Gigantischer Brückenbau

4.750 Tonnen schwere Brücke gleitet über eine befahrene Autobahn

 Dennis Lenz

4.750 Tonnen schwere Brücke gleitet über eine befahrene Autobahn
(Symbolbild) Die HS2-Brücke über die M6 wurde mit hydraulischen Zugvorrichtungen auf ihre Stützen geschoben. Der letzte Abschnitt bewegte sich 76 Meter weit. Unter dem Überbau konnte der Autobahnverkehr weiterlaufen. Die beiden 320 Meter langen Viadukte stehen nur zehn Zentimeter auseinander. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Eine 4.750 Tonnen schwere Eisenbahnbrücke ist bei Birmingham über die Autobahn M6 geschoben worden, während darunter weiterhin Autos und Lastwagen fuhren. Hydraulische Zugvorrichtungen bewegten den letzten Abschnitt um 76 Meter, bis die Stahlkonstruktion ihre endgültige Position erreichte. Zwei jeweils 320 Meter lange Brücken stehen nun parallel über der viel befahrenen Straße. Wie gelang es, eine solche Masse über den Verkehr zu bewegen?

Bei Chelmsley Wood nahe Birmingham haben Ingenieure die zweite Brücke der britischen Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 über die Autobahn M6 fertig in Position gebracht. Der letzte Vorschub dauerte neun Stunden; die 4.750 Tonnen schwere Stahlkonstruktion bewegte sich dabei insgesamt 76 Meter. Das meldet die Projektgesellschaft HS2 in ihrer Projektmeldung.

Unter dem neuen Überbau rollten Fahrzeuge auf den Fahrbahnen der M6 weiter. Für die Arbeiter bedeutete das millimetergenau geplante Bewegungen einer riesigen Stahlmasse, die sich nur langsam über Betonstützen schob. Die benachbarte Verbindung zwischen M42 und M6 wurde zeitweise als Sicherheitsbereich gesperrt.

Hydraulik bewegt 4.750 Tonnen über die M6

Anstelle eines riesigen Krans nutzte das Bauteam hydraulische Zugvorrichtungen, sogenannte Strand Jacks, die den Stahlüberbau schrittweise vorwärtszogen. Dazu kamen am hinteren Ende der Konstruktion weitere Stahlteile hinzu, bevor die gesamte Brücke auf ihren Stützen weiterwanderte. Beim letzten Vorschub ruhte das Gewicht vollständig auf Betonpfeilern beiderseits der Autobahn.

Mit durchschnittlich zwölf Metern pro Stunde legte der Überbau seine letzten 76 Meter zurück. Die neun Stunden beschreiben den abschließenden Verschub, nicht die gesamte Bauzeit der Brücke. Für den Einsatz verantwortlich war das Baukonsortium Balfour Beatty VINCI; Ingenieur Russell Luckhurst leitete nach Angaben von HS2 die Arbeiten.

Zwei Brücken von 320 Metern stehen nur 10 Zentimeter auseinander

Über der M6 liegen nun zwei eigenständige, jeweils 320 Meter lange Viadukte, deren Stahlkonstruktionen parallel verlaufen. Zwischen ihnen beträgt der Abstand lediglich 100 Millimeter, also zehn Zentimeter. Beide Überbauten bestehen aus wetterfestem Stahl und lagern auf einer Reihe von Betonpfeilern.

Der östliche Überbau wurde bereits zuvor in Position gebracht und soll später Züge in Richtung London tragen. Die westliche Brücke führt die künftige Hochgeschwindigkeitsstrecke in Richtung Birmingham und zu weiteren nördlichen Zielen. Während die östliche Konstruktion in drei Etappen verschoben wurde, waren es bei der westlichen vier.

Bei Chelmsley Wood bleibt die M6 während des Vorschubs offen

Das Vorgehen ersparte eine vollständige Sperrung der Autobahn M6 während des abschließenden Brückenvorschubs. Fahrzeuge passierten die Baustelle unter dem stählernen Überbau, während die Mannschaft die Bewegung auf den Stützen kontrollierte. Für den angrenzenden Autobahnverbinder richteten die Verantwortlichen dagegen einen gesonderten Sicherheitsbereich ein.

Die gesperrte Verbindung M42/M6 konnte nach Projektangaben 25 Stunden früher als vorgesehen wieder öffnen. Ian Clarke, leitender Projektmanager bei HS2, verwies auf die hohe Verkehrsbelastung an dieser Stelle als Grund für das besondere Bauverfahren. Vergleichbare Fragen nach Belastung und Kontrolle bestehender Bauwerke beschäftigen auch Ingenieure, die Glasfasern zur Überwachung von Betonbrücken einsetzen.

Balfour Beatty VINCI schiebt die Brücke in vier Etappen vor

Besonders schwierig war es, eine lange Stahlkonstruktion über einer bestehenden Verkehrsader zusammenzufügen und anschließend kontrolliert zu bewegen. Jede zusätzliche Etappe verlängerte den Überbau, bis dessen vorderes Ende die nächste Stütze erreichen konnte. Der letzte Vorschub schloss die Lücke über den Fahrbahnen.

Wetterbedingungen spielten auf den Baustellen rund um Birmingham ebenfalls eine Rolle. Starker Wind zwang die Verantwortlichen, andere Arbeiten an einem Viadukt bei Water Orton zu verschieben. Beim Brückenvorschub über die M6 gelang der geplante Abschluss, während das benachbarte Vorhaben einen neuen Termin erhielt.

HS2 bereitet nach der M6 weitere Bauwerke an der M42 vor

Mit beiden fertigen Überbauten ist die Stahlkonstruktion über der M6 an dieser Stelle komplett. An den Enden der Brücken müssen noch erhöhte Bahndämme entstehen, bevor die Strecke ihre spätere Funktion erfüllen kann. Auch in Deutschland wird der Zustand von Verkehrsbrücken zunehmend technisch überwacht, etwa durch Satellitenradar zur Erkennung von Brückenbewegungen.

Für weitere Arbeiten am britischen Hochgeschwindigkeitsprojekt ist eine große Schienenbrücke über der M42 nahe Coleshill vorgesehen. Dort sollen künftig vier Gleise über die Autobahn führen. An der M6 bleibt vorerst der auffälligste Anblick eine doppelte Stahlbrücke, deren Überbauten nur zehn Zentimeter trennen und unter der die Autos weiterfahren.

HS2 Ltd, HS2 installs final viaduct over M6

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