Ein Vitamin-D-Mangel gilt als eines der häufigsten Ernährungsdefizite weltweit und tritt bei Menschen mit Adipositas besonders oft auf. Zugleich geht starkes Übergewicht mit einer dauerhaften, unterschwelligen Entzündung einher, die viele chronische Krankheiten begünstigt. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel diese stille Entzündung mit antreibt und dass beide Faktoren zusammen mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden sind. Ein einfacher Zusammenhang aus Ursache und Wirkung ist damit allerdings nicht bewiesen.
Vitamin D ist streng genommen kein klassisches Vitamin, sondern eine Vorstufe eines Hormons, das der Körper unter Einwirkung von Sonnenlicht in der Haut selbst bildet und das zusätzlich über die Nahrung aufgenommen wird. Bekannt ist seine zentrale Rolle für den Knochenstoffwechsel, doch der Botenstoff wirkt auch auf das Immunsystem und auf Entzündungsprozesse. Als Marker für die Versorgung dient die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D im Blut, wobei Werte unter etwa 50 Nanomol pro Liter gemeinhin als Mangel gelten. Ein solcher Mangel ist in vielen Bevölkerungen verbreitet und betrifft je nach Region und Jahreszeit einen erheblichen Anteil der Menschen. Besonders häufig tritt er bei Personen mit starkem Übergewicht auf, weil das fettlösliche Vitamin im Fettgewebe eingelagert und dadurch dem Blutkreislauf teilweise entzogen wird.
Der zweite Baustein dieses Zusammenhangs ist die sogenannte niedriggradige chronische Entzündung. Bei Adipositas verändert sich der Stoffwechsel des Fettgewebes, das vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe ausschüttet und die Konzentration entzündungshemmender Signale senkt. Ein häufig genutztes Maß für diesen Zustand ist das C-reaktive Protein im Blut, das bei anhaltender Entzündung erhöht ist. Diese stille Entzündung verläuft ohne akute Beschwerden, gilt aber als Wegbereiter zahlreicher Folgeerkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Leiden, Typ-2-Diabetes und bestimmte Stoffwechselstörungen. Weil sowohl ein Vitamin-D-Mangel als auch eine erhöhte Entzündungslast typischerweise mit Übergewicht zusammentreffen, ist es wissenschaftlich anspruchsvoll, ihre Beiträge sauber voneinander zu trennen. Genau an dieser Stelle setzen aktuelle Analysen an.
Ob ein Vitamin-D-Mangel die Entzündung tatsächlich mit verursacht oder nur begleitet, war lange unklar. Eine mit genetischen Verfahren arbeitende Untersuchung liefert hierzu ein deutliches Signal, indem sie zeigt, dass ein Anstieg des Vitamin-D-Spiegels aus dem Mangelbereich heraus mit sinkenden Entzündungswerten einhergeht, während umgekehrt eine Veränderung der Entzündung den Vitamin-D-Spiegel nicht beeinflusst. Diese Richtung des Zusammenhangs spricht dafür, dass ein Ausgleich eines Mangels die stille Entzündung zumindest teilweise dämpfen könnte, wie sich in der Analyse zur Wirkrichtung von Vitamin D nachlesen lässt. Andere Auswertungen betonen zugleich, dass ein großer Teil des beobachteten Zusammenhangs zwischen Vitamin D und Entzündungsmarkern auf die Menge des Körperfetts zurückgeht. Das Fettgewebe ist damit sowohl an der Entstehung des Mangels als auch an der Entzündung beteiligt.
Für die Frage nach dem Sterberisiko sind Beobachtungsstudien maßgeblich, die große Personengruppen über Jahre begleiten. Solche Untersuchungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sowohl ein niedriger Vitamin-D-Spiegel als auch eine erhöhte Entzündungslast unabhängig voneinander mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sind. Treffen beide Faktoren zusammen, fällt das Risiko in diesen Auswertungen am höchsten aus, was auf ein Zusammenwirken der beiden Zustände hindeutet. Diese Zahlen beschreiben allerdings statistische Zusammenhänge und keine belegte Ursache, denn Menschen mit Mangel und hoher Entzündung unterscheiden sich häufig auch in anderen Merkmalen wie Vorerkrankungen oder Lebensstil. Kontrollierte Studien zur gezielten Einnahme von Vitamin D haben zudem gemischte Ergebnisse geliefert und keinen durchgängigen Überlebensvorteil gezeigt. Ein Vitamin-D-Mangel ist damit ein ernst zu nehmender, aber nicht der alleinige Faktor in einem komplexen Zusammenspiel.