Soziale Ungleichheit

Reichste Menschen haben Vermögen in der Covid-19-Pandemie verdoppelt

Robert Klatt

Die zehn reichsten Menschen konnte ihr Vermögen während der Covid-19-Pandemie von 700 Milliarden Dollar auf 1,5 Billionen Dollar steigern. Gleichzeitig sind 160 Millionen Menschen in die Armut gerutscht.

Den Haag (Niederlande). Laut Daten der Organisation Oxfam hat die Covid-19-Pandemie global zu einer deutlichen Zunahme der sozialen Ungleichheit geführt. Das Vermögen der zehn Reichsten der Welt sind von 700 Milliarden Dollar auf 1,5 Billionen Dollar angewachsen. Das entspricht einem täglichen Durchschnittszuwachs von 1,3 Milliarden Dollar bzw. 130 Millionen Dollar pro Person. Während der Pandemie ist das Vermögen der Milliardäre damit stärker gewachsen als in den 14 Jahren zuvor. Gleichzeitig sind während der Pandemie mehr als 160 Millionen Menschen in die Armut gerutscht.

„Für Milliardäre gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Großteil ist bei Menschen hängen geblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren. Während ihr Vermögen so schnell wächst wie nie zuvor und einige Ausflüge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen“, kommentiert Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland die Situation.

Konzentration der Vermögen auch in Deutschland

Auch in Deutschland kam es während der Pandemie zu einer weiteren Konzentration der Vermögen. Die zehn reichsten Personen besitzen etwa 256 Milliarden Dollar, vor der Pandemie waren es 144 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 78 Prozent in etwa zwei Jahren.

Weltweite Steuerreformen gefordert

Die Organisation fordert als Reaktion auf die signifikante Zunahme der sozialen Ungleichheit globale Steuerreformen, die die Reichen stärker belasten sollen. Die zusätzlichen Einnahmen sollen in die weltweite Impfstoffproduktion sowie die Gesundheitsversorgung fließen. Außerdem sollen die Steuereinnahmen in den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt sowie in die globale Anpassung an den Klimawandel investiert werden.

Kritik an der Studie

In der Vergangenheit kritisierten Wirtschaftsexperten die Studie, weil sie auf dem Global Wealth Report der Bank Credit Suisse basiert. Dieser enthält für einige Länder jedoch keine oder nur veraltete Daten. Auch in der aktuellen Ausgabe ist laut Professor Andreas Peichl, Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen keine eigene Methodik zu erkennen.

„Die Aussagen zu den Vermögensänderungen der reichsten zehn Menschen stimmen vermutlich, sind aber trivial. Letztendlich hat Oxfam darauf verzichtet, selbst etwas herauszufinden, sondern stellt einfach Ergebnisse anderer Studien in den politisch gewünschten Zusammenhang. Von daher kann man diesmal methodisch kaum etwas kritisieren, weil Oxfam methodisch eigentlich nichts selbst etwas macht. Viele der Aussagen sind jedoch vermutlich gar nicht mal falsch – man müsste sie halt nicht so tendenziös vortragen sondern besser wissenschaftlich sauber und seriös präsentieren. Aber das bringt vermutlich weniger Schlagzeilen“, so Peichl gegenüber ZEIT ONLINE.

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