EnBW & Aerodyn Engineering

Nezzy2 - Schwimmendes Windrad erfolgreich in Ostsee erprobt

Robert Klatt

Ein Modell der schwimmenden Windenergieanlage Nezzy2 wurde erfolgreich während einer Sturmflut auf der Ostsee getestet. Ende 2021 soll Nezzy2 in Originalgröße erstmals in China erprobt werden.

Rendsburg (Deutschland). Laut Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) waren im Jahr 2018 in Deutschland Windenergieanlagen mit einer Leistung von 52,5 Gigawatt an Land und mit einer Leistung von 6,4 Gigawatt auf See installiert. Um die Klimaziele der Bundesregierung einhalten zu können, soll die Gesamtleistung der Offshore-Windanlagen bis 2030 auf 15 Gigawatt ausgebaut werden.

Obwohl Windenergieanlagen CO2-Emissionen einsparen, wird dieser geplante Ausbau von einigen Umwelt- und Tierschutzorganisation kritisiert, weil Offshore-Windanlagen bislang feste Fundamente benötigen, die im Meeresboden verankert sind. Es kommt dadurch zu einer starken Lärmbelästigung im Wasser, die für Meeressäuger und Fische schädlich sein soll. Eine kürzlich vom niederländische Unternehmen Fistuca vorgestellte Windenergieanlage ist zwar deutlich leiser, kann aber nur bis zu einer Wassertiefe von 50 Metern eingesetzt werden.

Schwimmende Windenergieanlagen

Eine Lösung für dieses Problem hat nun das Rendsburger Unternehmen Aerodyn Engineering in Kooperation mit dem Energieversorger EnBW in der Ostsee erprobt. Die neu entwickelte schwimmende Windenergieanlage Nezzy2 besteht aus einer Plattform, die ohne Bodenfundament mit einer Art Anker am Meeresboden befestigt wird. Auf der Plattform befinden sich Windturbinen mit jeweils drei Rotorblättern, die durch Abspannseile miteinander und mit der Plattform verbunden sind. Im Gegensatz zur Windanlage von Fistuca sind für Nezzy2 auch hohe Wassertiefen kein Problem.

Sturmflut ohne Schäden überstanden

Bisher existiert Nezzy2 lediglich als etwa Meter hohes Modell. Ein erster Test erfolgte bereits im Sommer auf einem Baggersee bei Bremerhaven. Kürzlich wurde die Windenergieanlage überdies in auf dem Greifswalder Bodden in der Ostsee unter herbstlichen Wetterbedingungen getestet. Dabei sammelten 180 Sensoren Informationen über das Verhalten der Anlage bei verschiedenen Wellenhöhen und -richtungen sowie Windrichtungen und -geschwindigkeiten.

Mitte Oktober wurde die Anlage überdies von einer Sturmflut heimgesucht, die Nezzy2 ohne Schäden überstehen konnte. Laut den Entwicklern entsprachen der Wind und die Wellen einem Wirbelsturm der Kategorie vier bis fünf mit bis zu 30 Meter hohen Wellen übertragen auf die Größe der geplanten Produktivanlage.

Laut Aerodyn-Chef Sönke Siegfriedsen „konnte das Unternehmen dabei eineinhalb Tage beobachten, wie Nezzy2 unter extremen Wetterbedingungen stabil im Wasser lag.“ Nun wird eine Doppelwindkraftanlage in Originalgröße gebaut, die Ende 2021 in China erprobt werden soll.   

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