Dreamvertising

US-Konzern platziert erfolgreich Werbebotschaften in Träumen

Dennis L.

Eine größere Brauerei aus den Vereinigten Staaten hat mit speziellen Videos Versuche durchgeführt, welche Testpersonen so manipuliert haben, dass diese im Schlaf gezielt von Bier geträumt haben. Traumforscher und Ethiker sehen in dem Experiment einen sehr gefährlichen Präzedenzfall.

Chicago (U.S.A.). Was nach Szenen aus einem Science-Fiction Film klingt, ist der US-amerikanischen Molson Coors Beverage Company nun tatsächlich gelungen. Der Konzern konnte die Träume von Testpersonen so manipulieren, dass die Probanden gezielt von dem Bier einer bestimmten Brauerei träumten. Das Experiment sollte in erster Linie beweisen, dass es möglich ist Werbung in menschlichen Träumen zu platzieren.

Für das Experiment wurden 18 Personen kurz vor dem Einschlafen ein 90-sekündiges Video mit fließendem Wasser, einem kühlen und klaren Bergsee sowie besagtem Coors-Bier gezeigt. Während die Probanden schliefen, wurden im Hintergrund zusätzlich spezielle Audioclips abgespielt.

Probanden träumten vom Coors-Bier

Laut einem YouTube-Video, welches das Experiment dokumentiert, berichteten fünf der Probanden, dass sie nach dem Aufwachen aus der REM-Schlafphase tatsächlich von Coors Bier träumten. Das Experiment wurde zudem von einer Reihe von Online-Werbekampagnen begleitet. Hier versprach die Brauerei ihren Kunden vergünstigte Bierpreise, wenn diese zu Hause das Traumexperiment wiederholten.

PR-Kampagne oder echte Wissenschaft?

Auch wenn das Experiment eher nach einer PR-Aktion aussieht und viele wissenschaftliche Faktoren unklar sind, bestätigt es Ergebnisse frühere Versuche der Traummanipulation. Mit moderner Technik lassen sich die Traumphasen von Menschen exakt erkennen und in den Phasen, wo man besonders für äußere Reize empfänglich ist, lässt sich tatsächlich in Träume eingreifen - wenn auch nicht sehr gezielt.

Heftige Kritik von Fachleuten

Traumforscherin Deidre Barrett, die Coors beim Design des Experiments beraten hatte, musste sich scharfe Kritik von ihren Kollegen anhören. In einem offenen Brief warnten renommierte Traumforscher, dass sich das Experiment auf sehr dünnem Eis bewegt. Kritiker sehen ein düsteres Bild der Zukunft, in der Konzerne oder Gruppierungen die Träume der Menschen manipulieren. Sie fordern daher ein Verbot von Technologien, welche die Träume der Menschen beeinflussen können.

„Das Problem sind nicht die etwa 18 Menschen, die bei dem Coors-Experiment in einem Labor unter Beobachtung standen“, schreibt Adam Haar, einer der Unterzeichner des Briefes, als Antwort auf die Frage, wie real die Gefahr durch die Traummanipulation tatsächlich ist. „Es geht um die Millionen von Menschen, denen Freibier angeboten wird im Austausch dafür, dass sie sich auf der Coors-Website einloggen und sich selbst oder einem Freund 3 Videos und 8 Stunden Audio vorspielen, während sie zu Hause schlafen - als Teil des PR-Experiments, ohne jede informierte Zustimmung, ohne jede Vorstellung davon, wie diese Trauminkubation den Alkoholkonsum beeinflussen wird.“

„Mein Gefühl sagt mir, dass die Traummanipulation jetzt eine echte Bedrohung ist. Der Schlaf kann mit einem Mikrofon analysiert werden, ohne dass Kontaktsensoren notwendig sind. Klänge, die im Schlaf abgespielt werden, können verändern, welche Erinnerungen vom Tag wir behalten und welche Konsumentscheidungen wir nach dem Aufwachen treffen“, schreibt Haar in dem Brief weiter.

Jeder smarte Lautsprecher in Amerika könnte zu ein Werbeträger werden, "vielleicht verpackt als Teil von Programmen, die uns besser schlafen lassen oder uns Träume von Batman und Lady Gaga versprechen.“ Der Kapitalismus hat keine Skrupel, für höhere Gewinne die Träume der Menschen zu manipulieren.

Derweil weist Deirdre Barrett den Vorwurf zurück. Zum einen, so argumentiert sie, sei manipulative Werbung, die nicht als solche zu erkennen ist, in den USA und vielen anderen Ländern verboten. Alle, die an dem Experiment teilgenommen haben - von dem sie dem Unternehmen im Übrigen abgeraten hatte - hätten dies freiwillig und mit Zustimmung getan.

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