Zwei Feuersaisons haben in der kalifornischen Sierra Nevada einen erheblichen Teil des weltweiten Bestands an alten Mammutbäumen vernichtet. Eine Auswertung von 26.403 einzelnen Bäumen in 19 Hainen beziffert den Verlust an ausgewachsenen Exemplaren auf rund 19 Prozent des gesamten Bestands. Auffällig ist dabei nicht nur die Höhe des Verlusts, sondern seine Verteilung. Denn zwischen unmittelbar benachbarten Beständen lag der Unterschied im Überleben beim Faktor vier, und der Grund dafür wurde Jahre vor dem Feuer gelegt.
Riesenmammutbäume wachsen ausschließlich an den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien und bilden dort rund 70 voneinander getrennte Haine. Die Mammutbäume erreichen Stammdurchmesser von mehreren Metern, können über 3.000 Jahre alt werden und bringen eine Masse auf die Waage, die etwa 15 Blauwalen entspricht. Ihre dicke faserige Borke wirkt als Hitzeschild, die untersten Äste sitzen hoch über dem Boden, und die Zapfen öffnen sich erst unter Hitzeeinwirkung. Feuer ist für diese Art also kein Ausnahmezustand, sondern Voraussetzung für die Verjüngung. Über Jahrtausende zogen alle paar Jahrzehnte Bodenfeuer geringer Intensität durch die Bestände und hielten die Streuauflage niedrig. Jahrzehntelange Brandbekämpfung hat diesen Rhythmus unterbrochen, sodass sich in vielen Hainen große Mengen an Totholz, Nadelstreu und dichtem Unterwuchs angesammelt haben.
Im Herbst 2020 und 2021 trafen zwei ungewöhnlich heftige Brände auf diese vorbelasteten Bestände. Das Castle Fire und der KNP Complex brannten über weite Teile der Haine im Sequoia National Park und im angrenzenden Kings Canyon National Park. In beiden Jahren zusammen verbrannten in Kalifornien rund 2,8 Millionen Hektar, ein Rekordwert. Statt der historisch üblichen Bodenfeuer entstanden dabei über weite Strecken Kronenfeuer, deren Flammen bis in die Wipfel schlugen und damit genau jene Zone erreichten, gegen die selbst die dicke Borke keinen Schutz bietet. Eine Arbeitsgruppe hat den Zustand vor den Bränden mit flugzeuggestütztem Lidar erfasst, das die Struktur des Bestands mit Laserimpulsen dreidimensional vermisst, und die Folgen anschließend anhand hochaufgelöster Satellitenbilder für jeden einzelnen Baum bestimmt. Dass sich die verbrannte Fläche weltweit deutlich ausgeweitet hat, ist der übergreifende Rahmen, in den sich der kalifornische Befund einfügt.
Die Auswertung umfasst 26.403 Bäume in 19 Hainen. Über den gesamten natürlichen Verbreitungsraum hinweg starben in den beiden Feuersaisons rund 19 Prozent aller ausgewachsenen Exemplare, also knapp jeder fünfte alte Baum. Für eine Art, deren Gesamtbestand ohnehin auf einen schmalen Höhenstreifen begrenzt ist, bedeutet das einen Verlust, der sich in menschlichen Zeiträumen nicht ausgleichen lässt. Ein Baum, der beim Absterben 2.000 Jahre alt war, wird nicht innerhalb weniger Generationen ersetzt. Die Arbeit von Dan Dixon und Kollegen ist nach Angaben der University of California in Davis die erste, die den Effekt vorheriger Maßnahmen für einzelne Bäume flächendeckend und nicht nur stichprobenartig quantifiziert. Das Baumsterben verteilte sich dabei keineswegs zufällig über die Haine.
Bäume, in deren Umfeld innerhalb der vorangegangenen zehn Jahre ein Kontrollfeuer gelegt worden war, hatten ein um etwa 77 Prozent geringeres Sterberisiko. Anders ausgedrückt überlebten behandelte Exemplare die Flammen fast viermal so häufig wie unbehandelte Nachbarn im selben Hain. Der Mechanismus ist unspektakulär und genau deshalb belastbar. Ein kontrolliert gelegtes Feuer verbrennt Streu, Totholz und Unterwuchs, senkt also die verfügbare Brennstoffmenge und begrenzt die Flammenhöhe, wenn Jahre später ein unkontrollierter Brand durchzieht. Ohne diese Leiter aus brennbarem Material bleibt das Feuer am Boden und erreicht die Kronen nicht. Die Fernerkundung stützte sich auf Daten, deren Bedeutung die US-Raumfahrtbehörde in ihrem Bericht zur Untersuchung hervorhebt, und die darauf aufbauenden Modellrechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass die bereits durchgeführten Maßnahmen etwa 1.900 Bäume vor dem Absterben bewahrt haben. Wären alle Haine entsprechend vorbehandelt gewesen, hätten den Simulationen zufolge weitere rund 3.900 Bäume überlebt.
Das Programm mit Kontrollfeuern läuft in den beiden Nationalparks seit den 1960er Jahren und hat über die Jahrzehnte ein Flickenmuster aus behandelten und unbehandelten Flächen erzeugt. Genau dieses Muster machte den Vergleich überhaupt erst möglich, weil unmittelbar benachbarte Bestände mit unterschiedlicher Vorgeschichte demselben Feuer ausgesetzt waren. Für die Praxis folgt daraus, dass planmäßiges Brennen auch unter den verschärften Bedingungen der Gegenwart wirkt und nicht durch die zunehmende Intensität der Waldbrände entwertet wird. Die Übertragbarkeit hat allerdings Grenzen, denn die Haine sind außergewöhnlich gut kartiert, und der Zeitraum von zehn Jahren zwischen Maßnahme und Brand lässt sich nicht beliebig strecken. Wie schnell sich das globale Brandgeschehen verschiebt, lässt sich an satellitengestützten Auswertungen der weltweiten Feueraktivität ablesen, die Häufigkeit und Verteilung von Bränden über Jahre hinweg vergleichbar machen.
Nature Communications, Previous prescribed burns saved thousands of ancient sequoias during historically unprecedented wildfires; doi:10.1038/s41467-026-75418-6