Bessere Gesundheitsversorgung

Mehr Migration reduziert die Sterblichkeit bei Senioren

 Robert Klatt

Altenpflegerin mit Migrationshintergrund )moc.sotohptisopedue.eehpargotohp(Foto: © 

In der Kranken- und Altenpflege können viele Arbeitsstellen nicht besetzt werden. Migration führt zu mehr qualifizierten Fachkräften und einer besseren Gesundheitsversorgung und Pflege, wodurch weniger Todesfälle bei Senioren auftreten als normal.

Cambridge (U.S.A.). Die alten Kranken- und Altenpflege sind Berufsfelder, die eine hohe Qualifikation erfordern, aber in vielen Ländern trotzdem relativ schlecht bezahlt werden. Viele Einrichtungen können deshalb nicht ausreichend Personal einstellen, weil dieses stattdessen lieber in finanziell attraktiveren Branchen arbeitet. Forscher der Harvard University haben nun eine Studie publiziert, laut der Migration den Personalmangel zumindest teilweise ausgleichen kann. Die zusätzlichen Arbeitskräfte führen demnach zu einer besseren Gesundheitsversorgung und Pflege und führen dazu, dass die Sterblichkeit bei Senioren abnimmt.

Laut der Studie reduzieren 1.000 zusätzliche Einwanderer in einer US-Metropolregion dazu, dass etwa zehn Todesfälle weniger bei Senioren auftreten als normal. Dieser Effekt entsteht, weil sich unter den Migranten auch Personen befinden, die in ihrem Heimatland im Gesundheitswesen gearbeitet haben. Wenn diese in den U.S.A. eintreffen und im Gesundheits- oder Pflegebereich arbeiten, können sie den dort seit Langem existierenden Fachkräftemangel ausgleichen. Besonders stark ist der Effekt in der Langzeitpflege, sowohl in privaten Haushalten als auch in Pflegeeinrichtungen.

„Es gibt in allen Bereichen Personalmangel, und ich denke, dass Einwanderer in all diesen Bereichen einen wichtigen Beitrag leisten können.“

Zusätzliche Fachkräfte für den Gesundheits- und Pflegebereich

Die Analyse zeigt, dass 1.000 zusätzliche Einwanderer im Mittel zu 142 zusätzlichen Fachkräften im Gesundheits- und Pflegebereich führen. Diese verdrängen keine bereits beschäftigten einheimischen Kräfte, sondern sorgen dafür, dass zuvor nicht besetzte Stellen besetzt werden können. Es kommt also nicht zu einem zusätzlichen Wettbewerb um Arbeitsplätze und nicht zu sinkenden Gehältern.

„Dieses Ergebnis unterstreicht klar den Beitrag, den im Ausland geborene Arbeitskräfte zur Gesundheit unserer Bevölkerung leisten. Mehr Einwanderung bedeutet mehr Pflegepersonal. Es ist ein zusätzlicher Effekt, kein Ersatz. Niemand verliert dadurch seinen Job, und die Löhne scheinen nicht zu sinken.“

Häusliche Altenpflege im eigenen Zuhause

Laut den Forschern spielt vor allem die häusliche Altenpflege im eigenen Zuhause eine große Rolle bei der sinkenden Sterblichkeit. Studien zeigen, dass Senioren, die weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung leben, im Mittel älter werden. Das zusätzliche Pflegepersonal aus dem Ausland sorgt dafür, dass mehr Senioren diese Möglichkeit nutzen können, anstatt in Altenpflegeeinrichtungen umzuziehen.

„Es gibt Hinweise darauf, dass ältere Menschen in Pflegeheimen häufiger negative Entwicklungen erleben. In solchen Gemeinschaftseinrichtungen steigt das Risiko für Infektionen, Gewichtsverlust oder Krankenhausaufenthalte. Zu Hause ist die psychische Gesundheit oft besser. Dort möchten die meisten Menschen sein.“

Angesichts der Studienergebnisse sprechen die Wissenschaftler sich dafür aus, gezielt Visa für ausländische Fachkräfte im Gesundheitswesen zu vergeben und die Einwanderung von Personen, die in diesen Bereichen eine Qualifikation erlangen möchten, zu erleichtern.

„Ich sehe das weniger als kurzfristige politische Debatte, sondern als grundlegende Frage: Wie können Pflegeheime und ambulante Dienste den akuten Personalmangel lösen, der sich besonders während der Pandemie verschärft hat. Einwanderung könnte ein Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets sein, zu dem auch bessere Bezahlung, Zusatzleistungen und attraktivere Arbeitsbedingungen gehören.“

Ohne entsprechende Maßnahmen wird die demografische Entwicklung das Problem in den kommenden Jahrzehnten in den U.S.A. weiter verschärfen.

„Wenn man sich die Bevölkerungsstruktur anschaut, ist das wirklich alarmierend“, sagte Grabowski. „Wir werden deutlich mehr ältere Menschen im Verhältnis zu Menschen im mittleren Alter haben. Wir brauchen Unterstützung, um all diese Menschen zu versorgen. Technologie kann zwar in gewissem Umfang helfen, wird aber keine Arbeitskräfte ersetzen. Entweder gewinnen wir mehr einheimische Kräfte für diesen Bereich oder wir verstärken unsere Bemühungen, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.“

Quellen:

Pressemitteilung der Harvard University

Studie des National Bureau of Economic Research (NBER)

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