München und Co.

Wo kostet das Leben in Deutschland am meisten?

Robert Klatt

Neubau in München, der teuersten Stadt Deutschlands )kcotS ebodAxobotof_ha(Foto: © 

In Deutschland schwanken die Kosten für der Lebensunterhalt je nach Region stark. Ein neuer Preisindex zeigt nun, wo das Leben besonders teuer ist.

Köln (Deutschland). Die Lebenshaltungskosten in Deutschland schwanken regional stark. Besonders groß ist der Einfluss der Mieten, die laut einer Studie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin) vor allem in Großstädten immer mehr Haushalte überlasten. Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben nun einen neuen Preisindex vorgestellt, der die Lebenshaltungskosten in den Landkreisen und kreisfreien Städten zeigt.

Der lokale Preisindex basiert auf dem vom Statistischen Bundesamt (Destatis) zusammengestellten Warenkorb. In diesem sind sämtliche Produktkategorien enthalten, die für den privaten Verbrauch von Bedeutung sind. Zur Darstellung der Aufwendungen für das Wohnen zogen die Forscher die durchschnittlichen Mietpreise inklusive der Nebenkosten heran.

Innovative Datenerhebung im Internet

Der neue Preisindex basiert primär aus Daten, die per Web Scraping, also der automatisierten Datenerhebung im Internet, etwa von Vergleichsportalen, gewonnen wurden. Insgesamt wurden 24 Millionen Datenpunkte erfasst. Dies sichert nicht nur hohe Datenqualität und Aktualität, sondern erleichtert auch kontinuierliche Updates, was eine bisher in Deutschland bestehende Datenlücke schließt.

Wohnkosten haben großen Einfluss

Die Wohnkosten sind eine der größten Posten des Warenkorbs. Sie beeinflussen dadurch die Gesamtlebenskosten stark. In München liegen sie bei 180,9 Prozent des Bundesdurchschnitts und somit mehr als doppelt so hoch wie im Vogtlandkreis, wo sie nur 68 Prozent betragen. Dies spiegelt sich deutlich in den statistischen Werten wider.

Die Lebenshaltungskosten inklusive Wohnen sind deshalb in den sieben größten Städten am höchsten. In München kostet das Leben 25,1 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Danach folgen der Münchner Landkreis (16,7 %), Frankfurt am Main (15,9 %) und Stuttgart (14,8 %).

Die hohen Kosten in den dicht besiedelten Städten beeinflussen den gesamten Index stark nach oben. Daher mag es auf den ersten Blick überraschen, dass von 400 Städten, Kreisen und Landkreisen 274 unter dem Durchschnitt liegen, während nur 124 teurer sind und zwei genau dem Durchschnitt entsprechen. Ein extrem teures München kann in der Berechnung zahlreiche dünn besiedelte, günstigere Landkreise ausgleichen.

„In zwei von drei Landkreisen und kreisfreien Städten sind die Lebenshaltungskosten bundesweit unterdurchschnittlich. Dort lebt etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands. Besonders niedrig sind sie in einigen ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Auch wenn die Einkommen dort teilweise niedriger sind, haben die Menschen dort einen Kostenvorteil gegenüber vielen Großstädten. Bleiben die Wohnkosten unberücksichtigt, gibt es deutlich geringere Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten.“

Die geringsten Lebenshaltungskosten inklusive Wohnkosten findet man im Vogtlandkreis und in Greiz mit einer Differenz von 9,5 Prozent nach unten. Dicht darauf folgen Görlitz mit 9,4 Prozent sowie Pirmasens und der Salzlandkreis, beide mit 9,3 Prozent günstiger.

Lebensunterhalt ohne Wohnkosten

Berücksichtigt man die Wohnkosten nicht, sind die regionalen Unterschiede deutlich kleiner. Wie Christoph Schröder erklärt, liegt dies daran, dass in vielen Sektoren der Lebenshaltung die regionalen Abweichungen minimal oder nicht vorhanden sind. Als Beispiele nennt er Einkäufe im Internet, Lebensmittel aus Discountern, Modeketten oder Eigenmarken von Supermärkten.

Am teuersten ist das Leben ohne Wohnkosten im Vergleich zum Bundesdurchschnitt in Stuttgart (4,2 %) und München (2,1 %). Am geringsten sind die Lebenshaltungskosten ohne Wohnkosten im Landkreis Leer (1,7 %) sowie in Ostprignitz-Ruppin und Nordhausen (1,6 %).

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