Gemeinsamer Alltag

Nähe zur eigenen Katze hängt mit besserer Stimmung zusammen

 Dennis Lenz

Nähe zur eigenen Katze hängt mit besserer Stimmung zusammen
(Symbolbild) Die Nähe zur eigenen Katze war in einer kleinen Alltagsstudie mit höherer selbstberichteter Vitalität verbunden. Zusätzlich fanden die Forscher Zusammenhänge zwischen den Hormonwerten von Tier und Besitzer. Ob gemeinsame Zeit die Stimmung verbessert oder eine gute Stimmung den Kontakt begünstigt, bleibt offen. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Wer im Alltag häufiger nahe bei seiner Katze war, berichtete in einer kleinen Untersuchung über mehr Vitalität. Auch zwischen den Hormonwerten der Tiere und ihrer Besitzer zeigten sich Zusammenhänge. Die Dauer des Zusammenlebens erklärte die positive Stimmung dagegen nicht. Die Ergebnisse sprechen für einen genaueren Blick auf die tägliche Beziehung, beweisen aber keine stimmungsaufhellende Wirkung der Katze.

Das Team um Saho Takagi von der Universität Kyoto und Takefumi Kikusui von der Azabu University begleitete 29 Katzen und 19 Besitzer einen Monat lang. Untersucht wurden räumliche Nähe, Stimmung und Hormone im Urin. Für die Hormonanalysen lagen Proben von 24 Katzen vor. Die Arbeit erschien im Fachjournal iScience. Sie untersucht damit nicht nur die Frage, ob jemand ein Haustier besitzt, sondern mehrere Merkmale des tatsächlichen Zusammenlebens.

Wie die Nähe zur Katze im Alltag erfasst wurde

Die Katzen trugen kleine Bluetooth-Sender am Halsband. Das Smartphone des Besitzers zeichnete die Stärke ihrer Funksignale auf, um die räumliche Nähe im Haushalt abzuschätzen. Zusätzlich beantworteten die Teilnehmer einen standardisierten Stimmungsfragebogen. Urinproben von Mensch und Tier wurden zu drei Zeitpunkten gesammelt. Die Forscher beobachteten außerdem, wie sich die Katzen gegenüber ihren Besitzern und gegenüber unbekannten Menschen verhielten.

Dieser Ansatz verbindet verschiedene Informationsquellen. Ein Fragebogen kann erfassen, wie sich ein Katzenhalter fühlt, aber nicht lückenlos dokumentieren, wo sich sein Tier aufhält. Ein Funksignal ergänzt die Selbstauskunft um ein technisches Maß. Es beschreibt jedoch zunächst räumliche Nähe und nicht automatisch Streicheln, gegenseitige Aufmerksamkeit oder eine besonders gute Bindung. Zwei Lebewesen können sich im selben Raum befinden, ohne miteinander zu interagieren. Die Messung ist daher genauer als eine bloße Besitzangabe, aber kein vollständiges Protokoll der Beziehung.

Oxytocin und Cortisol zeigten unterschiedliche Muster

Im Mittelpunkt standen die Hormone Oxytocin und Cortisol. Höhere Oxytocinwerte der Besitzer gingen mit höheren Werten ihrer Katzen einher. Höhere Oxytocinwerte der Katzen waren wiederum mit niedrigeren Cortisolwerten und weniger negativer Stimmung bei den Besitzern verbunden. Für Cortisol zeigte sich zwischen Mensch und Katze dagegen kein vergleichbar eindeutiger Gleichlauf. Die gemessenen Größen bewegten sich somit nicht einfach alle gemeinsam in eine vermeintlich gute oder schlechte Richtung.

Oxytocin ist an sozialen Prozessen beteiligt, lässt sich aber nicht als direkte Anzeige für Liebe oder Glück lesen. Ebenso ist Cortisol kein ausschließlich schädlicher Stoff, sondern Bestandteil normaler körperlicher Regulation. Ein Messwert muss im Zusammenhang mit Zeitpunkt, Untersuchungsmethode und weiteren Bedingungen betrachtet werden. Urinproben bilden außerdem nicht unmittelbar ab, was in einem bestimmten Moment im Gehirn geschieht. Die Hormonbefunde liefern deshalb zusätzliche biologische Hinweise und keine objektive Bewertung der Qualität jeder einzelnen Beziehung.

