In-App-Zahlung

Girocard erhält 2027 zentrale Funktionen der Kreditkarte

 Dennis Lenz

Girocard erhält 2027 zentrale Funktionen der Kreditkarte
(Symbolbild) Die Girocard ist Deutschlands meistgenutzte Bezahlkarte und steckt in rund 100 Millionen Geldbörsen. Ab dem Frühjahr 2027 soll sie Funktionen übernehmen, die bislang vor allem Kreditkarten vorbehalten waren, darunter Zahlungen in Händler-Apps und im Internet. Ob die Girocard damit unabhängiger von internationalen Anbietern wird, hängt jedoch von vielen Beteiligten ab. (Foto: © Forschung und Wissen)

Die Girocard ist die meistgenutzte Bezahlkarte in Deutschland und steckt in rund 100 Millionen Geldbörsen. Ab dem Frühjahr 2027 soll sie Aufgaben übernehmen, die bislang vor allem Kreditkarten vorbehalten waren. Dazu zählen Zahlungen in Händler-Apps, die Nutzung in Bonusprogrammen und die Reservierung von Hotels oder Mietwagen. Damit rückt die klassische Bankkarte technisch näher an die Kreditkarte heran.

Die Girocard, im Alltag oft noch EC-Karte genannt, wird von der EURO Kartensysteme im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft betrieben. An der Ladenkasse funktioniert sie seit Jahrzehnten zuverlässig, bei Zahlungen in Apps oder im Internet war sie bisher jedoch außen vor. Dort griffen Kunden meist auf Bezahldienste, eine Kreditkarte oder ein Lastschriftmandat zurück. Wie groß die Rolle der Karte im Alltag ist, zeigen die jüngsten Zahlen. Im Jahr 2025 wurde die Debitkarte der deutschen Kreditwirtschaft rund 8,3 Milliarden Mal eingesetzt, ein Zuwachs von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz lag bei etwa 308 Milliarden Euro, und die Karte war an bis zu 1,34 Millionen aktiven Terminals nutzbar. Damit ist die Girocard fest im stationären Handel verankert, während der digitale Bereich bislang eine Lücke aufwies.

Genau diese Lücke soll das angekündigte Update schließen. Nach Angaben von EURO Kartensysteme sollen ab dem Frühjahr 2027 sogenannte In-App-Zahlungen möglich sein, also das direkte Bezahlen in den Smartphone-Anwendungen von Händlern. Im Gespräch sind Apps von Supermärkten, Lieferdiensten, Tankstellen und Mobilitätsanbietern. Nutzer sollen ihre Karte künftig einmalig hinterlegen können, statt bei jedem Kauf Kartendaten einzutippen. Für die Einrichtung genügen der Zugang zum Online-Banking der eigenen Bank und das gewohnte TAN-Verfahren. Über ein sogenanntes Whitelisting lassen sich einzelne Händler als vertrauenswürdig markieren, sodass eine erneute Bestätigung entfällt und der Bezahlvorgang schneller abläuft. Damit soll die Debitkarte auch im wachsenden mobilen Handel eine echte Alternative zu bisherigen Verfahren werden.

Was die Girocard künftig können soll

Neben den Zahlungen in Apps ist die Anbindung an Bonusprogramme ein zentraler Baustein. So soll die Girocard etwa in Payback nutzbar werden, das bislang auf Lastschrift und Kreditkarte setzt. Ebenfalls für Anfang 2027 ist die sogenannte Vorautorisierung geplant, mit der sich ein Mietwagen buchen oder ein Hotelzimmer reservieren lässt. Bei den kartenausgebenden Sparkassen und Volksbanken ist diese Funktion in den Systemen bereits angelegt. Für Händler ist die Erweiterung finanziell attraktiv, weil bei In-App-Zahlungen dieselben günstigen Konditionen wie am Terminal gelten und der Sprung auf teurere Gebühren internationaler Kartenanbieter entfällt. Die fortschreitende Digitalisierung des Bezahlens zeigt sich auch an einer elektronischen Alterskontrolle, die seit Mitte 2023 an Zigarettenautomaten läuft und ausgeweitet werden soll.

Grenzen und offene Fragen

Trotz der Ankündigung bleibt vieles offen. Welche Apps und Anbieter tatsächlich mitmachen, hängt von laufenden Verhandlungen ab, und feste Termine für alle Funktionen stehen noch nicht fest. Zudem beherrschen Debitkarten von internationalen Anbietern wie Visa und Mastercard viele dieser Funktionen bereits heute, was den Neuigkeitswert relativiert. Für Verbraucher ist außerdem ein Detail wichtig. Eine ausgelöste Girocard-Zahlung lässt sich, anders als eine Lastschrift, nicht einfach zurückbuchen. Für Händler ist das ein Vorteil, für Kunden bedeutet es weniger Spielraum bei Rückabwicklungen. Ob die Girocard über Deutschland hinaus anschlussfähig wird, ist ebenfalls noch nicht absehbar, da sie überwiegend im Inland genutzt wird. Vieles wird davon abhängen, wie viele große Händler die neuen Möglichkeiten am Ende wirklich anbieten.

Was das für Nutzer bedeutet

Für Menschen ohne Kreditkarte ist vor allem die Vorautorisierung ein spürbarer Zugewinn, weil Hotel- und Mietwagenbuchungen bislang häufig eine Kreditkarte voraussetzten. Wer bereits eine Debitkarte mit internationalem Zahlungsschema besitzt, wird viele Neuerungen dagegen schon kennen. Details zur Funktionsweise und zum offiziellen System finden sich beim Betreiber unter der offiziellen Girocard-Informationsseite. Insgesamt holt die Bezahlkarte in Bereichen auf, die lange Kreditkarten und internationalen Bezahldiensten vorbehalten waren, ohne diese vollständig zu ersetzen. Ein Ende der Kreditkarte bedeutet das Update also nicht, sondern eher eine breitere Auswahl an Bezahlwegen. Entscheidend für den Erfolg wird sein, wie reibungslos die neuen Funktionen im Alltag funktionieren und wie viele Händler mitziehen.

Spannend & Interessant
VGWortpixel