Black Carbon

Tourismus in der Antarktis beschleunigt die Eisschmelze

Robert Klatt

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Die Antarktis wird von immer mehr Touristen besucht. Flugzeuge, Schiffe und Dieselgeneratoren erzeugen jedoch Black Carbon (schwarzen Kohlenstoff), der die Eisschmelze beschleunigt.

Santiago de Chile (Chile). In den letzten Jahren haben immer mehr Menschen den antarktischen Kontinent besucht. Neben Forschern, die mithilfe des ältesten Eis der Erde die klimatische Entwicklung des Planeten untersuchen, waren dies auch Zehntausende Touristen. Allein in der Saison 2019/2020 bereisten laut Daten International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) mehr als 74.000 Touristen die Antarktis. Dies sind etwa doppelt so viele Touristen, wie vor einem Jahrzehnt.

Eine Studie der Universidad de Santiago de Chile zeigt nun, dass diese Menschenmengen nicht ohne Folgen für die Umwelt der Antarktis sind. Laut der Publikation im Fachmagazin Nature Communications schmelzen demnach durch den Antarktis-Tourismus pro Jahr 83 Tonnen Schnee zusätzlich ab.

Black Carbon beschleunigt Eisschmelze

Verantwortlich dafür ist Black Carbon (schwarzem Kohlenstoff), ein extrem feiner Ruß. Dieser entsteht unter anderem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe zum Beispiel durch Schiffe, Flugzeuge und Dieselgeneratoren, die für die Touristen betrieben werden müssen. Wenn sich diese feinen Partikel auf weißen Oberflächen wie Schnee ablagern, sorgen sie dafür, dass die Oberfläche sich stärker aufheizt und dass der Schnee schneller schmilzt. In den stark besuchten Gegenden führt dies in der Hauptreisezeit in den Sommermonaten für eine zusätzliche Schneeschmelze von 23 Millimetern.

Als Datenbasis nutzt die Studie Schneeproben von 28 Orten, die zwischen den Jahren 2016 und 2020 genommen wurden. Diese erstrecken sich über 2.000 Kilometer vom Ellsworth-Gebirge bis zur Nordspitze der Antarktis.

Sauberster Schnee der Welt

Obwohl in den letzten Jahren deutlich mehr Black Carbon in die Antarktis eingebracht wurde, ist der Schnee noch immer der sauberste der Welt. Der Ausgangswert liegt bei etwa einem Teil pro einer Milliarde. „Das ist 1000 Mal weniger als im Himalaja und 100 Mal weniger als in den Anden oder in den Rocky Mountains“, erklärt Raúl Cordero. In einigen Regionen der Antarktis ist die Konzentration jedoch bereits drei- bis viermal so hoch wie in anderen Teilen des Kontinents.

Die Wissenschaftler um Cordero fordern deshalb, dass darüber diskutiert werden sollte, die Anzahl der Touristen zu begrenzen. Alternativ müsste die Verbrennung fossiler Brennstoffe eingeschränkt werden, um weitere Emissionen von Black Carbon zu verhindern. Als Beispiel für eine Alternative nennen die Forscher die belgische Prinzessin-Elisabeth-Forschungsstation, die fast ausschließlich per Windkraft mit Energie versorgt wird.

Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-022-28560-w

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