Lieferketten

Häfen sind global überlastet

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Die Covid-19-Pandemie und der Ukrainekrieg haben zu einer globalen Überlastung der Handelshäfen geführt
  • Laut Prognosen werden die Probleme noch für Monate anhalten und die weltweiten Lieferketten behindern

Die globalen Handelshäfen sind durch die Covid-19-Pandemie und den Ukrainekrieg überlastet. Die Lieferketten werden deshalb für Monate nicht vollständig funktionieren.

München (Deutschland). Laut einer Studie des Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) haben die Covid-19-Pandemie und der Ukrainekrieg dazu geführt, dass die globalen Handelshäfen den Warenverkehr nicht im gewünschten Umfang abwickeln können. Es handelt sich dabei laut den Autoren um eine „noch nie da gewesene Überlastung der Häfen“.

Die Analyse der Schifffahrtsrisiken offenbart, dass vor allem im weltgrößten Hafen Shanghai der Normalbetrieb noch einige Monate ausbleiben wird, weil die chinesische Metropole sich größtenteils in einem strengen Lockdown befindet. Eine Prognose ist laut den Autoren kaum möglich, weil die Öffnung des Hafens vom Verlauf der Covid-19-Pandemie und den Maßnahmen der chinesischen Behörden abhängt.

Frachtkapazitäten zu klein

Die Studie kommt überdies zum Ergebnis, dass die Frachtkapazitäten in der Handelsschifffahrt unabhängig von der aktuellen Situation zu klein sind. Internationale Reedereien haben deshalb bereits 7,5 Millionen neue Container bestellt. „Man muss wesentlich mehr Container bauen, die dann in den Umlauf kommen“, erklärt Experte Anastasios Leonburg.

Die Sondersituation hat dazu geführt, dass inzwischen auch konventionelle Frachtschiffe für den Transport von Containern verwendet werden. Zudem werden alte Schiffe länger als geplant genutzt und Wartungsintervalle werder nicht eingehalten.

Ukrainische Häfen

Ein weiteres Problem sind neue Risiken durch den Krieg in der Ukraine. Dieser hat bereits zu Verlusten von zivilen Schiffen im Schwarzen Meer geführt. Zudem befinden sich in den Häfen des Landes noch immer Schiffe, die diese aufgrund der hohen Gefahren nicht verlassen können.

Auch das Öl-Embargo gegen Russland sieht die Versicherung als potenzielles Risiko für Handelsschiffe. Sollte Schweröl knapp werden, könnte dies Unternehmen dazu zwingen, schlechtere Kraftstoffe zu tanken, die mittel- und langfristig Schäden an der Technik der Schiffe auslösen.

Totalverluste gehen zurück

Immerhin die Totalverluste in der internationalen Schfffahrt haben sich laut den Daten der Versicherung in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt. Im Jahr kam es bei 127 Schiffen zu irreparablen Schäden und Verlusten, im Jahr 2021 waren es nur 54 Schiffe.

Gleichzeitig haben die immer größeren Containerschiffe jedoch dafür gesorgt, dass bei Bränden und anderen Schäden keine Häfen mehr angelaufen werden können. Dies führte im Vorjahr etwa dazu, dass der Frachter X-Press Pearl nach einem langen Brand vor Küste Sri Lankas sank. Einen Hafen zum Löschen konnte das Schiff aufgrund seiner Größe nicht anfahren.

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