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Neo-Broker verdrängen die Banken bei jungen Anlegern

 Dennis Lenz

Neo-Broker verdrängen die Banken bei jungen Anlegern
(Symbolbild) Beim Handel mit digitalen Vermögenswerten spielen klassische Banken für viele Anleger kaum noch eine Rolle. Stattdessen übernehmen Neo-Broker und spezialisierte Plattformen den direkten Kundenzugang. Eine aktuelle Studie beziffert, wie weit sich vor allem jüngere Investoren bereits von den etablierten Instituten abgewandt haben. Für die Banken steht dabei mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Produkt. (Foto: © Forschung und Wissen)

Beim Boom rund um digitale Vermögenswerte spielen klassische Banken eine erstaunlich kleine Rolle, denn den Handel übernehmen längst spezialisierte Anbieter. Eine aktuelle Studie zeigt, dass vor allem junge Anleger ihre Käufe fast vollständig über Neo-Broker, Kryptobörsen und Wallet-Anbieter abwickeln und die etablierten Institute dabei außen vor lassen. Inzwischen ist rund jeder vierte Deutsche entweder bereits im Kryptomarkt aktiv oder grundsätzlich offen dafür. Für die Banken zeichnet sich damit eine tiefgreifende Verschiebung ab, die weit über die Kryptowährungen selbst hinausreicht und den Zugang zu einer ganzen Anlegergeneration betrifft.

Neo-Broker sind digitale Handelsplattformen, die den Kauf und Verkauf von Wertpapieren und Kryptowährungen über eine App zu sehr niedrigen Gebühren ermöglichen und dabei ohne Filialnetz auskommen. Sie haben den Zugang zum Kapitalmarkt in wenigen Jahren radikal vereinfacht und richten sich gezielt an eine junge, technikaffine Kundschaft, die Bankgeschäfte selbstverständlich über das Smartphone erledigt. Parallel dazu haben sich spezialisierte Kryptobörsen und Wallet-Anbieter etabliert, über die sich digitale Vermögenswerte handeln und verwahren lassen. Diese neuen Akteure besetzen genau jene Schnittstelle zum Kunden, die früher fest in der Hand der Banken lag. Wer heute erstmals investiert, kommt mit einer klassischen Bank oft gar nicht mehr in Berührung, sondern beginnt direkt bei einem digitalen Anbieter mit wenigen Klicks.

Wie weit dieser Wandel bereits fortgeschritten ist, macht eine repräsentative Untersuchung deutlich, die den Besitz digitaler Vermögenswerte, die genutzten Anbieter und die Einstellungen der Anleger abfragt. Sie zeigt nicht nur, wie viele Menschen inzwischen investiert sind, sondern vor allem, über welche Kanäle sie das tun und welche Rolle das Vertrauen in einen Anbieter dabei spielt. Damit lässt sich abschätzen, ob die Banken den Anschluss an einen wachsenden Zukunftsmarkt verlieren oder ob sie ihn zurückgewinnen können. Die Ergebnisse deuten auf eine Verschiebung hin, die durch veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen zusätzlich beschleunigt wird und die Machtverhältnisse im Handel mit digitalen Vermögenswerten neu ordnet.

Wie junge Anleger die Banken umgehen

Nach der Erhebung der Beratung BearingPoint besitzen bereits rund 13 Prozent der Deutschen Kryptowährungen, weitere elf Prozent können sich einen Kauf vorstellen. Damit ist etwa jeder Vierte im Kryptomarkt aktiv oder offen dafür. Entscheidend ist jedoch, über wen gehandelt wird: Während die Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten steigt, spielen klassische Finanzinstitute für viele Anleger kaum eine Rolle. Stattdessen dominieren Neo-Broker, Kryptobörsen und spezialisierte Wallet-Anbieter sowohl den Handel als auch die Verwahrung. Besonders die jüngeren Altersgruppen bewegen ihr Geld fast ausschließlich außerhalb klassischer Bankstrukturen und wenden sich direkt an die neuen, digital aufgestellten Anbieter, denen sie beim Umgang mit ihren Beständen ihr Vertrauen schenken.

Warum Bitcoin den Markt dominiert

Entgegen dem verbreiteten Bild eines rein spekulativen Marktes konzentrieren sich die meisten Anleger auf etablierte Kryptowährungen. Drei Viertel der Besitzer halten Bitcoin, mit deutlichem Abstand folgen Ethereum mit rund einem Drittel sowie Solana und XRP. Stablecoins wie Tether spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Diese Konzentration auf die bekanntesten Werte spricht dafür, dass viele Investoren Kryptowährungen zunehmend als langfristige Anlageklasse betrachten und weniger als kurzfristige Wette. Zugleich bleibt die öffentliche Wahrnehmung von hartnäckigen Vorbehalten geprägt, obwohl Untersuchungen zeigen, dass Bitcoin überwiegend legal genutzt wird. Der Markt reift damit, während sich die Frage nach dem passenden Anbieter für viele erst neu stellt.

Was der Umbruch für die Banken bedeutet

Beschleunigt wird die Entwicklung durch die europäische Regulierung MiCA, die einheitliche Regeln für Kryptowerte geschaffen und damit viele frühere Hürden beseitigt hat. Aus Sicht der Studienautoren ist die Verschiebung für die Banken ein deutliches Warnsignal, denn wer den Zugang zu Anlegern in einem Zukunftsmarkt verliert, riskiert langfristig den Verlust wichtiger Kundenbeziehungen und ganzer Ertragsquellen. Die Institute stehen damit vor einer strategischen Grundsatzentscheidung, ob sie eigene Angebote für digitale Vermögenswerte aufbauen oder das Feld dauerhaft den neuen Anbietern überlassen. Wie tief die technische Entwicklung inzwischen reicht, zeigt sich daran, dass Bitcoin einen neuen Adresstyp erhält, der die Sicherheit des Netzwerks weiter erhöhen soll.

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