Prosopometamorphopsie

Wahrnehmungsstörung macht Gesichter anderer Menschen zu Fratzen

Robert Klatt

Prosopometamorphopsie stört Wahrnehmung von Gesichtern )ytisrevinU htuomtraD / .la te olleM .A(Foto: © 

Prosopometamorphopsie (PMO) führt dazu, dass Menschen die Gesichter anderer Person verzerrt sehen. Forscher haben nun erstmals Visualisierungen der Wahrnehmungsstörung erstellt.

Hanover (U.S.A.). Prosopometamorphopsie (PMO) ist eine seltene Krankheit, bei der Betroffene die Gesichter anderer Menschen verzerrt als Fratzen wahrnehmen. Die Wahrnehmungsstörung erschwert dadurch den sozialen Kontakt stark und führt dazu, dass Menschen sich weitgehend zurückziehen. Forscher des Dartmouth College um Antônio Mello haben nun die Wahrnehmung visualisiert, wie eine Person mit PMO andere Menschen sieht.

Laut der Publikation im Fachmagazin Clinical Pictures wirken andere Menschen auf den 58-jährigen Patienten, so als ob es sich um Dämonenfratzen handelt. Die Mund- und Augenpartie sind deutlich verlängert und die Gesichtsfalten sehr tief. Überdies sind die Ohren sehr lang und spitz. Die Gesichter wirken auf den Patienten, der bestätigt hat, dass die Bilder seiner Wahrnehmung entsprechen, somit ähnlich wie Wesen aus einem Fantasyfilm.

Dämonenfratzen nicht bei Bildern und Co.

Der Patient besitzt eine seltene Form der PMO, bei der die Wahrnehmungsstörung nur bei realen Menschen entsteht. Wenn der Patient hingegen Bilder sieht, kommt es nicht zu Verzerrungen der Gesichter. Es war somit möglich, dass die betroffene Person die Bildbearbeitung am Computer mit seiner Wahrnehmung von realen Menschen im selben Raum abgleichen konnte. Laut den Forschern handelt es sich dabei um eine Gelegenheit, die die Wissenschaft bisher nicht hatte.

„In anderen Studien dieser Störung konnten PMO-Patienten nicht bewerten, wie genau Visualisierungen wiedergeben, was sie sehen. Denn die Visualisierung zeigt ebenfalls ein Gesicht, und sie nehmen dieses genauso verzerrt wahr.“

Laut Brad Duchaine könnten die Ergebnisse dabei helfen, Wahrnehmungsstörung zu behandeln. Problematisch ist jedoch, dass die Diagnose der seltenen Krankheit oft nicht erfolgt.

„Wir haben von mehreren Menschen mit PMO gehört, dass Psychiater ihnen Schizophrenie diagnostizierten und Psychopharmaka verschrieben.“

Hinzukommt, dass viele Menschen mit PMO keine ärztliche Hilfe suchen, weil sie Angst haben, aufgrund der psychiatrischen Krankheit stigmatisiert zu werden.

„Es ist ein Problem, das die Menschen oft nicht verstehen.“

Wieso die Wahrnehmungsstörung entsteht, ist bisher noch unklar. Bei dem Teilnehmer der Studie kommen unterschiedliche Ursachen infrage, darunter eine posttraumatische Belastungsstörung, eine frühere bipolare Störung, eine potenzielle Kohlenmonoxidvergiftung kurz vor den ersten Symptomen und eine starke Kopfverletzung.

Clinical Pictures, doi: 10.1016/S0140-6736(24)00136-3

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