Methanemissionen

Erdölförderung deutlich klimaschädlicher als gedacht

Robert Klatt

Die Gewinnung von Erdöl und Erdgas ist noch klimaschädlicher als bisher angenommen wurde, weil die Wissenschaft bisher ein Problem unterschätzt hat.

Stanford (U.S.A.). Es ist bereits seit Langem bekannt, dass bei der Erdöl- und Erdgasförderung signifikante Mengen des Treibhausgases Methan freigesetzt werden. Das im Gestein eingeschlossene Gas entweicht beim Abbau aus Pipelines und Bohrlöchern, wird aber auch absichtlich bei Entlüftungsmaßnahmen und beim Verbrennen in die Umwelt emittiert. Dies ist problematisch, weil Methan die Atmosphärenwärme etwa 86 Mal besser als Kohlendioxid speichert und somit ein enorm potentes Treibhausgas ist.

Eine Studie der Stanford University zeigt nun, dass das tatsächliche Ausmaß dieses Problems bisher unterschätzt wurde. Wie die Wissenschaftler feststellten, wird im Perm-Becken in New Mexico deutlich mehr Methan bei der Ölgewinnung freigesetzt als bisher angenommen wurde. Am Förderstandort in New Mexico werden laut Messungen per Flugzeug 194 Tonnen Methan pro Stunde emittiert. Dies ist mehr als doppelt so hoch wie die bisher höchsten Schätzungen.

Methanhotspots in New Mexico und Texas

Laut der Publikation im Fachmagazin ACS Publications überwachen Wissenschaftler und Umweltschützer die Methanemissionen über New Mexico und Texas bereits seit einigen Jahren, weil die Bundesstaaten als Methanhotspot bekannt sind. Eine im Fachmagazin Science publizierte Studie aus dem Jahr 2021 ermittelte mittels Satellitendaten, dass die Methanemissionen bei unter 4 Prozent der gesamten Erdgasproduktion dieser Region lagen.

Die nun veröffentlichte Studie kam hingegen zum Ergebnis, dass 9 Prozent der Erdgasproduktion aus Methan besteht. „Wir waren zunächst von der Größenordnung überrascht“, erklärt Yuanlei Chen, Doktorandin am Stanford Energy Resources Engineering Programm.

Messungen per Flugzeug

Die großen Abweichungen lassen sich durch die genauere Messmethode erklären. Das Team der Stanford University führte Messungen mit einem Flugzeug durch, dass die 100 Mal mehr Austrittsorte überflog als bei bisherigen Untersuchungen am Boden. Bei den Überflügen von Pipelines und aktiven Bohrlöchern in der Region New Mexico konnten die Forscher in 15 Monaten 1.985 Methanaustrittsorte entdecken.

Zudem konnten die Wissenschaftler feststellen, dass ein Großteil des Methans aus nur wenigen Emissionsstellen austritt. Etwa 5 Prozent der Abgasfahnen waren demnach für die Hälfte der Methanemissionen verantwortlich.

ACS Publications, doi: 10.1021/acs.est.1c06458

Science, doi: 10.1126/sciadv.abf4507

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