Unfruchtbarkeit

Studie empfiehlt Männern mit Kinderwunsch weniger Handynutzung

Robert Klatt

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Eine umfassende Metastudie zeigt, dass Handynutzung die Spermienqualität reduziert. Männer mit Kinderwunsch sollten laut den Autoren deshalb auf ein Mobiltelefon verzichten.

Busan (Südkorea). Seit einigen Jahrzehnten leiden immer mehr Männer unter Sterilität und Subfertilität. Die Probleme bei der Fruchtbarkeit werden laut einer Metastudie aus dem Jahr 2017 durch die sinkenden Spermienkonzentration ausgelöst. Diese hat sich bei Männern in westlichen Industrieländern wie Deutschland seit den 1970er-Jahren halbiert. Welche Gründe für den Rückgang der Spermien im Ejakulat und damit für die schwierigere Befruchtung verantwortlich sind, konnte die Wissenschaft bisher noch nicht eindeutig bestimmen.

Als wahrscheinlich gilt jedoch, dass hormonwirksame Kunststoffe, der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und der zunehmende Stress in Kombination die Spermienkonzentration reduzieren. Zudem vermuteten einige Wissenschaftler, dass auch die Nutzung von Funktechnik etwa in Mobiltelefonen die Spermienkonzentration negativ beeinflusst hat.

Metastudie untersucht Einfluss von Strahlung

Wissenschaftler um den Bioinformatiker Yun Hak Kim von der Universität Busan haben nun im Rahmen einer Metastudie untersucht, ob sich elektromagnetische Funkwellen (RF-EMWs) tatsächlich auf die Spermienkonzentration auswirken. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Environmental Research baut die Studie auf einer Metanalyse aus dem Jahr 2011 auf.

Diese kam bereits zu dem Ergebnis, dass RF-EMWs die Spermienkonzentration, die Motilität der Spermien und ihre Lebensfähigkeit negativ beeinflussen kann. Das südkoreanische Forscherteam hat zusätzlich neue Daten aus den Jahren von 2012 bis 2021 analysiert. Insgesamt beinhaltet ihre Metastudie 18 Studien, die jeweils mindestens 4.200 Spermienproben umfassten.

Korrelation zwischen Mobilfunknutzung und Spermienqualität

Die Analyse zeigt eine statistisch relevante Korrelation zwischen der Spermienqualität und der Nutzung von Mobilfunk. Festgestellt wurde dieser Effekt sowohl bei Spermienkulturen im Labor als auch bei lebenden Menschen. Laut Kim sollten Männer mit einem Kinderwunsch das Ergebnis ernst nehmen. „Männliche Mobilfunknutzer sollten versuchen, ihre Nutzung zu reduzieren, um ihre Spermienqualität zu schützen“, empfiehlt der Wissenschaftler.

Welche kausalen Zusammenhänge zwischen der Mobilfunknutzung und der schlechteren Spermienqualität bestehen, wurde im Rahmen der Metastudie nicht untersucht. Laut Kim sind deshalb weitere Untersuchungen nötig, um herauszufinden, wieso RF-EMWs die negative Wirkung auslösen.

Environmental Research, doi: 10.1016/j.envres.2021.111784

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