Das US-Verteidigungsministerium hat seine sechste Sammlung an UFO-Akten veröffentlicht, darunter 37 Studien zu Warp-Antrieben, Wurmlöchern und Antigravitation. Die Papiere stammen aus einem Programm des Militärgeheimdienstes, das zwischen 2008 und 2012 lief. Was nach Science-Fiction klingt, beruht auf einer Lösung der Einsteinschen Feldgleichungen aus dem Jahr 1994. Wirklich neu sind die Dokumente allerdings nicht.
Am 18. September 2026 hat das Pentagon, das inzwischen offiziell als Kriegsministerium firmiert, eine weitere Tranche seiner UFO-Akten ins Netz gestellt. Die Veröffentlichung läuft über das Programm PURSUE, mit dem die Regierung seit dem 8. Mai 2026 schrittweise Unterlagen zu sogenannten UAP freigibt, unidentifizierten anomalen Phänomenen, wie Behörden unerklärte Himmelsbeobachtungen heute nennen. Die sechste Sammlung umfasst nach Auszählung des US-Senders CBS 71 Dateien, davon 55 PDF-Dokumente, 15 Videos und eine Tonaufnahme. Sie stammen aus den Jahren 1952 bis 2025, 67 kommen aus dem Ministerium selbst, vier Videos von Polizeibehörden aus Colorado. In 64 der Dateien sind Passagen geschwärzt. Das Ministerium kündigte an, weitere Unterlagen fortlaufend zu veröffentlichen, und hatte wenige Tage zuvor ehemaligen und aktiven Mitarbeitern erlaubt, trotz früherer Verschwiegenheitsvereinbarungen Informationen zu solchen Vorfällen an die zuständige Stelle zu melden.
Besondere Aufmerksamkeit erhalten 37 sogenannte Defense Intelligence Reference Documents, kurz DIRDs. Sie entstanden im Rahmen des Advanced Aerospace Weapon System Applications Program, abgekürzt AAWSAP, das der Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency im Jahr 2008 einrichtete. Ziel war es, die Physik und Technik möglicher Luft- und Raumfahrtbedrohungen bis zum Jahr 2050 zu verstehen, auch wenn diese nach heutigem Wissen weit jenseits des technisch Machbaren liegen. Das Programm wurde 2012 beendet. Die Studien behandeln Themen wie Warp-Antriebe, durchquerbare Wurmlöcher, Antigravitation, Antrieb mit negativer Masse und Tarntechnik. In deutschen Medien war daraufhin von geheimen Akten die Rede, die Forschung an Warp-Antrieben enthüllen. Diese Rahmung trifft den Kern allerdings nur teilweise, denn weder sind die Papiere neu, noch belegen sie, dass das Militär an funktionierenden Antrieben arbeitete. Wie es sich tatsächlich verhält, zeigt ein Blick auf Herkunft und Inhalt der Studien.
Den größten Teil der Veröffentlichung bilden Berichte, Videos und Protokolle zu einzelnen Sichtungen. Darunter sind Infrarotaufnahmen militärischer Kameras von Objekten über dem Nahen Osten sowie eine lange gesuchte Tonaufnahme aus dem Jahr 1952, in der Captain Edward J. Ruppelt, damals Leiter der UFO-Untersuchungen der US-Luftwaffe, über seine Arbeit berichtet. Sämtliche Dateien lassen sich auf der Veröffentlichungsseite des US-Kriegsministeriums einsehen, die auch die früheren Tranchen bündelt. Für Schlagzeilen sorgte zudem eine 38 Seiten lange Studie aus dem Jahr 2010 über mutmaßliche Verletzungen von Menschen durch unbekannte Flugobjekte. Sie beschreibt unter anderem drei zuvor gesunde Personen, die nach einem ungewöhnlichen Ereignis Haarausfall, Hautrötungen und in einem Fall Anzeichen einer Strahlenkrankheit gezeigt haben sollen. Es handelt sich dabei um eine historische Geheimdienststudie und nicht um einen unabhängig überprüften medizinischen Befund, der einen Zusammenhang mit unbekannten Flugkörpern belegen würde.
Alle 37 DIRDs sind seit Jahren öffentlich zugänglich, unter anderem über Anfragen nach dem US-Informationsfreiheitsgesetz, die der Militärgeheimdienst bereits beantwortet hatte. Die nun veröffentlichten Fassungen enthalten lediglich einige zuvor geschwärzte Angaben, etwa die Namen der Dienststellen, die die Dokumente in Auftrag gaben. Das Ministerium selbst mahnt zur Vorsicht und beschreibt die Studien als Referenzmaterial, nicht als Nachweis, dass die darin behandelten Technologien existieren oder erprobt wurden. Tatsächlich handelt es sich um Übersichtsarbeiten externer Wissenschaftler, die den Stand theoretischer Überlegungen zusammenfassen, vergleichbar mit Fachartikeln, die sich mit fernen Zukunftsfragen befassen. Auch die für UAP zuständige Behörde AARO hat nach eigenen Angaben in keinem geprüften Fall überprüfbare Hinweise auf außerirdische Technik gefunden. Der Reiz der Papiere liegt deshalb weniger in einer Enthüllung als in der Frage, ob Reisen schneller als das Licht physikalisch überhaupt denkbar sind und worauf sich solche Ideen stützen.
