Klimawandel

Hitzewellen treffen jüngste Generation siebenmal häufiger

Robert Klatt

Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse werden im Leben eines 2020 geborenen Kindes deutlich häufiger auftreten als bei einem 1960 geborenen Menschen. Verhindert werden können diese Auswirkungen nur, wenn die Menschheit nun entschieden gegen den Klimawandel kämpft.

Potsdam (Deutschland). Laut einer Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) werden heute geborene Kinder deutlich häufiger unter Hitzewellen und anderen Extremwettereignissen leiden als ein 1960 geborener Mensch. Wie die im Fachmagazin Science publizierte Studie zeigt, analysierten die Wissenschaftler Projektionen für Extremwetterereignisse und Daten zu globalen Temperaturverläufen, die sie mit Bevölkerungsdaten und Lebenserwartungszahlen übereinanderlegten. Dabei betrachteten sie mehrere Szenarien, bei denen die Entwicklung des Klimawandels zu jeweils unterschiedlich hohen globalen Durchschnittstemperaturen führen.

Ein 1960 geborener Mensch erlebt laut der Modellrechnung im Mittel zwei bis sechs Hitzewellen. Ein 2020 geborenes Kind wird in seinem Leben hingegen 10 bis 26 Hitzewellen erleben, wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt werden kann. Bei einem Temperaturanstieg von 2,0 Grad wird es hingegen 15 bis 29 Hitzewellen erleben. Behalten die Regierungen ihre unzureichenden Klimastrategien bei, sind 21 bis 39 Hitzewellen realistisch.

Zunahmen auch bei Waldbränden, Dürren und Co.

Ähnliche Entwicklungen gibt es auch bei Waldbränden, Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle. Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, werden laut Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel „ein bisher nie dagewesenes Leben“ führen. Die Extremwetterereignisse werden somit zunehmend zu einer Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen.

Arme Länder stärker betroffen

Besonders stark nehmen laut der Studie Extremwetterereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten zu. Länder mit geringem Durchschnittseinkommen sind demnach stärker betroffen als die reicheren Länder. Ein zwischen 2016 und 2020 in Afrika südlich der Sahara geborenes Kind wird fünfeinhalb bis sechsmal häufiger unter Extremwetter leiden. In Europa prognostizieren die Wissenschaftler für Kleinkinder bis zu viermal häufiger Extremwetterereignisse.

„Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Großteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen“, erklärt Katja Frieler vom PIK. Dies könnte die Extremwetterereignisse, die die junge Generation in ihrem Leben heimsuchen werden, global um 24 Prozent reduzieren.

Science, doi: 10.1126/science.abi7339

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