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Jeder achte Erwachsene in Deutschland besitzt Kryptowährungen

 Dennis Lenz

Jeder achte Erwachsene in Deutschland besitzt Kryptowährungen
(Symbolbild) Kryptowährungen sind in Deutschland längst kein Randphänomen mehr, sondern erreichen einen wachsenden Teil der Bevölkerung. Eine repräsentative Umfrage zeigt, wie ungleich der Besitz zwischen Geschlechtern und Altersgruppen verteilt ist. Zugleich bleibt die Skepsis in der breiten Masse groß. Welche digitale Währung den Markt dabei klar anführt, ist eindeutig. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Der Besitz digitaler Coins hat in Deutschland eine Größenordnung erreicht, die sich nicht mehr als Nische abtun lässt. Eine repräsentative Umfrage beziffert, wie viele Menschen Kryptowährungen halten, und offenbart dabei ein auffälliges Gefälle zwischen den Geschlechtern und Generationen. Rund 12,8 Prozent der Erwachsenen zählen inzwischen zu den Besitzern, während die breite Mehrheit dem Thema weiter distanziert gegenübersteht. Zwischen wachsender Verbreitung und tiefer Skepsis zeichnet sich ein Markt ab, der stärker von jungen Anlegern und neuen Anbietern geprägt wird als von klassischen Banken.

Kryptowährungen sind digitale Vermögenswerte, die ohne Zentralbank oder Geschäftsbank auskommen und ihre Sicherheit aus einer dezentral geführten Blockchain beziehen. Seit dem ersten Bitcoin im Jahr 2009 ist eine unübersichtliche Vielfalt an Coins entstanden, deren Kurse teils extrem schwanken. Für die einen sind sie eine spekulative Anlageklasse mit hohen Chancen und Risiken, für die anderen ein technologisches Versprechen auf ein Geldsystem, das nicht von der Bonität einzelner Staaten abhängt. In Deutschland trifft dieses Versprechen auf eine traditionell vorsichtige Sparkultur, in der staatliche Währungen und Sachwerte wie Gold nach wie vor dominieren. Umso aufschlussreicher ist die Frage, wie tief digitale Währungen tatsächlich in den Alltag der Bevölkerung vorgedrungen sind und welche Gruppen den Markt vorantreiben.

Genau das untersucht eine aktuelle Erhebung, die den Besitz, die Bekanntheit und die Einstellungen zu Kryptowährungen abfragt und die Entwicklung über mehrere Jahre vergleichbar macht. Sie erlaubt eine nüchterne Einordnung jenseits von Kurshype und Untergangsprognosen, weil sie nicht nur zählt, wer investiert ist, sondern auch, wer bereits wieder ausgestiegen ist und wer einen Einstieg erwägt. Damit lässt sich abschätzen, ob die digitale Anlageklasse auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft ist oder ob sie ein Phänomen bestimmter Gruppen bleibt. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild, das weder die Euphorie der Krypto-Anleger noch die pauschale Ablehnung der Skeptiker vollständig bestätigt und stattdessen auf eine anhaltende Spaltung verweist.

Wie verbreitet Kryptowährungen inzwischen sind

Nach der Erhebung der Beratung BearingPoint mit dem Institut YouGov besitzen rund 12,8 Prozent der Erwachsenen Kryptowährungen, was knapp neun Millionen Menschen ab 18 Jahren entspricht. Bekannt sind digitale Coins fast der gesamten Bevölkerung, denn rund 92 Prozent haben zumindest schon von ihnen gehört. Zwischen Wissen und Nutzung klafft jedoch eine große Lücke. Weitere gut elf Prozent können sich einen Kauf grundsätzlich vorstellen, während knapp fünf Prozent bereits investiert waren und den Markt wieder verlassen haben. Damit zeigt sich eine Anlageklasse, die zwar breit wahrgenommen wird, deren tatsächliche Nutzung aber weiterhin auf eine Minderheit beschränkt bleibt und stark von der persönlichen Risikobereitschaft abhängt.

Junge Männer treiben den Markt

Besonders deutlich fällt das Gefälle zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen aus. Während 18,8 Prozent der Männer digitale Coins halten, liegt der Anteil bei den Frauen bei lediglich 7,2 Prozent. Unter den 25- bis 34-Jährigen besitzt fast ein Drittel Kryptowährungen, während die Anlageklasse bei den über 55-Jährigen kaum eine Rolle spielt. Unter den aktiven Anlegern bleibt Bitcoin die klar dominierende Währung, die rund drei Viertel der Besitzer im Bestand haben, gefolgt von Ethereum und Solana mit deutlichem Abstand. Auffällig ist, dass diese jungen Krypto-Anleger ihr Geld überwiegend außerhalb klassischer Bankstrukturen bewegen und stattdessen auf Neo-Broker und spezialisierte Handelsplattformen setzen. Ein verwandtes Missverständnis räumt zugleich die Forschung aus, wonach Bitcoin überwiegend legal genutzt wird.

Zwischen Euphorie und Skepsis

So dynamisch der Markt bei den Jüngeren wächst, so groß bleibt die Distanz in der breiten Bevölkerung. Rund zwei Drittel der Erwachsenen besitzen keine Kryptowährungen und schließen einen Kauf auch für die Zukunft kategorisch aus. Fast ein Drittel stuft die Coins ausdrücklich als hochspekulatives Produkt ein und begegnet ihnen mit klarem Risikobewusstsein. Dieses Nebeneinander aus jugendlicher Aufbruchstimmung und verbreiteter Zurückhaltung macht die Anlageklasse schwer greifbar. Für Banken stellt sich damit die Frage, ob sie den Zugang zu digitalen Vermögenswerten neuen Wettbewerbern überlassen, während die öffentliche Debatte über Chancen und Gefahren weitergeht. Zu Letzteren zählt auch die Umweltbilanz, wobei eine Untersuchung zeigt, dass die Klimabilanz von Bitcoin differenzierter ausfällt als oft angenommen.

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