Robert Klatt
Regenwald wird oft vernichtet, etwa für Weideflächen für die Rinderzucht und für die Landwirtschaft. Die abgeholzten Bereiche erholen sich überraschend schnell, wenn noch intakte Urwälder in der Umgebung existieren.
Darmstadt (Deutschland). In den tropischen Regenwäldern leben etwa drei Viertel aller Baumarten und zwei Drittel aller Wirbeltierarten. Obwohl sie somit das komplexeste Landökosystem des Planeten sind, wurde rund die Hälfte der ursprünglichen Regenwaldflächen vernichtet, etwa um Ackerflächen für die Landwirtschaft zu schaffen. Forscher der Technischen Universität Darmstadt haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob und wie schnell sich gerodete Regenwaldflächen nach einer landwirtschaftlichen Nutzung erholen können. Dabei haben sie neben den Bäumen auch 16 verschiedene Tier-, Bakterien- und Pflanzengruppen einbezogen.
Die Untersuchung wurde in der Chocó-Region (Ecuador) durchgeführt und umfasst 62 Gebiete, darunter Regenwaldflächen, Sekundärwälder, Weideflächen und Plantagen. Die Naturschutzorganisation Jocotoco hat die Flächen erworben und in ein großes Schutzgebiet eingebunden. Dadurch ist eine Gesamtfläche entstanden, die alle Zustände, von Weideflächen bis zum ursprünglichen Regenwald, umfasst.
Die in Ecuador erhobenen Daten zeigen, dass sich abgeholzte Regenwaldflächen überraschend schnell erholen und die Artenvielfalt nach 30 Jahren 90 Prozent ihres Ursprungsniveaus zurückerlangt. Dabei ist es entscheidend, dass nicht nur die unterschiedlichen Bäume zurückkehren, sondern auch Tierarten, etwa Vögel und Affen, die Baumsamen in den zuvor gerodeten Flächen verteilen und damit die Regeneration beschleunigen.
„Die vielen schnell zurückkehrenden Tierarten sind nicht nur Profiteure der Waldregeneration, sondern auch deren wichtigste Akteure.“
Die Regenerationsgeschwindigkeit ist bei mobilen Tierarten besonders hoch und sie kehren bereits nach wenigen Jahren zurück, während wirbellose Tiere, die im Laub und im Boden leben, deutlich länger benötigen und erst nach den Bäumen zurückkehren.
Laut den Studiendaten hängt die Regenerationsgeschwindigkeit zudem stark von der Nutzung der gerodeten Regenwaldflächen ab. Weideflächen erholen sich demnach deutlich länger als Kakaoplantagen, weil die Plantagenbäume für Schatten und Laub sorgen, während auf den Weideflächen fast nur kleine Graspflanzen existieren.
Eine Regeneration der gerodeten Regenwaldflächen setzt zudem voraus, dass in der Umgebung noch intakte Urwälder bestehen, aus denen die unterschiedlichen Lebensformen zurückkehren können. Die Autoren sprechen sich deshalb trotz der positiven Nachrichten dafür aus, die noch bestehenden, intakten Urwälder umfassend zu schützen.
Quellen:
Pressemitteilung der Technischen Universität Darmstadt
Studie im Fachmagazin Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10365-2