Ein möglicher hormoneller Zusammenhang zwischen Mensch und Haustier ist bereits aus Untersuchungen an Hunden bekannt. Dort wurde unter anderem der Zusammenhang von Blickkontakt und Oxytocin untersucht. Solche Befunde lassen sich allerdings nicht unverändert auf Katzen übertragen. Unterschiedliche Verhaltensweisen und Formen der Interaktion verlangen eigene Untersuchungen. Genau deshalb ist es sinnvoll, die Werte von Katzen und ihren Besitzern gemeinsam zu erfassen.

Gemeinsame Zeit war aussagekräftiger als gemeinsame Jahre

Besitzer, die sich häufiger nahe bei ihren Katzen aufhielten, berichteten über mehr Aktivität und Vitalität. Die Zahl der Jahre, die sie mit dem Tier zusammenlebten, zeigte diesen Zusammenhang nicht. Daraus folgt nicht, dass eine lange Beziehung unwichtig wäre. Vielmehr beschreiben Dauer und tägliche Nähe unterschiedliche Eigenschaften. Ein Haushalt mit langjähriger Katzenhaltung kann im Alltag sehr anders aussehen als ein anderer mit derselben Haltungsdauer.

Diese Unterscheidung hilft, die allgemeine Frage nach dem Nutzen von Haustieren präziser zu formulieren. Tierbesitz allein sagt wenig darüber aus, wie viel gemeinsame Zeit, Bewegung oder sozialer Kontakt damit verbunden ist. Auch Untersuchungen zur Freizeit mit Haustieren und zum Wohlbefinden betrachten deshalb konkrete Aktivitäten. Die vorliegende Katzenstudie ergänzt diese Perspektive durch eine technische Erfassung der Nähe. Sie beantwortet damit eine engere und besser überprüfbare Frage als die pauschale Behauptung, Haustiere machten ihre Besitzer glücklich.

Die Richtung des Zusammenhangs bleibt offen

Mehr Nähe könnte zu einer besseren Stimmung beitragen. Ebenso könnte ein gut gestimmter Besitzer häufiger Kontakt suchen oder für seine Katze zugänglicher sein. Möglich ist auch, dass ein dritter Faktor beides beeinflusst. Ein ruhiger Tagesablauf, mehr Zeit zu Hause oder eine angenehme Wohnumgebung könnten sowohl dem Menschen als auch dem Tier zugutekommen. Die beobachteten Zusammenhänge unterscheiden diese Möglichkeiten nicht sicher voneinander.

Das gilt auch für die Hormonwerte. Eine statistische Verbindung bedeutet weder, dass Hormone zwischen Mensch und Tier übertragen werden, noch dass sich die Körperzustände unmittelbar synchronisieren. Beide teilen denselben Haushalt und viele Alltagseinflüsse. Dadurch können ähnliche Muster entstehen, selbst wenn der direkte Kontakt nur einen Teil der Erklärung liefert. Der Ausdruck einer biologischen Verbindung beschreibt hier eine Forschungsfrage, keinen bereits vollständig aufgeklärten Wirkmechanismus.

Warum größere Studien nötig sind

Mit 19 Besitzern ist die Untersuchung klein. Die Teilnehmer meldeten sich über soziale Medien und Aushänge, und die Mehrheit war weiblich. Außerdem war die Studie explorativ und nicht vorab registriert. Das bedeutet, dass ihre Ergebnisse besonders als Ausgangspunkt für gezielte Folgeprüfungen dienen sollten. Eine größere und vielfältigere Stichprobe wäre nötig, um einzuschätzen, wie verlässlich und allgemein die gefundenen Muster sind.

Besonders aufschlussreich wären wiederholte Messungen, die Veränderungen der Nähe und Stimmung zeitlich genauer aufeinander beziehen. Damit ließe sich besser prüfen, was zuerst auftritt und ob sich ein Zusammenhang auch innerhalb derselben Person zeigt. Für den Alltag ergibt sich aus den bisherigen Daten keine bestimmte Zahl notwendiger Kuschelminuten. Ebenso wenig folgt daraus, dass eine zurückhaltende Katze eine schlechtere Beziehung zu ihrem Besitzer hat. Der Befund macht vielmehr deutlich, dass freiwillige Interaktion, gemeinsamer Alltag und individuelle Unterschiede wissenschaftlich getrennt betrachtet werden müssen.

iScience, Cats and humans show correlated affiliative physiological states; doi:10.1016/j.isci.2026.117934

Kyoto University, Owners who spend more time close to their cats tend to have more positive moods

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