17,6 Meter hoch

Boje misst im Pazifik die extremste Monsterwelle

Robert Klatt

Im Pazifik wurde die bisher extremste Monsterwelle der Welt gemessen. Die 17,6 Meter hohe Welle tritt in dieser Region laut Berechnungen nur alle 1.300 Jahre auf.

Victoria (Kanada). Monsterwellen, die bei ansonsten eher ruhiger See auftreten und Menschen vom Ufer in den Tod reißen oder ganze Schiffe versenken, galten für Jahrhunderte als Seemannsgeschichten. Wissenschaftlich anerkannt sind solche Wellen, die auch als Freakwellen oder Riesenwellen bezeichnet werden, erst seit 1995. Wissenschaftler der University of Victoria haben nun anhand von Messdaten die bisher größte Monsterwelle belegt.

Wie die Ozeanografen Leah Cicon und Prof. Johannes Gemmrich im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht haben, erreichte die Monsterwelle am 17. November 2020 eine Höhe von 17,6 Metern. Gemessen gegenüber dem vorhergehenden und nachfolgenden Wellental war die Welle sogar 19,5 Meter hoch. Erhoben wurden diese Daten mit einer Messboje des Unternehmens MarineLabs.

Wellenhöhe relativ zum Wellengang

In absoluten Metern war die 1995 in Norwegen gemessene Draupner-Welle (26,6 Meter) noch höher. Diese ereignete sich jedoch, als der Wellengang durchschnittlich eine Höhe von 12 Metern erreichte. Bei der kürzlich im Pazifik gemessenen Welle erreichte der Wellengang hingegen nur etwa sechs Meter. Die Monsterwelle (17,6 Meter) war mit ihrer dreifachen Höhe des übrigen Wellengangs damit jemals extremste gemessene Monsterwelle. Aufgetreten ist die vor dem Ort Ucluelet an der Westküste Vancouver Islands (48,9° N, 125,6° W) in etwa 45 Meter tiefem Wasser im Bereich der Amphitrite-Bank.

„Proportional war die Welle vor Ucluelet wahrscheinlich die extremste Monsterwelle, die je gemessen wurde. Nur wenige Monsterwellen sind auf hoher See direkt beobachtet worden, aber keine in dieser Größenordnung. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas (an diesem Ort) auftritt, ist einmal in 1.300 Jahren“, erklärt Gemmrich. Laut den Wissenschaftlern stimmen die Daten aus Beschleunigungssensoren und dem Differenzial-GPS der Boje mit mathematischen Ableitungen aus den Wellenlängen überein. Die Monsterwelle gilt damit als wissenschaftlich bestätigt.

Wellendaten in Echtzeit

Die Messboje von MarineLabs wurde erst wenige Monate vor dem Auftreten der Welle installiert. Aktuell besteht das System aus 26 Bojen, die vor den Küsten der U.S.A. und Kanadas im Ozean schwimmen. Im laufenden Jahr soll die Anzahl 70 Bojen steigen. Diese werden per Solarstrom versorgt und können über Mobilfunk und Satellitenverbindungen Wellendaten in Echtzeit liefern.

Umsätze erzielt das Unternehmen, in dem die Daten an Wetteragenturen, Häfen und Schiffsbetreiber verkauft werden. Diese nutzen die Daten zur Planung der Schifffahrt und für die Installation neuer Wellenbrecher und Häfen.

Wie das Unternehmen berichtet, wurde die Boje durch die Welle kurz unter Wasser gezogen. Dabei kam es zu Schäden an der Verankerung, die bereits repariert wurden. Die Messboje selbst blieb trotz der enormen Kräfte unbeschädigt.

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-022-05671-4

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