AfD-Wähler und Muslime

Antisemitismus in Deutschland noch immer verbreitet

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • In Deutschland ist Antisemitismus noch immer weit verbreitet 
  • Am stärksten ist der Judenhass bei AfD-Wählern und Muslimen
  • Die Autoren empfehlen daher Programme gegen Antisemitismus und Maßnahmen der Politik, die den ausländsichen Einfluss auf Moscheen verringern sollen 

In Deutschland ist Antisemitismus noch immer weit verbreitet. Besonders häufig findet man die Einstellung bei AfD-Wählern und Muslimen.

Allensbach (Deutschland). Im letzten Jahr kam es laut der offiziellen Kriminalstatistik in Deutschland zu 3.028 Straftaten mit judenfeindlichem Hintergrund. Die Mehrheit der Taten (84 %) entfiel auf das rechte Milieu. Auffallend ist zudem, dass der Anteil antisemitischer Straftaten ausländischer Ideologie um 217 Prozent auf 127 Straftaten sehr stark zugenommen hat.

Diese Entwicklungen werden auch durch eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach – Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung mbH (IfD) bestätigt, die vom American Jewish Committee (AJC) beauftragt worden ist. Laut den Studienergebnissen ist Antisemitismus vor allem unter AfD-Wählern und Muslimen weit verbreitet.

Antisemitismus in allen gesellschaftlichen Bereichen

Wie AJC-Direktor Remko Leemhuis erklärt, ist Antisemitismus „keinesfalls nur ein Problem der politischen Ränder“. Auch Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, ist der Ansicht, dass es „in allen gesellschaftlichen Bereichen Judenhass gibt“.

Die Bevölkerung Deutschlands ist etwa der Meinung, dass Juden im Finanzwesen und in der Wirtschaft zu viel Macht haben (23 %), dass Juden einen zu hohen Einfluss auf die Medien und Politik haben (18 %) und dass viele Wirtschaftskrisen durch Juden ausgelöst wurden (11 %).

NS-Erinnerungskultur in Deutschland

Zudem ist die NS-Erinnerungskultur laut knapp der Hälfte der Bevölkerung nicht mehr „unbedingt notwendig“. „Dies ist in höchstem Maße alarmierend, denn Erinnerungsarbeit bleibt ein wichtiges Element in der Präventionsarbeit“, erklärt Leemhuis.

Besonders stark vertreten ist Antisemitismus unter AfD-Anhängern, von denen fast die Hälfte (48 %) annimmt, dass den Holocaust für ihren eigenen Vorteil nutzen. In der Gesamtbevölkerung wird diese These ebenfalls von vielen Menschen (34 %) unterstützt.

Israelbezogener Antisemitismus

Auch der israelbezogene Antisemitismus ist in Deutschland ein Problem. „Selbstverständlich kann man Israel kritisieren. Problematisch aber ist es, wenn andere Standards angelegt werden“ so Leemhuis. Die sogenannte 3D-Regel (Doppelstandards, Delegitimierung und Dämonisierung) ermöglicht es zu prüfen, ob Israelkritik antisemitisch ist. Wird eines der Kriterien erfüllt, handelt es sich um Judenhass.

Am stärksten vertreten ist eine negative Meinung gegen Israel unter Muslimen. Mehr als die Hälfte (63 %) von ihnen gab an, ein „schlechter“ oder „sehr schlechtes“ Bild über das Land zu haben. In der Gesamtbevölkerung ist es knapp ein Viertel (23 %). Laut Leemhuis zeigen diese Ergebnisse einen „dringenden Handlungsbedarf“ im Kampf gegen islamischen Antisemitismus.

Antisemitismus durch Moscheebesuche?

Zudem zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Moscheebesuchen. Muslime, die häufiger eine Mosche besuchen, haben demnach öfter eine antisemitische Einstellung. Laut den Autoren könnte dies daran liegen, dass in Deutschland viele Moschen aus dem Ausland beeinflusst werden. Der vom türkischen Autokraten Erdogan kontrollierte Verband DITIB betreibt in der Bundesrepublik etwa 800 Moscheen.  

Auch der Iran beeinflusst rund 150 Moscheen in Deutschland, deren Leiter vom Ajatollah bestimmt wurde. Es ist laut dem Antisemitismusbeauftragten Felix Klein deshalb nötig, dass die deutsche Politik die „Abhängigkeiten und die Einflüsse von außen verringert“.

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