Robert Klatt
In vielen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) ist die staatliche Rente nicht ausreichend, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Rentner benötigen also private Ersparnisse oder Unterstützung durch Verwandte.
Berlin (Deutschland). In der Europäischen Union (EU) ist mehr als jede fünfte Person (21,6 %) im Rentenalter. Ihre Rente liegt im Durchschnitt bei 17.321 Euro. Die Spannweite der Renten ist aber sehr groß und liegt zwischen 4.239 Euro in Serbien und 34.413 Euro in Luxemburg. In Deutschland liegt die staatliche Rente bei durchschnittlich 19.100 Euro vor Steuern. Analysten von Datapulse haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob diese Renten in den jeweiligen Staaten ausreichend hoch sind, um den dortigen Lebensunterhalt bezahlen zu können.
Sie haben zunächst ermittelt, wie hoch die Ausgaben von Menschen im Rentenalter in den EU-Mitgliedsstaaten sind, und dann deren Höhe der Rentenhöhe gegenübergestellt. Demnach ist die Rente nur in vier der 27 Länder ausreichend hoch, um die Lebenshaltungskosten komplett zu decken.
In drei der vier Länder liegt die Rente stark unter dem EU-Durchschnitt. Sie reicht dennoch zum Leben, weil die lokalen Kosten, etwa für Lebensmittel und Wohnraum, ebenfalls gering sind. In Rumänien liegt die jährliche Rente 5.800 Euro, während die Ausgaben bei rund 4.800 Euro liegen (23 % Überschuss). In Tschechien liegt die Rente bei 10.100 Euro und die Ausgaben bei 8.600 Euro (18 % Überschuss). In Polen liegt die Rente bei 8.400 Euro und die Ausgaben bei 8.100 Euro (4 % Überschuss) und in Spanien liegt die bei 19.800 Euro und die Ausgaben bei 19.300 (3 % Überschuss).
Bulgarien und Dänemark bezeichnet Datapulse als die „Beinahe-Erfolgreichen“, weil bei ihnen die Differenz aus der staatlichen Rente und den Ausgaben minimal ist. Renter in Bulgarien erhalten 4.500 Euro und haben Ausgaben von 4.600 (2 % Differenz), Rentner in Dänemark erhalten 30.500 Euro, haben aber Lebenshaltungskosten von 32.900 Euro (7 % Differenz).
In den übrigen Mitgliedsstaaten ist die Differenz aus der staatlichen Rente und den Lebenshaltungskosten deutlich höher, etwa in Deutschland, wo die Rentenhöhe bei 19.100 Euro liegt, Renter im Mittel aber 28.700 Euro ausgeben (33 % Differenz). In manchen Staaten ist die Differenz aber noch höher, darunter Kroatien, Slowenien und Ungarn. Kroatien liegt mit einer Rente von 5.600 Euro und Ausgaben von 9.300 (40 % Differenz) auf dem letzten Platz.
Wie die Ökonomen erklären, zeigen die Zahlen deutlich, dass in Deutschland und vielen anderen Staaten die staatliche Rente nicht als einziges Einkommen für einen sorgenfreien Ruhestand ausreicht. Rentner benötigen deshalb private Ersparnisse oder Unterstützung durch Verwandte, um ihren Lebensunterhalt decken zu können.