GPS-Störungen über Europa enden nicht in der Flughöhe von Passagiermaschinen. Sie können auch Satelliten im niedrigen Erdorbit treffen und deren präzise Positionsbestimmung zeitweise beeinträchtigen. Forscher in Dänemark haben entsprechende Ereignisse ausgewertet und ein öffentliches Kartenprojekt vorgestellt. Der Befund betrifft damit eine wichtige Funktion von Raumfahrzeugen, die selbst die Erde beobachten.
Das Institut DTU Space berichtete am 13. Oktober 2026 über die Untersuchung und die Entwicklung von SAT-JAM. Das Team um Kian Bostani Nezhad nutzt öffentlich zugängliche Navigationsdaten von Copernicus-Satelliten. Darin lassen sich Bereiche erkennen, in denen die Positionsbestimmung gestört war.
Der Unterschied zwischen Sender und Empfänger ist für den Befund entscheidend. Die betroffenen Erdbeobachtungssatelliten stellen nicht selbst das GPS-System bereit. Sie empfangen Navigationssignale, um ihre eigene Position zu bestimmen. Diese Signale kommen von Satelliten auf wesentlich höheren Umlaufbahnen.
Ein Raumfahrzeug muss nicht nur funktionieren, sondern seine Lage im Raum ausreichend genau kennen. Bei einer Kameraaufnahme ist beispielsweise wichtig, welchem Gebiet auf der Erde sie zugeordnet werden kann. Die bloße Information, dass sich das Fahrzeug irgendwo über Europa befindet, wäre dafür zu ungenau.
GNSS ist der Sammelbegriff für satellitengestützte Navigationssysteme. Dazu gehören GPS und Galileo. Ein Empfänger gewinnt aus mehreren Signalen Informationen über seine Position und Zeit. Das Grundprinzip bleibt auch dann relevant, wenn sich der Empfänger nicht in einem Auto, sondern an Bord eines anderen Satelliten befindet.
Ein Empfangsproblem bedeutet dabei nicht automatisch, dass das Raumfahrzeug vollständig orientierungslos wird. Welche anderen Messungen und Berechnungen verfügbar bleiben, hängt vom jeweiligen System ab. Die neue Untersuchung zeigt zunächst den Verlust beziehungsweise die Beeinträchtigung einer präzisen Informationsquelle.
Navigationssignale sind am Empfänger schwach. Ein stärkeres Funksignal kann ihre Auswertung überlagern. Dafür muss es den Satelliten nicht mechanisch beschädigen und auch nicht seine Software übernehmen. Es genügt, dass die gewünschte Information im elektromagnetischen Umfeld nicht mehr zuverlässig erkennbar ist.
Dass sich ein Empfänger weit über der Erde befindet, schützt ihn davor nicht grundsätzlich. Die große Entfernung schwächt zwar auch ein vom Boden ausgehendes Signal. Gleichzeitig fehlen entlang einer freien Sichtverbindung viele Hindernisse, die Funkwellen am Boden abschirmen oder dämpfen können. Ob eine Störung wirksam wird, hängt deshalb vom gesamten Verhältnis zwischen Nutzsignal, Störsignal und Empfangsbedingungen ab.
Diese Art der Beeinträchtigung ist außerdem von einer gezielten Täuschung des Empfängers zu unterscheiden. Beim Überlagern fehlt eine zuverlässig nutzbare Information. Bei anderen Angriffen können stattdessen falsche Informationen eingespeist werden. Eine Karte beobachteter Empfangsprobleme belegt nicht automatisch jede dieser Ursachen.
Das Kartenprojekt SAT-JAM stellt die erfassten Ereignisse räumlich dar und berücksichtigt einen fortlaufenden Zeitraum von 40 Tagen. Neue Beobachtungen werden ergänzt, sobald sie verfügbar sind. Es handelt sich damit nicht um eine garantierte sekundengenaue Anzeige sämtlicher Störquellen.
Auch der Ort eines angezeigten Ereignisses benötigt eine genaue Interpretation. Er beschreibt, wo der Satellit die Beeinträchtigung erlebte. Daraus folgt nicht unmittelbar, dass sich direkt darunter der verantwortliche Sender befand. Ein ausgedehnter Empfangsbereich kann von einer Quelle an anderer Stelle beeinflusst werden.
Die Karte allein weist deshalb weder einen bestimmten Betreiber nach noch entscheidet sie sicher zwischen beabsichtigter und unbeabsichtigter Störung. Dafür wären zusätzliche Informationen erforderlich. Diese Grenze ist besonders wichtig, wenn technische Beobachtungen mit politischen Verantwortlichkeiten verbunden werden.
Die praktische Bedeutung ergibt sich aus den Aufgaben der Satelliten. Eine Ungenauigkeit in der Positionsbestimmung kann die Verwendung anderer Messungen erschweren. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt davon ab, welche Genauigkeit benötigt wird und ob fehlende Informationen anderweitig ergänzt werden können.
Aus der neuen Untersuchung folgt deshalb keine pauschale Aussage, dass Wettervorhersagen, Karten oder Kommunikation bereits großflächig ausgefallen seien. Sie zeigt eine gemeinsame technische Abhängigkeit: Auch Systeme im Weltraum nutzen Informationen, deren Empfang von der Erde aus beeinflusst werden kann.
Für die weitere Bewertung ist die Unterscheidung zwischen einem einzelnen Ereignis und einem wiederkehrenden Muster entscheidend. Wiederholte Beobachtungen können erkennen lassen, welche Gebiete besonders häufig betroffen sind und wie sich die Lage verändert. Die Satelliten werden dadurch nicht nur zu Betroffenen, sondern auch zu Messinstrumenten eines Problems, das vom Boden aus nur unvollständig sichtbar ist.