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Männer schätzen, Frauen zählen

Unterschiede bei der Anzahl der Sexualpartner bei Frauen und Männern

Umfragen zeigen immer wieder, dass heterosexuelle Männer doppelt so viele Sexualpartner wie Frauen haben. Dieses Phänomen lässt sich auf der ganzen Welt beobachten – unabhängig von Kulturkreisen oder ethnischer Zugehörigkeit. Aber warum ist das so?

Glasgow (Schottland). Die Anzahl der Sexualpartner bei Männern unterscheidet sich deutlich von der Anzahl der Sexualpartner bei Frauen. Laut Befragungen ist die Zahl die sexuellen Partner im weltweiten Durschnitt bei heterosexuellen Männern etwa doppelt so hoch wie die der Frauen. Forscher der Universität Glasgow in Schottland glauben nun, die Erklärung für diesen enormen Unterschied gefunden zu haben. Die Diskrepanz entsteht durch einen ganz einfachen Grund: Frauen zählen, Männer schätzen.

Stimmt die Theorie der schottischen Forscher, so ist nahezu jede Statistik über die Sexualpartner von Frauen und Männern hinfällig, weil die gemachten Angaben der Männer nicht auf Fakten, sondern auf Schätzungen beruhen.

Weltweite Statistiken über die Anzahl der Sexualpartner

Es gibt weltweit diverse Statistiken über die Anzahl von Sexualpartnern zwischen Frauen und Männern, aber ganz gleich ob man sich die Erhebungen in den U.S.A., die Umfragen aus Großbritannien oder die Statistiken aus Deutschland ansieht: Immer haben die Männer mehr, wenn nicht sogar doppelt so viele Sexualpartner wie die Frauen. Diese angebliche Tatsache hat die schottische Sexualforscherin Kirstin Mitchell und ihr Team stutzig gemacht und sie dazu veranlasst, nach den Gründen für die vielen Sexualpartnern bei Männern gesucht.

In Deutschland ergab beispielsweise eine Statistik zur Anzahl die Sexualpartner, dass Männer im Laufe ihres Lebens mit zehn verschiedenen Partnerinnen intim waren. Die Frauen hingegen antworteten im Durchschnitt, dass sie mit fünf unterschiedlichen Männern Sex gehabt hätten. Die Forscher schreiben im Journal of Sex Research: „Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten könnten zu den unterschiedlichen Angaben der Sexualpartner beigetragen haben.“ Die Forscher kritisieren, dass bisherige Statistiken über die Anzahl der Sexpartner nie hinterfragt haben, warum Männer angeblich immer mehr sexuelle Kontakte als Frauen haben. Eine Tatsache, die beim Betrachten weltweiter Statistiken sofort auffallen müsste.

Befragung Tausender Bürger zur Zahl ihrer Sexpartner

Mitchell und ihre Kollegen nutzten für ihre Untersuchung die wissenschaftlichen Auswertungen der dritten britischen National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles (Natsal-3) Studie. Im Zuge dieser Großstudie werden etwa alle zehn Jahre tausende heterosexuelle Briten in persönlichen Gesprächen zu ihrem Sexualverhalten befragt. An der hier genutzten Studie nahmen insgesamt 15.162 Frauen und Männer zwischen 16 und 74 Lebensjahren teil. Eine so große Studie zum Sexualverhalten, die auch Zahlen über die Zahl der Sexualpartner liefert, ist in der Welt einzigartig und daher ein guter Ausgangspunkt für Mitchell und ihr Team.

Die Auswertung der persönlichen Interviews zeigt, dass jeder männliche Brite im Durchschnitt mit 14 Frauen intim war. Die Statistik über die Zahl der Sexualpartner bei Frauen zeigt hingegen, dass sie durchschnittlich sieben Sexpartner hatten. Wieder haben die Männer doppelt so viele Sexualpartner wie die Frauen.

Laut den Forschern kann die unterschiedliche hohe Anzahl an Liebespartnern mehrere Gründe haben. Die Forscher haben gezeigt, dass sexuell besonders aktive Menschen einen großen Einfluss auf die Durchschnittsstatistik haben. So haben die Forscher für einen Versuch alle Männer, die angaben mit mehr als 110 Frauen geschlafen zu haben und alle Frauen, die angaben mit mehr als 50 Männern geschlafen zu haben, aus der Statistik entfernt. Nun hatten die Männer zwar immer noch mehr Sexualpartner als die Frauen, der Unterschied war aber bei weitem nicht mehr so groß, so die Forscher.

Schätzungen verfälschen die Sexualstatistik

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern wurde nochmals geringer, als die Forscher die Art und Weise, wie die Zahlen über die Sexualpartner zustande gekommen sind, berücksichtigten: So schätzten rund 24 Prozent der Männer die Anzahl der Partnerinnen. Frauen schätzen zwar auch, aber hier waren es nur etwa 15 Prozent. Den Forschern fiel zudem auf, dass je höher die angegebene Anzahl der Sexualpartner war, desto wahrscheinlicher handelte es sich bei den Männern um eine Schätzung anstatt um eine Zählung.

Die erneute Auswertung der Studie zeigte zudem, dass Frauen wesentlich konservativer mit dem Thema Sexualität umgehen. So gaben deutlich weniger Frauen an, kein Problem mit einem One-Night-Stand zu haben. Zudem verurteilten Frauen das Fremdgehen von verheirateten Menschen stärker als Männer.

Die Erfassung der Zahlen über verschiedene Sexualpartner ist wichtig

Für Mitchell und ihre Kollegen bedeutet ihre Arbeit deutlich mehr als die schlichte Erfassung der Zahl der Sexualpartner von Frauen und Männern. „Die Erfassung der exakten Zahl von Sexualpartnern ist aus vielerlei Gründen von wichtiger Bedeutung, einschließlich der Bewertung des individuellen Risikos sexuell übertragbarer Infektionskrankheiten“, erklärt Mitchell. Auch deutsche Forscher argumentieren so und fordern größer angelegte Bevölkerungsstudien zu diesem Thema.

1 Kommentar

Kritiker
Naja, schade um das Geld, was für solche Studien ausgegeben wird. Ich behaupte, ohne auch nur eine Person befragt zu haben, dass heterosexuell veranlagte Männer durchschnittlich exakt gleichviel Sexualpartner haben wie Frauen (bei einer genügend großen Untersuchungsgruppe). Man könnte ggf. darüber nachdenken, wie die Statistik durch das nicht exakte 1:1 Verhältnis von Hetero-Männern und -Frauen verzerrt wird, da ja nicht exakt in diesem Verhältnis befragt wird. Wie auch immer, alles was grob von 1:1 (im Schnitt) abweicht muss m. E. falsch sein und ist somit eine Frage der Psychologie und des Studiendesigns.
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