Die Frage, ob Maschinen sicherer fahren als Menschen, entscheidet über die Zukunft des Straßenverkehrs. Eine unabhängige Analyse liefert dazu nun belastbare Zahlen. Über 50 Millionen fahrerlose Kilometer hinweg waren selbstfahrende Autos des Anbieters Waymo pro Kilometer in 68 Prozent weniger Unfälle verwickelt als menschliche Fahrer. Bei Verletzungsunfällen lag der Vorteil sogar bei 81 Prozent. Die Auswertung stammt vom unabhängigen Insurance Institute for Highway Safety und gilt als bislang umfassendster Vergleich dieser Art.
Autonome Fahrzeuge sind Autos, die bestimmte Fahrsituationen ohne menschliches Eingreifen bewältigen. Die Fachwelt unterscheidet dabei fünf Automatisierungsstufen, von einfachen Assistenzsystemen bis zum vollständig fahrerlosen Betrieb. Die hier untersuchten Robotaxis erreichen die Stufe vier, sie fahren in klar abgegrenzten, digital kartierten Stadtgebieten eigenständig, ohne dass ein Mensch am Steuer sitzt oder eingreifen muss. Möglich wird das durch ein Zusammenspiel aus Kameras, Radar und Lidar, einem Verfahren, das die Umgebung mit Laserimpulsen dreidimensional vermisst. Aus diesen Daten berechnet die Software fortlaufend die Position anderer Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger. Der große Hoffnungswert dieser Technik liegt in der Sicherheit, denn menschliche Fahrer verursachen Unfälle vor allem durch Ablenkung, Müdigkeit, Alkohol oder überhöhte Geschwindigkeit, Faktoren, die bei einer Maschine wegfallen. Ob sich dieser theoretische Vorteil auch in der Praxis zeigt, war jedoch lange offen.
Genau diese Lücke schließt die neue Auswertung des Insurance Institute for Highway Safety, einer unabhängigen, von der Versicherungswirtschaft getragenen Forschungseinrichtung in den USA. Die Analysten werteten die ersten rund 50 Millionen vollständig fahrerlosen Kilometer der Waymo-Flotte aus den Jahren 2021 bis 2024 aus, gefahren in den Städten San Francisco, Phoenix, Los Angeles und Austin. Als Vergleichsmaßstab dienten etwa 222 Milliarden Kilometer, die menschliche Fahrer im selben Zeitraum und in denselben Regionen zurücklegten. Berücksichtigt wurden dabei nur Unfälle, die üblicherweise der Polizei gemeldet werden, um einen fairen Vergleich zu ermöglichen. Damit liegt erstmals eine Datenbasis vor, die groß genug ist, um statistisch belastbare Aussagen über die Sicherheit fahrerloser Autos zu treffen.
Über alle Städte hinweg lag die Unfallrate der Robotaxis pro Kilometer 68 Prozent unter jener menschlicher Fahrer, konkret bei 1,28 gegenüber 4,06 Unfällen je Million gefahrener Meilen. Noch deutlicher fielen die Werte bei schweren Fällen aus, denn an Verletzungsunfällen waren die selbstfahrenden Autos 81 Prozent seltener beteiligt, an Alleinunfällen sogar 85 Prozent seltener. Zwischen den Städten schwankten die Ergebnisse allerdings erheblich, in Phoenix lag der Vorteil bei 76 Prozent, in Los Angeles bei 71 Prozent, in San Francisco bei 35 Prozent, während die Flotte im kleinen Datensatz von Austin 4 Prozent schlechter abschnitt. Die Befunde stützen frühere Untersuchungen, wonach autonome Autos in vielen Situationen ein geringeres Unfallrisiko haben.
Die Forscher weisen selbst auf wichtige Einschränkungen hin. So fahren die Robotaxis nicht auf Autobahnen und bewegen sich überwiegend auf Stadtstraßen mit niedrigem Tempo, was mildere Unfallfolgen begünstigt, denn die Hälfte der Waymo-Unfälle ereignete sich bei Tempolimits unter 40 Kilometern pro Stunde. Zudem war knapp die Hälfte der Kilometer ohne Fahrgäste zurückgelegt, was die Zahl möglicher Verletzter im Fahrzeug senkt. Der Vergleich mit dem Durchschnitt aller menschlichen Fahrer schließt auch abgelenkte oder alkoholisierte Personen ein, nicht nur aufmerksame Fahrer. Wie das Institut in seiner Mitteilung betont, mahnt es zugleich ein besseres bundesweites Meldesystem an, weil sich Fahrleistungen bislang nur schwer vergleichen lassen. Der Hersteller selbst dokumentiert seine Sicherheitsdaten fortlaufend, wie eine öffentlich einsehbare Datenübersicht zeigt. Trotz aller Vorbehalte deuten die Zahlen darauf hin, dass fahrerlose Autos den unsicheren Zustand auf den Straßen im begrenzten Rahmen bereits heute messbar verbessern.