Arbeitnehmer

Deutschland ist bei Steuern und Abgaben Weltmeister

Robert Klatt

Deutschland erhebt innerhalb der OECD-Mitglieder bei Arbeitnehmern im Mittel die höchsten Steuern und Abgaben.

Paris (Frankreich). Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren die Abgaben und Steuern für Arbeitnehmer 2019 innerhalb der OECD-Mitgliedsstaaten am zweithöchsten. Lediglich in Belgien wurden Arbeitnehmer noch stärker belastet. Nun hat die OECD ihren Report Taxing Wages 2021 veröffentlicht, laut dem im kleinen der 37 OECD-Staaten, dazu gehören die meisten nordamerikanischen und europäischen Länder, die Einkommenssteuer und Sozialabgaben höher sind als in Deutschland. Auch die Steuererleichterungen, während der Covid-19-Pandemie und der Kinderbonus, haben daran nichts geändert.

Ein kinderloser Alleinstehender mit einem Jahresbruttoeinkommen von 61.200 Euro hat in Deutschland eine Steuerlast von 38,9 Prozent. Es entfallen davon 18,8 Prozent auf die Einkommenssteuer und 20,1 Prozent auf Sozialabgaben. Deutschland ist aber auch in der Besteuerung von Doppelverdienern mit Kindern Spitzenreiter, selbst dann, wenn man die relativ hohen Zuschüsse wie Kindergeld rausrechnet. Noch mehr Steuern zahlen zwei arbeitenden Elternteilen lediglich in Dänemark. Fällig werden in Deutschland bei einem gemeinsamen Bruttoeinkommen von 103.500 Euro im Jahr fast 30 Prozent Sozialabgaben und Steuern.

Geringere Steuerlast für Familien mit Alleinverdiener

Bei der Besteuerung von Familien mit einem Alleinverdiener liegt Deutschland hingegen auf dem neunten Platz. „Der Hauptgrund ist das Ehegatten-Splitting, das die Steuerbelastung senkt“, erklärt Michelle Harding, Steuerexpertin bei der OECD gegenüber der FAZ. Die Belastungsquote von 33 Prozent reicht in diesem Fall zwar nicht für eine Spitzenposition, liegt aber noch immer deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 24,4 Prozent.

Deutschland bei Gesamtsteuerbelastung im Mittelfeld

Teilweise wird die Analyse der OECD von Wirtschaftswissenschaftler aber auch kritisiert, weil sie nicht die tatsächliche Steuerbelastung abbildet. Diese umfasst neben der Einkommenssteuer auch weitere Steuern zum Beispiel die Umsatzsteuer und die kürzlich in Deutschland eingeführte CO2-Steuer.

Betrachtet man alle durchschnittlich gezahlten Steuern und Sozialabgaben in Bezug zum Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegen einige OECD-Mitglieder vor Deutschland. In Dänemark liegt dieses Verhältnis bei 46,3 Prozent, in Frankreich bei 45,4 Prozent. Die beiden Länder liegen laut der alternativen Berechnungsmethode demnach deutlich vor Deutschland, dessen Steuerquote bemessen am BIP bei 38,8 Prozent liegt.

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