Steigende Lebenserwartung

Warum die Menschen immer älter werden

von Dennis L.

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Eigentlich sind die Gründe dafür ziemlich einleuchtend, befinden wir uns doch gerade in einer Zeit, in der die Medizin ständig weitere Fortschritte macht und uns die Digitalisierung das Leben, insbesondere das Arbeitsleben und die zugehörigen Bedingungen, erleichtert. Es gibt allerdings noch viele weitere Gründe, warum wir immer älter werden. Allerdings bleibt die immer weiter steigende Lebenserwartung nicht ohne Folgen und weitere Auswirkungen. Vor allem das Thema Altersarmut ist ein Problem, das sich dadurch ergibt und vor dem viele Menschen Angst haben.

In den vergangenen 100 bis 150 Jahren hat sich wirklich viel verändert, was die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland angeht. Wirft man einen Blick auf die Kohortensterbetafeln des statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2017, kann man unter anderem feststellen, dass sich das durchschnittliche Sterbealter seit 1880 bis 2017 mehr als verdoppelt hat.

Demnach lag die Lebenserwartung für Frauen vor 140 bei 44 Jahren. Männer wurden im Schnitt 41 Jahre alt. Im Vergleich zu heute ist das ein gewaltiger Sprung. Frauen, die im Jahr 2017 geboren wurden, haben eine Lebenserwartung von 92,9 Jahren, während Männer mit 89,8 Jahren rechnen können. Die Gründe für diese Veränderungen innerhalb des vergangenen Jahrhunderts sind wirklich vielfältig.

Dennoch hat so eine Steigerung der Lebenserwartungen von Männern und Frauen Folgen: Wer länger lebt, braucht im Alter mehr Geld. Ohnehin reichen Beträge der gesetzlichen Rente schon heute nicht mehr aus, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Deshalb sollte man schon früh mit einer privaten Altersversorgung beginnen, um eventuelle finanzielle Defizite in der Rente ausgleichen zu können. Ein gutes Beispiel, das zudem staatlich gefördert wird, ist die Riesterrente.

Medizinischer Fortschritt ein großer Faktor

Dass die Menschen immer älter werden, ist wohl zu einem Großteil der Wissenschaft und insbesondere der Medizin zu verdanken. Anfang des 20. Jahrhunderts war ein großer Aspekt die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit. Während im Jahr 1870 noch etwa ein Viertel aller Säuglinge in Deutschland das erste Lebensjahr nicht überlebten, starben im Jahr 1938 nur noch etwa 60 von 1.000 Neugeborenen.

Was die steigenden Lebenserwartungen angeht, ist die Säuglingssterblichkeit jedoch heute ein weniger großes Thema als die sinkende Sterblichkeit der Menschen über 65 Jahre. Vor allem die medizinischen Fortschritte in der Behandlung von Krebs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen tragen ihren Teil dazu bei.

Auch in Zukunft wird sich die Medizin weiterentwickeln und die Lebenserwartung allein deshalb weiter ansteigen. Ein großes Thema, das uns wohl dann noch häufiger begegnen wird, ist die Stammzellenforschung. Dabei geht es darum, dass leere Zellen von Forschern so „programmiert“ werden können, dass sie zu jeder beliebigen Zellart werden können. Der Mensch würde auf diese Weise zu seinem eigenen Ersatzteillager werden, so die Theorie.

Veränderungen in der Lebensweise

Die Deutschen leben immer bewusster und möchten gesünder konsumieren. Immer mehr wird auf eine ausgewogene Ernährung, Sport und auf den gemäßigten Konsum von Alkohol und Zigaretten geachtet oder sogar komplett verzichtet. Generell ist der Konsum solcher Genussmittel deutlich gesunken. Vor allem die Zahl der Raucher geht immer weiter zurück. Dennoch ist das Rauchen laut der deutschen Krebsgesellschaft noch immer die häufigste vermeidbare Todesursache in Industrieländern.

Im Jahr 1978 griffen noch etwa 43 Prozent der Männer zu den Glimmstängeln, heutzutage sind es nur noch 30 Prozent. Auch der Fleischkonsum hat nachgelassen. Etwa sieben Millionen Vegetarier leben aktuell in Deutschland. Mindestens 800.000 leben sogar vegan.

Der Trend geht also mehr in Richtung eines gesunden und sportlichen Lebens. Immer mehr Menschen versuchen ihren Körper fit zu halten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten Bewegung oder 75 Minuten Sport pro Woche. Um sich allerdings wirklich gesund zu halten, sollten Erwachsene doppelt so viel trainieren.

Wohlstand und Arbeitsbedingungen

Je wohlhabender und besser entwickelt ein Land ist, desto älter werden generell die Menschen, die darin leben. Das mag wohl daran liegen, dass reichere Länder meist über bessere Gesundheitssysteme verfügen. Dazu gehören medizinische Infrastrukturen, aber auch die Forschung und die Aufklärung über verschiedene Krankheiten.

Gleichzeitig spielt eine gewisse soziale Stabilität mit. Besser entwickelte Länder sind weniger anfällig für Seuchen, Hungersnöte oder Bürgerkriege, was ebenfalls zur Steigerung der Lebenserwartung beitragen kann. Dafür sind unter anderem die bessere Bildung, Hygienestandards und die soziale Fürsorge verantwortlich.

Stimmen die Lebensbedingungen wird automatisch die Lebensfreude des Einzelnen erhöht, was sich ebenfalls in einem längeren Leben äußern kann. Gleiches gilt für die jeweiligen Arbeitsbedingungen. Während Arbeitnehmer im 19. Jahrhundert zu Beginn der Industrialisierung unter anderem heftige körperliche Strapazen hinnehmen mussten, sorgen automatisierte Prozesse dank der Digitalisierung für deutliche Erleichterungen.

Viele körperliche und gefährliche Berufe sind dadurch einfach weggefallen. Zudem sind die Arbeitszeiten der Menschen drastisch reduziert worden, was ein Leben losgelöst von der Arbeit ermöglicht. Hobbys, Freunde und Familie steigern die Lust am Leben und somit dessen Länge.

Es ist abzusehen, dass die Menschen auch in Zukunft weiterhin noch älter werden. Die Möglichkeiten der Medizin sind noch lange nicht ausgeschöpft. Die Lebensbedingungen in Deutschland sind stets im Wandel und die Politik ist in den meisten Fällen darauf bedacht, die Situation immer weiter zu verbessern. Es bleibt abzuwarten, wie sich das auf das Alter unserer Gesellschaft auswirken wird.

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