Off-Grid-Ladesysteme

Elektroautos sind in Afrika auch ohne stabiles Stromnetz konkurrenzfähig

 Robert Klatt

Elektroauto in Afrika (Symbolbild) )moc.sotohptisopedkirdesotof(Foto: © 

In Afrika verdoppelt sich die Zahl der Autos bis 2050. Nun wurde berechnet, dass sich dabei günstige Elektroautos, etwa von chinesischen Herstellern, durchsetzen können, auch in Ländern ohne stabiles Stromnetz. Laden sollen sie stattdessen an Off-Grid-Ladesysteme, die aus Solarmodulen und stationären Batterien bestehen und somit keine externe Stromversorgung benötigen.

Zürich (Schweiz). Die meisten Elektroautos werden bisher von Menschen mit mittleren und hohen Einkommen aus Industrieländern wie Deutschland gekauft oder geleast. In den ärmeren Regionen der Erde nimmt die Individualmobilität aber ebenfalls stark zu. Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) haben deshalb untersucht, ob sich Elektroautos auch in Afrika durchsetzen können, wo sich der Autobestand bis 2050 etwa verdoppeln wird, also schneller als auf jedem anderen Kontinent.

Die Studie basiert auf einem vereinfachten Modell, das keine Importzölle, Mehrwertsteuern und Subventionen berücksichtigt, und hatte das Ziel, die unterschiedlichen Antriebstechnologien aus technischer und ökonomischer Perspektive zu vergleichen. Manche Aspekte, darunter unter anderem soziale und politische Faktoren, wurden nicht einbezogen.

„Wir wollten zuerst verstehen, ob Elektromobilität grundsätzlich machbar und bezahlbar ist. Wie einzelne Länder diesen Übergang konkret gestalten, hängt stark von lokalen Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen ab.“

Off-Grid-Ladesysteme mit Solarstrom

In vielen Regionen von Afrika ist das Stromnetz bisher kaum vorhanden oder nicht schlecht ausgebaut. Die Forscher haben deshalb für über 2.000 Standorte in 52 afrikanischen Staaten untersucht, ob Elektroautos mit einem sogenannten Off-Grid-Ladesystem aus einer kleineren Solaranlage und stationären Batterien geladen werden können, also unabhängig vom Stromnetz.

„Wir wollten wissen, was passiert, wenn man das Ladesystem genau auf den täglichen Bedarf zuschneidet. Das Ergebnis hat uns selbst überrascht: Diese Systeme sind deutlich günstiger als oft angenommen – und in vielen Kontexten sogar zuverlässiger als das bestehende Stromnetz.“

Laut den Ergebnissen der Modellrechnung kann ein solches System in vielen Ländern Elektroautos bereits deutlich vor 2040 wirtschaftlich konkurrenzfähig machen. Dabei helfen vor allem die in den letzten Jahren deutlich gesunkenen Preise für Solarmodule und Batterien und die immer günstigeren Elektroautos, etwa aus China.

„In vielen Modellen wurde bisher angenommen, dass in Afrika bis Mitte des Jahrhunderts Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor dominieren. Unsere Ergebnisse zeigen: Unter bestimmten Bedingungen ist Elektromobilität früher machbar, als viele denken.“

Innerhalb von Afrika gibt es jedoch starke regionale Unterschiede. In eher finanzstarken Ländern mit stabilen wirtschaftlichen Bedingungen wie Botswana oder Südafrika sind Elektroautos demnach deutlich früher konkurrenzfähig als in Ländern mit hohen Finanzierungskosten wie Guinea.

„Afrika ist kein einheitlicher Markt. Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich stark, und damit auch der Zeitpunkt, ab dem Elektromobilität wirtschaftlich Sinn macht.“

Hohe Finanzierungskosten der Elektromobilität

Laut den Studienautoren ist das größte Problem der Elektromobilität in Afrika nicht die Technik, sondern die hohen Finanzierungskosten, etwa für den Ausbau von Lademöglichkeiten. Kredite sind für viele afrikanische Länder sehr teuer, weil sie als riskant gelten. Internationale Unterstützung und staatliche Garantien für Investoren können dabei helfen, die Finanzierungskosten zu senken.

„Wenn man die Finanzierungskosten senken kann, beschleunigt sich der Übergang massiv.“

Eine weitere Studie zeigt zudem, dass die zunehmende Elektromobilität für einige afrikanische Staaten zu einem Steuerproblem führen kann, weil diese mehr als neun Prozent der gesamten Staatseinnahmen aus Kraftstoffsteuern erzielen. Die betroffenen Staaten sollten deshalb frühzeitig mit Steuerreformen reagieren, damit durch die Umstellung auf Elektrofahrzeuge keine größeren Haushaltslücken entstehen.

„Der Übergang zu Elektrofahrzeugen ist klimapolitisch sinnvoll, stellt viele Länder aber vor schwierige Haushaltsfragen.“

Quellen:

Pressemitteilung der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Studie im Fachmagazin Nature Energy, doi: 10.1038/s41560-025-01955-x

Studie im Fachmagazin Nature Sustainability, doi: 10.1038/s41893-025-01721-7

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