Den Grundstein legte im Jahr 1994 der mexikanische Physiker Miguel Alcubierre. Er zeigte in einer Arbeit in der Fachzeitschrift Classical and Quantum Gravity, dass die Allgemeine Relativitätstheorie eine Raumzeit zulässt, in der sich ein Raumschiff effektiv schneller als das Licht fortbewegt. Die nach ihm benannte Alcubierre-Metrik beschreibt eine Blase, vor der sich der Raum zusammenzieht und hinter der er sich ausdehnt. Das Schiff selbst ruht innerhalb der Blase und bewegt sich lokal nie schneller als das Licht, wird aber vom Raum mitgetragen. Möglich ist das, weil die Relativitätstheorie nur die Bewegung durch den Raum begrenzt, nicht die Ausdehnung des Raumes selbst. Auch das Universum dehnt sich so aus, dass weit entfernte Galaxien sich schneller als das Licht von uns entfernen. Für einen außenstehenden Beobachter könnte die Blase damit Entfernungen überbrücken, für die Licht Jahre braucht.
Der Haken liegt in der Energie. Um die Raumzeit in dieser Weise zu verformen, wäre eine negative Energiedichte nötig, also exotische Materie, die in der erforderlichen Menge nirgends nachgewiesen ist. Frühe Abschätzungen ergaben zudem Energiemengen, die jede denkbare Technik um viele Größenordnungen übersteigen. Kritiker weisen außerdem darauf hin, dass sich eine solche Blase von innen kaum steuern ließe, weil Signale aus ihrem Inneren ihren vorderen Rand nicht erreichen könnten. Die Lichtgeschwindigkeit von rund 300.000 Kilometern pro Sekunde bleibt deshalb für alle bekannten Objekte eine harte Grenze. Selbst der schnellste bekannte Stern der Milchstraße erreicht nur einen Bruchteil davon. Die Alcubierre-Metrik ist damit eine mathematisch gültige Lösung, aber kein Bauplan, und genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich auch die Studien des Militärprogramms.
Die Warp-Studie des Programms trägt den Titel Warp Drive, Dark Energy, and the Manipulation of Extra Dimensions und stammt aus dem Jahr 2010. Verfasst hat sie der Physiker Richard Obousy, der zuvor an der Baylor University gemeinsam mit Gerald Cleaver einen eigenen Ansatz entwickelt hatte. Dieser beruht auf Theorien mit zusätzlichen, winzig aufgerollten Raumdimensionen. Könnte eine Zivilisation den Radius einer solchen Extradimension gezielt verändern, ließe sich nach dieser Überlegung die Dunkle Energie lokal anpassen, also jene Größe, die als kosmologische Konstante die beschleunigte Ausdehnung des Universums beschreibt. Wie rätselhaft diese Größe ist, zeigt eine neue Analyse zur Beschleunigung des Universums. Vor einem Raumschiff würde der Raum schrumpfen, dahinter wachsen. Obousy selbst betont, dass solche Möglichkeiten, wenn überhaupt, erst in ferner Zukunft greifbar wären. Seine Berechnungen liefern zudem eine obere Geschwindigkeitsgrenze, die sich aus der kleinstmöglichen Größe der Extradimensionen ergibt.
Die übrigen Studien des Programms decken ein breites Spektrum ab. Der Physiker Eric Davis verfasste Arbeiten zu durchquerbaren Wurmlöchern, zu Antigravitation und zur Frage, ob sich Energie aus dem Quantenvakuum gewinnen lässt. Weitere Studien befassen sich mit Antrieben auf Basis von Antimaterie, mit Gravitationswellen als Kommunikationsmittel, mit Supraleitern und mit Metamaterialien für die Luft- und Raumfahrt. Wurmlöcher sind wie Warp-Blasen mathematisch mögliche Lösungen der Relativitätstheorie, benötigen aber ebenfalls exotische Materie, um offen zu bleiben. Anders verhält es sich bei den Metamaterialien, die heute ein etabliertes Forschungsfeld sind. Mit ihnen lässt sich Licht gezielt um Objekte herumlenken, wie eine neue Tarnkappe aus einem Metamaterial zeigt. Die UFO-Akten dokumentieren damit vor allem, wie breit das Militär vor rund 15 Jahren nach künftigen Technologien Ausschau hielt, und nicht, dass eine dieser Ideen den Sprung in die Praxis geschafft hätte.
Classical and Quantum Gravity, The warp drive: hyper-fast travel within general relativity; doi:10.1088/0264-9381/11/5/001