Die Debatte über die Vier-Tage-Woche wurde lange mit Bauchgefühl und Einzelbeispielen geführt. Nun liefert die bislang größte wissenschaftliche Studie dazu harte Daten. Über sechs Monate begleiteten Forscher 2.896 Beschäftigte in 141 Unternehmen aus sechs Ländern, die ihre Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich auf vier Tage verkürzten. Das Ergebnis fällt eindeutig aus, denn Burnout ging deutlich zurück, während Zufriedenheit und Gesundheit spürbar stiegen. Ein Produktivitätseinbruch blieb aus.
Die klassische Fünftagewoche mit rund 40 Wochenstunden gilt in den meisten Industrieländern als selbstverständliche Norm, obwohl sie historisch aus den Arbeitskämpfen des frühen 20. Jahrhunderts stammt. Seit einigen Jahren wächst jedoch das Interesse an kürzeren Arbeitszeiten, befeuert durch Fachkräftemangel, hohe Krankenstände und die Erfahrungen der Corona-Pandemie, in der viele Beschäftigte ihr Verhältnis zur Arbeit neu bewerteten. Die Vier-Tage-Woche verspricht dabei einen dritten freien Tag, ohne dass der Lohn sinkt. Kritiker wenden ein, dass sich dieselbe Arbeit dann in weniger Zeit stauen und den Druck sogar erhöhen könnte. Genau diese Sorge stand am Anfang der neuen Untersuchung, denn die Forscher rechneten zunächst damit, dass eine verdichtete Arbeitswoche das Wohlbefinden womöglich verschlechtert, weil Beschäftigte fünf Tage Arbeit in vier Tage pressen müssten.
Geleitet wurde die Studie von den Soziologen Wen Fan und Juliet Schor vom Boston College. Die teilnehmenden Unternehmen aus den USA, Großbritannien, Kanada, Irland, Australien und Neuseeland erhielten vor dem Umstieg rund acht Wochen Zeit, um ihre Abläufe neu zu ordnen, etwa durch kürzere und seltenere Meetings sowie das Streichen wenig produktiver Tätigkeiten. Anschließend reduzierten sie die Arbeitszeit, viele auf 32 Stunden, bei unverändertem Gehalt. Zwei Wochen vor Beginn und erneut nach sechs Monaten beantworteten die Beschäftigten Fragen zu Erschöpfung, psychischer und körperlicher Gesundheit sowie Arbeitszufriedenheit. Als Vergleichsgruppe dienten rund 300 Beschäftigte aus zwölf Unternehmen, die bei der herkömmlichen Fünftagewoche blieben und dieselben Fragen beantworteten.
Die Ergebnisse der im Fachjournal Nature Human Behaviour veröffentlichten Untersuchung fielen durchweg positiv aus. Das arbeitsbezogene Burnout sank auf einer fünfstufigen Skala im Mittel um 0,44 Punkte, die Arbeitszufriedenheit stieg auf einer zehnstufigen Skala um 0,52 Punkte. Auch die psychische Gesundheit verbesserte sich mit 0,39 Punkten deutlich, die körperliche mit 0,28 Punkten etwas schwächer. Am stärksten profitierten jene Beschäftigten, die ihre Wochenarbeitszeit um acht Stunden oder mehr verringerten. In der Vergleichsgruppe mit unveränderter Fünftagewoche blieben solche Verbesserungen aus, was den Effekt der verkürzten Arbeitszeit stützt. Die Autoren identifizierten drei Mechanismen hinter den Gewinnen, nämlich eine höhere selbst eingeschätzte Arbeitsfähigkeit, weniger Schlafprobleme und geringere Müdigkeit.
Entscheidend für die praktische Bedeutung ist, dass die befürchtete Verschlechterung durch Arbeitsverdichtung ausblieb. Statt gestresster zu werden, arbeiteten die Beschäftigten nach eigener Einschätzung effizienter und berichteten von weniger, nicht mehr Stress. Ein Großteil der teilnehmenden Unternehmen behielt das Modell nach Ablauf des Versuchs bei, was auf tragfähige betriebliche Erfahrungen hindeutet. Die Forscher ordnen ihre Befunde vorsichtig ein, denn die Daten beruhen auf Selbstauskünften der Beschäftigten, und die teilnehmenden Firmen hatten sich freiwillig gemeldet, was die Übertragbarkeit auf alle Branchen einschränkt. Dennoch reiht sich das Ergebnis in eine wachsende Forschung zu flexibleren Arbeitsmodellen ein, zu der auch Befunde gehören, nach denen die Produktivität durch Homeoffice steigen kann. Für Unternehmen und Politik liefert die Studie damit ein starkes Argument, dass sich kürzere Arbeitszeiten und wirtschaftliche Leistung nicht ausschließen müssen.
Nature Human Behaviour, Work time reduction via a 4-day workweek finds improvements in workers' well-being; doi:10.1038/s41562-025-02259-6