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Überraschende Erkenntnis

Substanz der Mariendistel bekämpft Hepatitis C-Viren

Forscher haben zufällig einen antiviralen Effekt von Silibinin, dem Hauptbestandteil der Mariendistel, nachweisen können. Erste klinische Studien deuten zudem an, dass der Wirkstoff aus der Mariendistel sogar gegen Hepatitis C wirkt.

Wien (Österreich). Bisher war über den Mariendistel-Bestandteil Silibinin lediglich bekannt, dass es intravenös als Gegengift bei Knollenblätterpilzvergiftungen hilft. Zudem sollen Inhaltsstoffe der Mariendistel gut für die Leber sein, weil sie die Aufnahme der Amatoxine minimiert und geschädigte Leberzellen zur Regeneration anregen. Der Wirkstoff der Pflanze, die zu der Gattung der Carduoideae gehört, soll zudem gegen den altersbedingten Rückgang der Hirnfunktionen, die Produktion von Muttermilch steigern und kann den Blutzuckerspiegel bei Diabetespatienten senken. Aus diesen Gründen werden orale Mariendistel-Präparate auch häufig in Kombination mit anderen Therapien vom Arzt angeordnet. Dass Inhaltsstoffe der Mariendistel auch antiviral wirken und sogar zur Behandlung von Hepatitis CHepatitis C eingesetzt werden können, war bisher völlig unbekannt.

Professor Dr. Peter Ferenci von der Medizinischen Universität Wien nennt die Entdeckung, die er und sein Team jetzt gemacht haben, einen Zufallstreffer. „Eigentlich wollten wir mit einer kleinen klinischen Studie eine ganz andere Hypothese überprüfen“, erklärt er. „Nämlich, dass Silibinin, die Hauptkomponente des Mariendistelextrakts, die Wirkung einer Standardtherapie mit Interferon erhöht, indem es den oxidativen Stress von Leberzellen senkt.“ Den antioxidativen Effekt haben die Forscher zwar nicht nachweisen können, dafür aber den antiviralen Effekt. Um die überraschenden Ergebnisse zu charakterisieren, führten sie eine zweite klinische Pilotstudie durch und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal Gastroenterology.

Dringend neue Behandlungsmöglichkeiten gesucht

Über die Hälfte aller Hepatitis C-Infektionen verlaufen chronisch und können schnell zu Leberzirrhosen und sogar Leberkrebs führen. Heute wird als Standardtherapie bei chronischer Hepatitis C eine antivirale Kombination aus pegyliertem Interferon und Ribavirin über einen Zeitraum von 24 oder 48 Wochen verabreicht. „Jedoch spricht etwa die Hälfte der Patienten nicht auf die Behandlung an. Daher sucht man schon lange nach wirkungsvollen Alternativen.“, erklärt Ferenci. Diese sogenannten Non-Responder haben die Forscher nun mit einer täglichen Infusion von 10 mg Silibinin pro Kilogramm Körpergewicht behandelt. Bereits nach einer Woche betrug die Viruskonzentration im Blut der Patienten nur noch ein Zehntel des Wertes vor dem Therapiebeginn. Die Forscher stellten jedoch fest, dass nach Beendigung der Studie die Zahl der Viren wieder anstieg – obwohl diese weiterhin mit pegyliertem Interferon und Ribavirin behandelt wurden.

Zweite Studie mit besseren Ergebnissen

Die Forscher wollten die Substanz aus der Mariendistel noch nicht aufgeben und führten eine zweite Studie durch – diesmal mit höheren Silibinin-Konzentrationen. Dazu teilten sie 20 Personen, die nicht auf die Standardtherapie ansprachen, in vier Gruppen ein. Über zwei Wochen hinweg verabreichten sie den Patienten unterschiedliche Silibinin-Konzentrationen: 5, 10, 15 oder 20 mg Silibinin pro Kilogramm Körpergewicht. In der zweiten Woche setze dann zusätzlich die bisherige Standardtherapie ein. Den Forschern gelang der Nachweis einer dosisabhängigen antiviralen Wirkung des Mariendistel-Extrakts.

In der höchsten Dosierung betrug die Virenanzahl nur noch ein Tausendstel des Ausgangswerts. Zudem hielt die Wirkung bei sieben der 20 Patienten auch noch nach zwölf Wochen an. „Möglicherweise haben wir also eine Behandlungsmöglichkeit für Non-Responder entdeckt“, erklärt Ferenci. Es seien aber noch weitere Studien notwendig und die Substanz der Mariendistel wird auch nicht als Ersatz zur Standardtherapie, sondern als Ergänzung, angesehen.

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