Covid-19

Schützen Brillen vor SARS-CoV-2?

Robert Klatt

Gesichtsschilde und Brillen könnten laut einer chinesischen Studie das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko reduzieren.

Nanchang (China). SARS-CoV-2 gelangt hauptsächlich über die Nase und den übrigen Atemweg in den Körper des Menschen. Studien haben aber auch belegt, dass infektiöse Tröpfchen und Aerosole, die beim Husten, Niesen, Atmen und Sprechen ausgestoßen werden und für mehrere Minuten in der Luft verbleiben können, auch an andere Organe mit ACE2-Rezeptoren andocken können. Möglicherweise gehören dazu auch die Augenschleimhäute, die ebenfalls ACE2-Rezeptoren besitzen. Ein weiteres Indiz dafür ist außerdem, dass bei Covid-19-Patienten bereits SARS-CoV-2 in den Tränensäcken und der Tränenflüssigkeit nachgewiesen wurde.

Weibiao Zeng vom Universitätsklinikum Nanchang erklärt, dass „die Augen daher als eine Eintrittspforte in den menschlichen Körper für SARS-CoV-2 gelten.“ Um ihre These zu untersuchen, haben die Wissenschaftler deshalb eine Studie mit 276 Covid-19-Patienten durchgeführt, die im Fachmagazin JAMA Ophthalmology publiziert wurde. Dabei wurde untersucht, ob es beim Anteil und Krankheitsverlauf von kurzsichtigen Brillenträgern und Nichtbrillenträger Unterschiede gibt.

Wenig Brillenträger unter Covid-19-Patienten

Laut den Wissenschaftlern „handelt es sich dabei um die erste Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Tragen einer Brille und der Covid-19-Infektion untersucht.“ Unter den 276 Covid-19-Patienten des Universitätsklinikums Nanchang gab es lediglich 16 Personen (5,8 Prozent), die dauerhaft eine Brille tragen. In der allgemeinen Bevölkerung liegt der Anteil der Brillenträger hingegen bei 31 Prozent. Laut Zeng „war der Anteil der Brillenträger unter den Covid-19-Patienten somit signifikant geringer, als nach diesen Zahlen zu erwarten wäre.“ Unterschiede im Krankheitsverlauf und bei den Symptomen gab es hingegen nicht.

Schutz vor Tröpfcheninfektionen?

Die Daten sind laut den Wissenschaftlern ein Hinweis darauf, dass Brillen das Infektionsrisiko bei SARS-CoV-2 signifikant reduzieren können. Als Grund dafür nennen die Forscher einerseits, dass die Gläser als Schutz vor potenziell infektiösen Tröpfchen wirken aber auch, dass Brillenträger sich weniger oft die Augen reiben. Laut Zeng „haben Studien belegt, dass Nichtbrillenträger sich unwillkürlich rund zehnmal pro Stunde an die Augen fassen.“

Mehr Daten nötig

In einem im Fachmagazin JAMA Ophthalmology erschienenen Begleitkommentar schreibt Lisa Maragakis von der Johns Hopkins University, dass, auch wenn die Ergebnisse faszinierend sind, können wir daraus noch nicht ableiten, dass die breite Bevölkerung nun Schutzbrillen oder Gesichtsschilde tragen sollte.“ Auch die Studienautoren sind der Ansicht, dass die aktuelle Datenlage noch keine allgemeine Empfehlung ermöglicht. Ob eine Brille oder ein Gesichtsschild das Infektionsrisiko tatsächlich reduziert, soll daher noch größere Studien überprüft werden.

JAMA Ophthalmology, doi: 10.1001/jamaophthalmol.2020.3906

JAMA Ophthalmology, doi: 10.1001/jamaophthalmol.2020.3909

Spannend & Interessant
VGWortpixel