Menschen zu teleportieren bleibt Science-Fiction, doch die Teleportation von Quanteninformation ist längst Realität. In Berlin gelang nun ein bedeutender Schritt aus dem Labor in die Praxis. Über 30 Kilometer handelsübliches Glasfaserkabel übertrugen Forscher Quantendaten, und zwar parallel zum normalen Internetverkehr auf derselben Leitung. Die durchschnittliche Genauigkeit lag bei rund 90 Prozent. Der Feldversuch gilt als wichtiger Baustein für das künftige abhörsichere Quanteninternet.
Die Quantenteleportation hat trotz ihres spektakulären Namens nichts mit dem Beamen von Gegenständen zu tun. Übertragen wird nicht Materie, sondern ausschließlich Information, genauer der Quantenzustand eines Teilchens. Möglich macht dies die Verschränkung, ein quantenphysikalisches Phänomen, bei dem zwei Teilchen so eng miteinander verbunden sind, dass sie sich wie ein gemeinsames System verhalten, selbst über große Entfernungen hinweg. Nutzt man diese vorab geteilte Verschränkung, lässt sich der Zustand eines Teilchens an einem entfernten Ort identisch wiederherstellen, ohne dass das Teilchen selbst die Strecke zurücklegt. Diese Fähigkeit ist ein Schlüsselbaustein für das Quanteninternet, ein Netzwerk, das Informationen prinzipiell abhörsicher übertragen könnte. Der Grund liegt in den Gesetzen der Quantenphysik, denn jeder Lauschangriff würde den empfindlichen Quantenzustand messbar stören und dadurch sofort auffallen.
Bislang funktionierten solche Experimente vor allem unter kontrollierten Laborbedingungen. Der Sprung in die Praxis scheitert oft daran, dass reale Glasfasernetze voller Störungen sind, etwa durch Temperaturschwankungen, Erschütterungen und den gleichzeitigen klassischen Datenverkehr. Genau diese Hürde nahmen nun die Forschungsabteilung T-Labs der Deutschen Telekom und das Quantenunternehmen Qunnect. Im Januar 2026 führten sie ihren Versuch nicht in einem abgeschirmten Labor durch, sondern im echten Berliner Glasfasernetz der Telekom. Damit demonstrierten sie erstmals, dass sich Quantenteleportation in den regulären Betrieb eines Telekommunikationsnetzes einbinden lässt. Frühere Arbeiten hatten bereits gezeigt, dass die zugrunde liegende Verschränkung sogar 24 Kilometer belebtes Internetkabel übersteht.
Für den Versuch teleportierten die Forscher Quantenbits über eine 30 Kilometer lange Glasfaserschleife, die das Quantenlabor der T-Labs mit einem Knotenpunkt im Berliner Testnetz verband, wie die Deutsche Telekom in ihrer Mitteilung erläutert. Zum Einsatz kam eine kommerziell erhältliche Plattform des Partnerunternehmens, die verschränkte Photonenpaare erzeugt und über die Glasfaser verteilt. Eine spezielle Komponente glich dabei die störenden Umwelteinflüsse aus, die in erdverlegten wie in oberirdischen Kabeln auftreten. Die durchschnittliche Genauigkeit der Teleportation, im Fachjargon Fidelität genannt, lag bei etwa 90 Prozent und erreichte in Spitzen bis zu 95 Prozent. Bemerkenswert ist, dass die Quantenübertragung gleichzeitig mit dem gewöhnlichen Datenverkehr auf denselben Kabeln lief, was für einen praktischen Einsatz entscheidend ist.
Die wirtschaftliche Bedeutung liegt darin, dass für ein Quanteninternet keine völlig neuen Leitungen verlegt werden müssten, sondern das bestehende Glasfasernetz genutzt werden könnte. Da Glasfaserkapazität teuer und knapp ist, wäre dies eine zentrale Voraussetzung für einen bezahlbaren Aufbau in dicht besiedelten Regionen. Einordnend gilt, dass es sich um einen ersten Feldversuch handelt und ein einsatzfähiges Quanteninternet noch in weiter Ferne liegt. Die nächsten Schritte zielen auf Aufbauten mit mehreren Knotenpunkten und größere Entfernungen. Der Versuch reiht sich in eine lange Entwicklungslinie ein, an deren Anfang die Grundlagen des Beamens von Informationen durch Quantenteleportation standen. Dass die Technik nun das Labor verlässt und im realen Stadtnetz funktioniert, markiert einen bedeutenden Reifegrad auf dem Weg zu einem grundlegend neuen, hochsicheren Internet.