Warum landet ein Witz und der nächste nicht? Zwei Psychologen haben dafür einen Faktor untersucht, der mit dem Inhalt gar nichts zu tun hat. Entscheidend ist demnach, wie leicht das Gehirn die Pointe verarbeitet. Wird dieselbe Aussage nur ein wenig schwerer zugänglich, sinkt die empfundene Komik, und das gilt für Memes ebenso wie für Spitznamen.
Die gängigste Erklärung für Humor heißt Inkongruenz. Ein Witz baut eine Erwartung auf, bricht sie und liefert dann eine Auflösung, die den Bruch nachträglich sinnvoll erscheinen lässt. Überraschung allein genügt jedoch nicht: Wer die Pointe nicht versteht, findet sie nicht lustig, sondern verwirrend, und wirkt ein Bruch bedrohlich oder bedeutungslos, kippt die Komik ebenfalls. Humor braucht also beides, den Bruch und die Auflösung. Genau hier setzt ein Konzept aus der Kognitionspsychologie an, die Verarbeitungsflüssigkeit. Gemeint ist das subjektive Gefühl, dass etwas leicht zu erkennen oder zu verstehen ist. Bekannt ist dieser Effekt aus zahlreichen Zusammenhängen, etwa dass Aussagen in gut lesbarer Schrift als glaubwürdiger eingeschätzt werden.
Drew Gorenz und Norbert Schwarz von der University of Southern California prüften, ob dieser Mechanismus auch die Komik beeinflusst. Ihre Vermutung: Leichte Verarbeitung lässt eine Inkongruenz stimmiger erscheinen, und genau diese empfundene Stimmigkeit macht sie lustiger. Um das zu testen, führten sie vier Experimente mit insgesamt 999 Teilnehmern durch und setzten dabei bewusst verschiedene Materialien und verschiedene Eingriffe ein, damit das Ergebnis nicht an einem einzelnen Trick hängt. Zum Einsatz kamen Bildmemes aus dem Internet, klassische Pointen und Spitznamen, verändert wurden Kontrast, Reim und Stabreim.
Im ersten Experiment bearbeiteten die Forscher Internet-Memes so, dass sie visuell schwerer zu erfassen waren, etwa durch verringerten Kontrast. Der Inhalt blieb identisch, die Bewertungen fielen dennoch niedriger aus: Dieselben Memes galten als weniger lustig. Zusätzlich zeigte sich, dass Personen, die im Alltag häufiger Memes sehen, sie insgesamt lustiger fanden, was ebenfalls zur Erklärung passt, denn Vertrautheit erleichtert die Verarbeitung. Im zweiten Experiment wählten die Teilnehmer zwischen inhaltlich gleichwertigen Pointen und entschieden sich zuverlässig für jene mit Reim oder Stabreim. Der dritte und vierte Durchgang bestätigte das Muster bei Spitznamen, und zwar sowohl bei harmlosen als auch bei bissigen: Wer stabreimte, wirkte komischer.
Interessant ist, dass die Autoren zwei mögliche Erklärungen gegeneinander prüften. Die eine lautet, dass leichte Verarbeitung schlicht angenehme Gefühle erzeugt und ein Witz deshalb harmloser und damit lustiger erscheint. Die andere besagt, dass Flüssigkeit die Inkongruenz stimmiger macht, der Bruch also verständlicher wirkt. Statistische Analysen der Wirkungsketten sprachen für die zweite Erklärung. Damit erhält die Humorforschung ein Werkzeug, mit dem sich zahlreiche bekannte Einzelbefunde in einen Rahmen bringen lassen. Warum Comedy mit Lachspur lustiger wirkt, warum konkrete Formulierungen besser funktionieren als abstrakte und warum Bild und Ton gemeinsam stärker wirken als Text allein, ließe sich jeweils darauf zurückführen, dass all das die Verarbeitung erleichtert.
Praktisch bedeutet der Befund, dass Form und Inhalt bei einem Witz nicht zu trennen sind. Eine Pointe, die stolpert, weil sie zu verschachtelt ist, ein Wortspiel, das man zweimal lesen muss, oder ein Meme mit unruhigem Hintergrund verlieren an Wirkung, obwohl die Idee dieselbe bleibt. Umgekehrt erklärt das den Erfolg altmodischer Stilmittel: Reim, Rhythmus und Stabreim sind keine bloße Verzierung, sondern machen die Aussage im Kopf leichter zugänglich. Dasselbe gilt für die Umgebung, denn frühere Untersuchungen zeigten, dass gesprochene Witze in schlechter Akustik als weniger lustig bewertet werden. Wer also im lauten Lokal keinen Lacher erntet, liegt möglicherweise gar nicht am Material. Veröffentlicht wurde die Arbeit im Journal of Experimental Social Psychology.
Bei aller Klarheit der Ergebnisse gelten die üblichen Einschränkungen von Laborstudien zur Wahrnehmung. Getestet wurden Bewertungen auf Skalen, nicht tatsächliches Lachen in geselliger Runde, und die Materialien waren kurz und schriftlich oder bildlich, nicht ein ganzer Abend Bühnenprogramm. Ob sich der Effekt auf komplexe Erzählformen überträgt, in denen Verwirrung sogar Teil des Reizes sein kann, bleibt offen. Auch die Gegenrichtung ist nicht ausgeschlossen: Manche Komik lebt gerade davon, dass sie schwer zugänglich ist und dem Publikum Arbeit abverlangt, wie eine Zusammenfassung des Fachportals PsyPost zur Arbeit nahelegt. Für die alltägliche Komik aber, für Memes, Sprüche und Spitznamen, gilt offenbar eine schlichte Regel: Was der Kopf sofort begreift, bringt ihn eher zum Lachen.