimaschutzmodelle sehen vor, dass klimaschädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt wird. Eine Möglichkeit dazu ist der großflächige Anbau schnell wachsender Pflanzen. Diese könnte man anschließend zur Energiegewinnung verbrennen und das dabei frei gesetzte CO2 mithilfe moderner Filtermaterialien aus den Abgasen auffangen. Bezeichnet wird dieses Konzept als „Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung“ (BECCS).

Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun im Fachmagazin Nature Communications eine Studie veröffentlicht, laut der Maßnahmen wie der großflächige Anbau von Energiepflanzen zwar Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen würde, dabei aber Probleme in der Land- und Wassernutzung auslösen würden.

Maßnahmen nicht notwendig

Das Team um Jessica Strefler hat überdies ermittelt, dass die Maßnahmen ohnehin nicht notwendig sind, wenn eine ausreichend hohe CO2-Steuer vorhanden wäre. Laut ihrer Berechnung müsste der CO2-Preis dazu auf einem hohen Niveau starten und dann über einen kurzen Zeitraum nochmals ansteigen. Sobald die CO2-Neutralität erreicht wäre, könnte der Preisanstieg wieder abflachen.

Das Preismodell hätte zur Folge, dass es aus ökonomischer Perspektive sinnvoll wäre, CO2-Emissionen möglichst schnell zu reduzieren. Sobald der Preis nur noch sehr langsam steigt, wäre es weder nötig noch finanziell sinnvoll die teuren Entnahmetechniken einzusetzen.

Umgekehrte Bepreisung in der Realität

Die kürzlich in Deutschland einführte CO2-Abgabe, deren Effekte 360.000 stillgelegten Autos entspricht und andere in der Realität angewandte Modelle zur Kohlendioxid-Bepreisung sind hingegen komplett gegenläufig. Sie starten mit einem zunächst sehr niedrigen Preis, der im Zeitverlauf exponentiell ansteigt.

Es ist in diesen Modellen also einkalkuliert, dass die globale Wirtschaft so viel CO2 freisetzt, dass die Klimaerwärmung nicht auf unter zwei Grad begrenzt werden kann. Laut den Studienautoren „sprengt die Menschheit ihr verbleibendes CO2-Budget.“ Die Preiskurve schafft somit aus ökologischer Perspektive die Notwendigkeit zum Einsatz der fragwürdigen Entnahmetechniken.

Hoher CO2-Preis schafft Win-win-Situation

Der vom PIK mit der Umwelt-Energie-Wirtschaftssimulation REMIND ermittelte Preismodell würde laut den Wissenschaftlern hingegen eine Win-win-Situation schaffen. Laut Strefler liegt dies daran, dass ihr Modell sowohl die drohende Abhängigkeit von CO2-Entnahmetechniken als auch die wirtschaftlichen Risiken von hohen CO2-Preise mindert.

Nature Communications, doi: 10.5281/zenodo.3999986

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