CO₂-neutraler Strom

Solaranlagen haben in Deutschland eine höhere Lebensdauer als gedacht

 Robert Klatt

Solaranlage über einem Parkplatz )moc.sotohptisoped7amanap(Foto: © 

Solarmodule verlieren in Deutschland deutlich langsamer ihre Leistung, als Betreiber bei der Kalkulation angesetzt haben. Die realen Stromgestehungskosten der CO₂-neutralen Kraftwerke sind somit noch geringer als gedacht.

Cottbus (Deutschland). In Deutschland produzieren Solaranlagen etwa 17 Prozent der gesamten elektrischen Energie. Solarenergie ist damit eine der wichtigsten Stromquellen der Bundesrepublik. Neue Solaranlagen wie der größte Solarpark Deutschlands, der Energiepark Witznitz mit 1,1 Millionen Modulen, stehen trotzdem oft in der Kritik, unter anderem, weil ihre Lebensdauer zu kurz sein soll. Forscher der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) haben nun eine Studie publiziert, laut der Solarmodule in Deutschland ihre prognostizierte Lebensdauer oft deutlich übertreffen.

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie die Leistung von über 1,25 Millionen PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 34 Gigawatt (GW), die vor über 16 Jahren installiert wurden, analysiert. Sie konnten so feststellen, dass Solarmodule 0,52 bis 0,61 Prozent ihrer Leistung pro Jahr verlieren, also rund halb so viel wie zuvor geschätzt wurde. Der Leistungsverlust nimmt mit zunehmendem Alter der Solarmodule ab.

„Solarenergie expandiert rasant und zeigt eine höhere Lebensdauer als erwartet. Die Betrachtung von über einer Million realer PV-Anlagen zeigt, dass der jährliche Leistungsverlust nur etwa 0,59 Prozent beträgt – deutlich weniger als viele frühere Annahmen. Das ist eine positive Nachricht für Hausbesitzer, Investoren und die Solarindustrie insgesamt, denn das bedeutet auch, dass die Alterungskosten von Solaranlagen bis zum Jahr 2040 um ca 638 Mio EUR/Jahr niedriger sind als bisher gedacht.“

Umweltfaktoren beeinflussen Solaranlagen

Wie stark die Leistung der Solarmodule abnimmt, hängt in Deutschland vor allem von den Umweltbedingungen ab. Regen hat darauf nahezu keinen Einfluss, während Hitze, Frost und eine schlechte Luftqualität die Leistung signifikant reduzieren. Außerdem zeigen die Daten, dass kleine Solaranlagen ihre Leistung langsamer verlieren als große, komplexe Anlagen.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass Solaranlagen länger zuverlässig Strom liefern als bisher angenommen. Für Investoren, Planer und die Energiewende bedeutet dies: PV ist eine wirtschaftlich attraktive Technologie, die über Jahrzehnte zuverlässig Strom erzeugt.“

Laut den Forschern sind die Ergebnisse bedeutend, weil die prognostizierten Leistungsverluste der Solaranlagen entscheidend für deren Kalkulation sind. Die realen Leistungsverluste, die deutlich geringer als die prognostizierten Leistungsverluste sind, bedeuten also, dass die Stromgestehungskosten ebenfalls niedriger sind, als die Betreiber zuvor berechnet haben (4,8 %). Stromproduzenten können die Daten somit nutzen, um Investitionen in neue Solaranlagen und Modernisierungen genauer zu berechnen.

Zusammenfassend erklären die Autoren, dass ihre Daten belegen, dass Solaranlagen in Deutschland zuverlässig und langlebig sind und profitabel betrieben werden können. Im Mittel erreichen die Solaranlagen nach etwa 20 Jahren im Betrieb noch 90 Prozent ihrer Ursprungsleistung. Modernisierungszyklen sind also nur selten nötig.

Quellen:

Pressemitteilung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU)

Studie im Fachmagazin Energy Economics, doi: 10.1016/j.eneco.2026.109282

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