Robert Klatt
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Männern, mindestens zwei Tage auf eine Ejakulation zu verzichten, um ihre Fruchtbarkeit zu erhöhen. Nun wurde entdeckt, dass eine regelmäßige Ejakulation die Spermienqualität stark erhöht, weil die post-meiotische Alterung der Spermien ihre Leistungsfähigkeit schnell reduziert.
Oxford (England). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Männern vor der Abgabe einer Samenprobe oder einer künstlichen Befruchtung, für mindestens zwei, besser sieben Tage, nicht zu ejakulieren. Forscher der University of Oxford haben nun eine Studie publiziert, laut der die Empfehlung der WHO nicht korrekt ist. Männer, die regelmäßig ejakulieren, haben demnach eine höhere Spermienqualität.
Die Metastudie basiert auf 115 Studien mit insgesamt 54.889 männlichen Probanden und 56 Studien mit 30 nichtmenschlichen Arten, darunter Insekten bis zu Säugetieren. Laut den analysierten Studien sinkt die Spermienqualität schnell ab, wenn diese länger gespeichert wird, egal ob dies im männlichen oder weiblichen Körper geschieht.
Die sogenannte post-meiotische Alterung der Spermien senkt deren Leistungsfähigkeit und reduziert die Fruchtbarkeit der Männer sowie die Qualität der Embryonen. Bei Männern führt eine längere Enthaltsamkeit zudem zu mehr DNA-Schäden in den Spermien und einer reduzierten Beweglichkeit und Lebensfähigkeit.
„Spermien verbrauchen ihre gespeicherten Energiereserven schnell und haben nur begrenzte Möglichkeiten zur Reparatur. Unsere Studie zeigt, dass regelmäßige Ejakulation einen kleinen, aber bedeutenden positiven Effekt auf die männliche Fruchtbarkeit haben kann.“
Wie die Forscher erklären, können viele weibliche und männliche Tiere Spermien für mehrere Tage speichern, um ihre Fortpflanzungschancen zu verbessern. Männer speichern Spermien für mehrere Tage, um immer ausreichend Ejakulat für eine mögliche Fortpflanzung zu besitzen. Im Körper von Frauen können Spermien ebenfalls mehrere Tage überleben, damit sich diese auch dann fortpflanzen können, wenn nur wenige Männer zur Paarung bereitstehen. Laut den neun publizierten Ergebnissen der Metastudie verschlechtert sich die Spermienqualität im männlichen Körper aber deutlich schneller als in einem weiblichen Körper.
„Ejakulate sollten als Populationen einzelner Spermien betrachtet werden, die geboren werden, sterben, altern und einer selektiven Sterblichkeit unterliegen. Die Geschwindigkeit dieser Prozesse kann sich zwischen Männchen und Weibchen unterscheiden und beeinflusst die ‚demografische‘ Struktur der Spermienpopulationen sowie geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Speicherung.“
Laut den Wissenschaftlern hat die Medizin bisher vernachlässigt, dass Spermien auch im männlichen Körper altern. Die neuen Erkenntnisse könnten deshalb starke Auswirkungen auf die Reproduktionsmedizin haben, etwa dadurch, dass die empfohlene Enthaltsamkeitsdauer reduziert wird. Diese sollte vor einer künstlichen Befruchtung maximal zwei Tage dauern und nicht wie bisher von der WHO empfohlen sieben Tage, um die Erfolgschancen zu maximieren.
Quellen:
Publikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Pressemitteilung der University of Oxford
Studie im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2025.3181