Der norwegische Staatsfonds hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von rund 1,75 Billionen norwegischen Kronen erzielt, umgerechnet etwa 184 Milliarden US-Dollar. Es ist das höchste Halbjahresergebnis in der Geschichte des weltgrößten Fonds dieser Art. Getragen wurde der Sprung von einer kräftigen Rally an den Aktienmärkten, insbesondere bei asiatischen Technologiewerten. Erstmals legte der Fonds zudem eine Beteiligung am Raumfahrtunternehmen SpaceX offen. Die Gesamtrendite lag bei 9,4 Prozent.
Der norwegische Staatsfonds, offiziell Government Pension Fund Global, ist der größte souveräne Vermögensfonds der Welt. Er wurde in den 1990er Jahren gegründet, um die staatlichen Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung in der Nordsee langfristig anzulegen und über Generationen zu erhalten. Verwaltet wird das Vermögen von Norges Bank Investment Management, einem Arm der norwegischen Zentralbank. Der Fonds gilt als besonders breit gestreut und hält Anteile an mehr als 7.000 Unternehmen in über 50 Ländern. Im Schnitt besitzt er rund 1,5 Prozent aller börsennotierten Aktien weltweit, was ihn zum größten Einzelinvestor überhaupt macht. Zum Ende des ersten Halbjahres belief sich das verwaltete Vermögen auf etwa 2,34 Billionen US-Dollar. Rund ein Viertel des norwegischen Staatshaushalts speist sich aus den Erträgen dieses Fonds.
Ein Vermögen dieser Größenordnung reagiert unmittelbar auf die Stimmung an den globalen Börsen. Weil der überwiegende Teil des Portfolios in Aktien angelegt ist, schlagen Kursgewinne und Kursverluste direkt und in enormer absoluter Höhe durch. Ein Plus von wenigen Prozentpunkten entspricht bei einem Vermögen im Billionenbereich bereits einem Ergebnis von vielen Milliarden. Genau dieser Hebel erklärt, warum ein einzelnes starkes Börsenhalbjahr einen dreistelligen Milliardengewinn ermöglicht. Zugleich bedeutet die hohe Aktienquote, dass der Fonds Abschwünge in gleichem Maße mitträgt. Der Vorstandschef verwies bei der Vorlage der Zahlen ausdrücklich darauf, dass die außergewöhnlich hohen Renditen der jüngeren Vergangenheit kein Dauerzustand seien und schwierigere Zeiten bevorstehen könnten. Der Fonds partizipiert an Aufschwüngen und Abschwüngen gleichermaßen, wie es seit Jahrzehnten der Fall ist.
Der Gewinnsprung geht in erster Linie auf den Aktienmarkt zurück, der mit rund 72 Prozent den größten Block im Portfolio bildet und im Halbjahr etwa 13 Prozent zulegte. Besonders kräftig entwickelten sich der Technologiesektor mit einem Plus von gut 25 Prozent sowie Telekommunikationswerte. Nach Angaben von Norges Bank Investment Management stammte ein wesentlicher Teil der Erträge aus asiatischen Technologieaktien, hinzu kamen große US-Konzerne aus dem Chip- und Softwarebereich. Weniger gut lief es in anderen Anlageklassen, denn Immobilien warfen deutlich geringere Renditen ab und festverzinsliche Papiere legten nur schwach zu, während nicht börsennotierte Infrastruktur für erneuerbare Energien sogar einen kleinen Verlust verbuchte. Insgesamt übertraf der Fonds seinen Vergleichsindex leicht. Details dazu, welche einzelnen Titel am stärksten beitrugen, wurden nicht vollständig aufgeschlüsselt.
Für Aufmerksamkeit sorgte die erstmalige Offenlegung einer Beteiligung am Raumfahrtunternehmen SpaceX. Der Anteil liegt bei rund 0,05 Prozent und hat einen Wert von etwa 1,2 Milliarden Dollar, ist gemessen am Gesamtvermögen also vergleichsweise klein. Weil SpaceX nicht börsennotiert ist, fällt die Position in den Bereich der nicht öffentlich gehandelten Beteiligungen, über die der Fonds bislang wenig preisgibt. Mit dem Engagement erhält der norwegische Staatsfonds zusätzlich zur bereits bestehenden Tesla-Beteiligung eine zweite Verbindung zu einem von Elon Musk geführten Unternehmen. Auf einer Pressekonferenz wollte die Fondsführung nicht erläutern, wie sich der Anteil über die Zeit verändert hat. Die offiziellen Halbjahreszahlen und weitere Angaben zur Zusammensetzung veröffentlicht die Institution auf ihrer eigenen Seite, wie sich in der Mitteilung des Fondsverwalters nachvollziehen lässt. Ob die Beteiligung ausgebaut werden soll, blieb offen.