Wirtschaftliche Ungleichheit

2,1 Millionen Deutsche durch hohe Mieten am Existenzminimum

Robert Klatt

In Deutschland haben 2,1 Millionen Menschen durch hohe Mieten weniger Geld zum Leben als im Arbeitslosengesetz als Regelbedarf festgelegt wurde.

Berlin (Deutschland). Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin) haben bereits im Sommer 2019 ermittelt, dass die vor allem in den Großstädten von Deutschland rapide steigenden Mieten bei einkommensschwachen Haushalten zu einem Leben unter Hartz-IV-Niveau führen. Nun hat die HU Berlin im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) erneut die Auswirkungen der hohen Miete untersucht.

Laut der aktuellen Studie bleibt fast 1,1 Millionen Haushalten nach der Zahlung der Miete zum Leben weniger als das offizielle Existenzminimum zum Leben. Fast 13 Prozent der Mieterhaushalte befinden sich demnach in einer prekären wirtschaftlichen Lage. Insgesamt betrifft dies rund 2,1 Millionen Menschen.

Alleinerziehende stark betroffen

Am stärksten betroffen sind davon Alleinerziehende. Ein Viertel der alleinerziehenden Elternteile hat nach Abzug der Miete weniger Geld zum Leben als der im Arbeitslosengesetz definierte Regelbedarf von 446 Euro monatlich.

Wohnkosten verstärken wirtschaftliche Ungleichheit

Die Studie kommt somit zu dem Schluss, dass die hohen Mietkosten die wirtschaftliche Ungleichheit in Deutschland weiter verstärkt. Die reichsten Haushalte verfügen über das 4,4-fache monatliche Einkommen eines Haushalts aus der niedrigsten Einkommensklasse. Wenn die Warmmiete und Nebenkosten abgezogen sind, steigt diese Ungleichheit auf den Faktor 6,7. Wie die HBS erklärt entsteht dieser Effekt, weil Haushalte mit geringen Einkommen einen deutlich größeren Anteil davon für ihre Miete ausgeben müssen, obwohl sie in schlechter ausgestatteten und deutlich kleineren Wohnungen leben.

„Die Wohnverhältnisse sind nicht nur Ausdruck, sondern selbst Faktor der sozialen Ungleichheit in unseren Städten. Die ohnehin schon bestehende Einkommenspolarisierung wird durch die Mietzahlung verstärkt“, erklären die Studienautoren.

Bestätigt wird diese Entwicklung auch durch das Statistische Bundesamt (Destatis), laut dem 2019 etwa 11,4 Millionen Menschen (14 Prozent der Bevölkerung) in Haushalten lebten, die durch die hohen Wohnkosten an ihre finanziellen Grenzen gebracht wurden.

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