Drogenkonsum

Alkohol kann negative Gefühle nicht vertreiben

Robert Klatt

Alkohol wird von vielen Menschen zum Unterdrücken negativer Emotionen genutzt. Laut einer Studie verstärkt die Droge depressive Gefühle jedoch.

Missouri (U.S.A.). Studien belegen, dass Menschen Alkohol hauptsächlich aus Gründen der Geselligkeit trinken. Außerdem ist die Droge beliebt, um negative Gefühle wie Angst, Einsamkeit und Traurigkeit zu unterdrücken. Langfristig kann dies natürlich nicht funktionieren. Wissenschaftler der University of Missouri haben nun untersucht, ob Alkohol zumindest kurzzeitig dabei helfen kann, negative Emotionen zu regulieren.

An der Studie nahmen 110 Frauen und Männer zwischen 18 und 45 Jahren teil, die mindestens einmal wöchentlich Alkohol trinken. Die Hälfte der Probanden litt an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Fragen zu Emotionen und dem Alkoholkonsum

Während der Studie wurden die Probanden mithilfe eines elektronischen Assistenten zu ihren befragt. Die Befragung erfolgte täglich nach dem Aufwachen, an sechs zufälligen Zeitpunkten am Tag und immer, wenn sie mindestens ein Glas Alkohol getrunken hatten. Gaben die Probanden an, dass sie Alkohol konsumiert hatten, wurden vier zusätzliche Fragerunden in den kommenden drei Stunden durchgeführt.

Neben Fragen zu den Gefühlen der Probanden, wurden diese auch dazu befragt, wieso sie in der jeweiligen Situation Alkohol getrunken haben. Sie sollten auch angeben, ob die dachten, dass der Alkohol in ihrer jeweiligen Situation bei einem Problem geholfen habe.

Alkohol verstärkt depressive Gefühle

Die Analyse zeigt, dass Probanden, die Alkohol in einer schwermütigen oder ängstlichen Stimmung konsumierten, davon überzeugt waren, dass es ihnen im Anschluss besser geht. Wenn die Gefühle der Konsumenten jedoch mit konkreten Fragen wie „Fühlen Sie sich jetzt niedergeschlagen?“ oder „Sind Sie gerade nervös“ erfasst wurden, zeigte sich, dass die Ängstlichkeit nach dem Konsum nicht geringer war. Depressive Gefühle nahmen durch den Drogenkonsum sogar zu.

Es wird somit deutlich, dass Alkohol keine negativen Emotionen verdrängen kann. Im schlimmsten Fall sorgt die Droge sogar dafür, dass negative Gedanken sich verstärken. Dass Menschen trotzdem in solchen Situationen häufig Alkohol konsumieren, liegt laut den Autoren an falschen Erwartungen und Wunschdenken. Außerdem existieren reale Effekte, wie ein geringeres Schmerzempfinden durch den Konsum von Alkohol, die nicht direkt mit Angst oder Depressivität zu tun haben.

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