Robert Klatt
Die Fachkräftelücke in Deutschland nimmt durch den demografischen Wandel in vielen Bereichen stetig zu. Arbeitslose Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit könnten dabei helfen, die Lücke zu schließen, wenn Unternehmen auf ihre Bedürfnisse, etwa flexible Arbeitszeitmodelle, eingehen.
Berlin (Deutschland). In Deutschland können laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) viele Unternehmen (43 %) nicht alle offenen Stellen besetzen, weil es nicht ausreichend passende Fachkräfte gibt. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) geht deshalb davon aus, dass bis 2028 bereits 768.000 Fachkräfte fehlen werden. In vielen Bereichen, darunter etwa die Pflege und spezialisierte Gesundheitsberufe, wird der Fachkräftemangel auch danach mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen.
Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat nun eine Studie publiziert, laut der derzeit arbeitslose Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in den kommenden Jahren dabei helfen können, den Fachkräftemangel signifikant zu reduzieren. Laut den Wissenschaftlern um Lydia Malin gab es zwischen Juli 2024 und Juni 2025 im Mittel knapp 1,3 Millionen arbeitslose Frauen, darunter rund 520.000 Ausländerinnen. Diese sind durchschnittlich deutlich jünger als die arbeitslosen deutschen Frauen und könnten somit langfristig dabei helfen, die offenen Stellen zu besetzen und die Auswirkungen des demografischen Wandels abzufedern.
Die Studie zeigt, dass ausländische Frauen oft Berufe ausüben möchten, in denen ein Fachkräftemangel besteht. Zudem suchen sie oft Stellen, für die sie als überqualifiziert gelten. Viele der Ausländerinnen mit Berufsausbildung (44,5 %) suchen demnach auch eine Helfertätigkeit und Ausländerinnen mit akademischem Abschluss (40,3 %) oft eine Helfertätigkeit oder eine Arbeit, für die auch eine abgeschlossene Berufsausbildung ausreicht. Laut dem KOFA sind viele der Frauen aktuell arbeitslos, obwohl sie gerne arbeiten würden, weil ihre Abschlüsse in Deutschland nicht anerkannt werden oder weil sie Betreuungspflichten, etwa für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, haben.
„Um das Potenzial von Frauen noch besser zu erschließen, muss es zum einen gelingen die 531.000 nicht-deutschen, arbeitslosen Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und zum anderen qualifizierte Frauen auch in qualifizierte Jobs zu bringen. Mindestens jede Fünfte der gut 1,3 Millionen arbeitslosen Frauen sucht nach einer Beschäftigung, für die sie formal überqualifiziert ist. Dabei könnte eine qualifikationsadäquate Beschäftigung dieser Frauen in einigen Berufen die Fachkräftelücke schließen oder zumindest stark reduzieren.“
Die Studienautoren empfehlen Unternehmen angesichts der Fachkräftelücke, nicht deutsche Frauen gezielter anzusprechen. Um sie besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist es zudem sinnvoll, ihnen Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten anzubieten. Rund ein Drittel der Frauen gab an, dass sie aufgrund von familiären Pflichten nur in Teilzeit arbeiten können. Zudem empfiehlt das Team um Malin, dass Unternehmen, in Bereichen, in denen keine formale Ausbildung oder ein Studienabschluss gesetzlich vorgeschrieben ist, auch Frauen eine Chance geben, die keine formale Qualifikation besitzen, aber beispielsweise im Ausland entsprechende Berufserfahrung gesammelt haben.
„In einigen Berufen könnten die Fachkräftelücken ganz geschlossen oder zumindest deutlich reduziert werden.“
Quellen:
Fachkräftereport der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK)
Pressemitteilung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW)
Pressemitteilung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA)