Von: Dennis L.
Einfach Probleme lösen

Tagträume sorgen für bessere Vernetzung im Gehirn

Gedankliche Aussetzer am Tage sind nicht zwangsläufig als Fehler im System zu werten. Vielfach entscheiden wir uns bewusst dazu, unseren Gedanken freien Lauf zu lassen und, wie Forscher nun herausfanden, profitieren mitunter davon.

Tagträume helfen bei Problemlösungen.
© Stephan N. / pixelio.de

Leipzig (Deutschland). Dass uns Konzentration im Alltag hilft, bestimmte Dinge zu meistern, wird uns von unseren Eltern seit frühester Kindheit als Ratschlag mit auf den Weg gegeben. Forscher belegen nun, dass auch das Abschweifen der Gedanken durchaus sinnvoll sein kann. So hilft uns die Fähigkeit zum Tagträumen beispielsweise dabei, uns auf eine herausfordernde Situation in der Zukunft vorzubereiten oder aktuelle Probleme zu lösen. Voraussetzung hierfür ist ein bewusstes Lenken der Träume.

Tagträumer mit stärker ausgebildeten Hirnregionen

Im Rahmen einer Studie haben Wissenschaftler am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) Menschen untersucht, die bewusst ihre Gedanken auf Reisen schicken. Das Forscherteam um Johannes Golchertfand heraus, dass diese Menschen im Stirnbereich über stärker ausgeprägte Hirnregionen verfügen und sich bei ihnen zwei entscheidende Hirnnetzwerke stärker als sonst überlappen. Die besonders stark ausgebildete Verknüpfung zwischen dem sogenannten Default-Mode-Netzwerk und dem sogenannten fronto-parietalen Kontrollnetzwerk lässt die losen Gedanken in eine kontrollierte Richtung lenken.

Kein Verlust der geistigen Kontrolle

Aus dem Umstand, dass beim Träumen auch Areale aktiv sind, welche die Gedanken lenken und kontrollieren und damit für die Konzentration zuständig sind, schließt Golchert, dass unser Gehirn kaum unterscheidet, ob wir unsere Aufmerksamkeit auf äußere Dinge oder auf unsere Gedanken richten. Als Doktorand und Erstautor der im Fachjournal NeuroImage erschienenen Studie schlussfolgert Golchert, dass Tagträume nicht nur als etwas Negatives betrachtet werden sollten. Sie können sogar sinnvoll sein, sofern man sie gut kontrollieren kann, was bedeutet, dass man sie unterdrückt, wenn es relevant ist und ihnen nachgeht, wenn es möglich ist. Tagträume ermöglichen es beispielsweise, sich aus dem Hier und Jetzt wegzudenken. Sie fungieren damit als Mittel zur Überbrückung langweiliger Situationen. Ebenso kann die Fähigkeit zur gedanklichen Innenschau zu Kreativität führen.

Störende Tagträume

Den positiven Seiten des Tagtraum-Phänomens stehen negative Aspekte gegenüber, die den meisten von uns bekannt sind. So treten beim Autofahren oder Radfahren häufig ungewollt Tagträume auf, sodass es für uns gefährlich werden kann. Wissenschaftler stellten in diesem Zusammenhang fest, dass Fahrer, die leicht ihre Gedanken laufen lassen, oftmals mehr oder weniger bewusst im dichten Verkehr ihre Geschwindigkeit erhöhen und zudem langsamere Reaktionszeiten aufweisen.

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